Eins muss man Ben Chasny lassen: Niemand musizierte in den letzten Jahren so konsequent am Markt vorbei wie er. Mit “Shelter From The Ash” gibt es den neunten Streich seines Projekts Six Organs Of Admittance und alles bleibt gewohnt anders.

Am Ende findet jeder seinen inneren Frieden. Sogar Ben Chasny: Nachdem Studios und Producer lange Zeit ein Tabuthema waren, begab er sich für “Shelter From The Ash” erstaunlich lange in die vier Wänden eines Aufnahmeraums. Mit einem überraschenden Ergebnis: Seine aktuellen Folk-Rock-Kompositionen beinhalten keinerlei Störgeräusche, übersteuerte Instrumente oder schrägen Gesänge. “Bei den neuen Songs habe ich bemerkt, dass keine besondere Stimmung oder etwas ähnliches nötig ist, wenn ich schreibe oder aufnehme“, erzählt Chasny und ergänzt mit Nachdruck, “allerdings begleitet mich immer ein gewisses Hangover.”

Das glaubt man ihm gerne! Alle Six Organs Of Admittance-Platten besitzen diesen Soundnebel, der fesselnd und doch schwer greifbar ist. Ein Grund, weswegen viele die transzendentale Hippieschublade benutzen, um die Band musikalische einzuordnen. “Shelter From The Ash” ist allerdings ein weiterer Beweis dafür, dass keine Parallelwelten im Spiel sind, wenn der US-Amerikaner bei der Arbeit ist: “Mir fallen die Sachen an den ungewöhnlichsten Orten ein: Beim Autofahren, in der Schlange an der Supermarktkasse oder ganz wo anders. Generell sitze ich gern nachts an meinem Schreibtisch und notiere alles, was mir gerade durch den Kopf geht. Schnappe mir anschließend meine Akustikgitarre und komponiere Melodien hinzu.” So einfach geht das – ganz ohne Esoterik oder Betäubungsmittel.

Auch dein neues Werk ist sehr komplex ausgefallen und im Vorfeld wurde von einem Konzeptalbum gesprochen. Würdest du dem zustimmen?
Ben Chasny: Nein, da gibt es keine bestimmten Strukturen. Ich lasse die Songs mache, was sie wollen. Öfter ist da ein dominanter Ton, ein Brummen oder irgendein melodisches Raster in meinem Kopf, genau erklären kann man das nicht. Auf “Shelter From The Ash” habe ich nur eine Idee verfolgt. Nämlich, das ich mehr Gesangslinien benutzen wollte und dass sich die Songs dadurch von den Vorgängeralben bewusst unterscheiden.

Dies ist ihm hörbar gelungen. “Shelter From The Ash” gehört zwar nicht zu den stärksten Momenten des genialen Songwriters Ben Chasny – zeigt aber, wie wohl er sich in der Außenseiterrolle fühlt. Aus voller Überzeugung, versteht sich!

Text: Marcus Willfroth