Bekannt wurde die Sam Ragga Band durch ihr Mitwirken am Album ‘Searching For The Jan Soul Rebels’ von Jan Delay. Erst danach folgten eigene CDs, bei denen immer einige Gäste wie Samy Deluxe, Patrice und Nena mitwirkten. Bei ‘Situations’ rappt diesmal aber ausschließlich der englische MC Sean Theobalds, besser bekannt unter seinem abgekürzten Pseudonym Seanie T.!

“Für ‘Situations’ wollten wir uns stärker auf Sean konzentrieren, um ein klareres Bild der Band zu erreichen”, beschreibt Keyboarder Oliver Kusterer die Idee hinter dieser Maßnahme. “Besonders zu Beginn war vielen nicht klar, wer oder was die Sam Ragga Band ist, weil damals jede Menge Gäste mitwirkten. Viele Leute fragten uns auf Tour, warum Jan Delay und Samy Deluxe nicht dabei wären. Live war das Ganze eben etwas völlig anderes!”

Die Musik kam natürlich von den selben Leuten wie auf Platte, nämlich von Oliver und seinen Kollegen, dem Drummer Hartmut Karez, Gitarrist Marc Wilkes, Bassist Alexander Busse und Percussionist Detlef von Boetticher. Aber Frontmann ist eben eigentlich immer schon Seanie T., der über die Riddims alle möglichen Geschichten aus dem Alltag eines jungen Engländers toastet. “In London bin ich eher als Rapper bekannt. Ich kenne alle wichtigen MCs und betreibe ein eigenes Label namens ‘Dark Horizon’. Demnächst kommt da auch ein Album raus, bei dem zum Beispiel Roots Manuva und Rodney P. von der London Posse mitgewirkt haben. Es war der HipHop, der mich damals überhaupt nach Deutschland brachte, als mich Blak Twang zur Tour mit Dynamite Deluxe einlud.”

So kam es, dass er von Anfang an mit der Sam Ragga Band zusammenarbeitete. “Die Musik, die wir bei der Sam Ragga Band machen, kommt durch gemeinsame Jam-Sessions zustande. Wir machen, was wir fühlen. Deswegen lassen wir uns auch nur schwer auf ein Genre festlegen.” Gut, ‘Never Give Up’ ist eher akustisch gehalten und ‘Love Affair’ klingt afrikanisch, aber die Grundlage des Sounds auf ‘Situations’ ist bei der Sam Ragga Band wie schon früher überwiegend der Reggae. Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum Jan Delay sich für sein zweites Album namens ‘Mercedes Dance’ eine neue Band zusammengestellt hat, mit der er verstärkt dem Funk huldigen kann. “Von der Sam Ragga Band hat nur unser Bassist Ali Busse wieder bei Jan Delay mitgespielt. Sein neues Album wird also definitiv nicht so klingen wie das erste.

Doch auch ‘Situations’ klingt nun etwas anders als der Vorgänger ‘Sound Of Sam Ragga’. Nicht unbedingt von der Musik her, aber diesmal sind definitiv keine deutschen und französischen Titel enthalten. Dafür kann nun Sean seine thematische Vielfältigkeit verstärkt unter Beweis stellen. ‘Come Rock With Me’ bezeichnet die Band selbst als Feel-Good-Track, wohingegen in vielen anderen Stücken auch soziale Missstände angesprochen werden. Bei ‘Situation’ rät Sean den Zuhörern zum Beispiel davon ab, ihre Probleme mit Alkohol lösen zu wollen, gegen den Einsatz von Waffen wettert er in ‘Stop Firing’ und mit ‘All Fucked Up’ beschreibt er, dass eine Inhaftierung kein Zuckerschlecken ist: “Ich kenne leider viele Jungs, die im Knast sitzen. Ich habe also selbst miterlebt, wie einen das kaputt machen kann. Wer will schon hinter Gittern sitzen und den Spaß des Lebens verpassen? Natürlich ist Spaß nicht der einzige Antrieb im Leben, aber ein wichtiger Teil davon. Selbst der ehemalige US-Präsident Bill Clinton wollte sich nicht jeden Tag nur mit Politik beschäftigen und vergnügte sich daher zwischendurch auch mal mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky. Ähnlich geht es uns allen, deswegen behandele ich die unterschiedlichsten Themen. Das Wichtigste an unserer Musik beziehungsweise meinen Texten ist, dass sie niemanden verletzen. Ich sehe mich aber nicht in einer Vorbild-Funktion. Wenn sich allerdings jemand mit mir und meinen Aussagen identifizieren kann, freut mich das natürlich!”