Keine Angst, bei sickboy geht es nicht zu wie bei ‘Trainspotting’: Sie werfen nicht mit Billardkugeln und schießen auch nicht mit Luftgewehren auf Kampfhunde. Zumindest nicht im wörtlichen Sinne. Köln ist schließlich nicht Edinburgh. Im Bandkosmos von sickboy haben sich harte Gitarren und tanzbare Beats lieb und Pop meint weder Inhaltsleere noch Verrat, sondern drückt schlicht die Schönheit im Hässlichen aus.

Als Gitarrist und Sänger Keke vor den Trümmern seiner alten Band steht, hält er sich nicht lange mit Grabesreden auf. Mit Bassist Krise und Drummer Boris nimmt das Trio erste Demos auf, experimentiert mit Elektronik, probiert sich und alles Mögliche aus und stellt fest: Wir brauchen mehr Gitarren! 2006 kommt Spilli ins Spiel, durch den die Band deutlich rockiger und krachiger wird. Mit derartig optimierter Durchschlagskraft ausgestattet fressen sickboy zunächst den Dreck der Straße und berauschen sich an seinem Geschmack bei Konzerten. Im Frühjahr 2006 gehts fürs erste öffentliche Demo ins Studio.

Da jeder sickboy völlig unterschiedliche Einflüsse mitbringt, fällt es zunächst schwer, verbindliche Referenzen zu nennen. Nur so erklärt sich vermutlich auch der ingeniöse Stilmix, der in den Songs mitschwebt. Aber auch, wenn man hier und da klare Einflüsse zu verorten meint – sickboy klingen eigentlich nur nach sickboy. Aus allen Phasen ihrer musikalischen Sozialisation haben diese Jungs genau die richtige Dosis mitgenommen: Die Energie des Punk, die Indie-Affinität der frühen Neunziger und den Konfrontationswillen harten Alternative-Rocks gepaart mit Melodieseligkeit und Experimentierfreude. So kommt es zu dem kongenialen Wechselspiel der Band zwischen druckvoller Instrumentierung und melancholischen Vocals, auf das Motor Music aus Berlin 2007 aufmerksam wird und sickboy für ihr neues Digital-Label signt. Die Band verschwindet daraufhin im ‘Tonstudio 45’ von ‘Blackmail’. Kurt Ebelhäuser mischt „Along the Way“, ein Debutalbum mit 12 Songs, die krachen und knarzen, spröde daherkommen und dennoch verdammt appetitlich sind. Hier sind sickboy: Willkommen in der Gegenwart!

Ach ja, eins noch: Als sickboy ihr erstes Konzert spielten, hatte die Band überhaupt noch keinen Namen. Gehandelt werden musste also schnell, und so ging es erstmal in Kölns abgewrackteste Rock’n’Roll-Kneipe. Meeting und so. Im weiteren Verlauf der Nacht spielen eine besonders ekelhafte Toilette und die dort verankerte Kloschüssel tragende Rollen. Man will da jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst wird’s unappetitlich, nur soviel: Schon mal die Kloszene aus ’Trainspotting’ gesehen? Eben.

Torsten Gross, Uncle Sally´s