Als Künstler*in ist es stets von Vorteil, wenn das eigene Werk den Zeitgeist widerspiegelt. Manche Künstler*innen springen dafür auf so ziemlich jeden Trend auf, um irgendwie wahrgenommen zu werden, dabei ist die Indie Band SHAED das beste Beispiel dafür, dass man dies nicht einmal tun muss. Wie die US-amerikanische Band mit ihrem Debüt-Album “High Dive” die Atmosphäre des Zeitgeistes vertont hat, erfahrt ihr hier:

1. I got dizzy – Beim Versuch NFTs zu verstehen

Wenn die SHADE-Sängerin Chelsea den Refrain des Songs „Dizzy“ mit ihrer einzigartigen Stimme beginnt und jeden Ton dabei so lang und zugleich so abgebrochen präsentiert, dann vermittelt dieser Song, der von der Pandemie Situation inspiriert ist, die gleichen Gefühle, wie wenn man versucht, den Hype um NFT-Kunstwerke zu verstehen. Eigentlich ist der Hype (wenn man erst gar nicht versucht, das ganze Komplexe zu verstehen) am Ende doch Recht einfach erklärt: NFTs (Non-Fungible-Tokens) sind wie ein nicht reproduzierbares Original Gemälde von Van Gogh, was aber nur auf einer Blockchain im Internet existiert. Aufgrund dieser nicht Reproduzierbarkeit wird im Zusammenhang mit NFTs im Feuilleton gerne Walter Benjamin zitiert, da NFTs durch ihre einzigartigen Zertifikate irgendwie seine These, dass das Kunstwerk durch die technische Reproduktion seinen historischen Einzelwert verliert, widerlegt. Benjamin zu Folge verlieren Kunstwerke durch ihre Reproduzierbarkeit ihre Aura. Das diese Aura aber auch nicht bei nicht-NFTs verloren gehen muss, beweist das Musikvideo zu “Dizzy”, den die Atmosphäre des verlassenen Hauses, die vielen Farbstimmung und Geister des Verstandes übertragen ihre Wirkung auch so auf eine fantastische Art und Weise.

2. I can tell you how the story ends – War Musik das erst Clubhouse?

2019 war SHAED für mehre Wochen in Japan und von diesem Aufenthalt erzählt nun der Song „Osaka“.  Das mündliche Erzählen von Geschichten erlebt momentan auch in den sprachbasierten Social Media Formaten eine neue Bedeutung, sei es Clubhouse, Stereo oder die Live Audio Rooms von Facebook. Der Hype der Apps wurde durch den Lockdown und die fehlenden Stimmen der Umgebung beheizt. Doch keine App wird die Wärme der menschlichen Stimme so schnell einfangen können, wie es Musik kann. Schließlich braucht “Osaka” nicht einmal zweieinhalb Minuten, um die Hörer*innen mit dem stark Synthies dominierten Beat auf eine verzauberte Reise mitzunehmen.

3. Who I was is a mystery – Die Akzeptanz aller Identitäten als oberstes Ziel

In letzter Zeit hört man oft Sätze à la „durch Social Distancing musste ich mich das erste Mal so richtig mit mir selbst auseinandersetzen“. Menschen, die nicht weiß-ablebodied-cis und hetero sind, waren aufgrund der gesellschaftlichen Normen und Repressalien, wenn man diese nicht erfüllt, hingegen schon immer zu einer starken Auseinandersetzung mit der eigenen Identität gezwungen. Im Song „Colorful“ beschreibt SHAED einfühlsam die Erfahrungen von Bandmitglied Max, als dieser sich vor seinem Bruder Spencer (ebenfalls Bandmitglied und verheiratet mit Frontfrau Chelsea) als schwul geoutet hat. Die eindrucksvolle Art und Weise, wie SHAED um die Rechte für die LGBTQI+ Community eintritt, spiegelt sich dabei auch in den sanften Tönen des Pianos wider, die langsam von einem pochenden Elektro Beat aufgeladen werden. SHAED verkörpern also nicht nur in ihrer Besetzung, sondern auch in ihren Songs den Wunsch ihrer Generation und ihres Zeitgeistes nach der Akzeptanz jeder Identität – egal wie bunt diese auch sein mag.


Ihr könnt SHAED hier auf Instagram folgen und hier geht es zu ihrer Website.