Skunk Anansie haben in den 90ern für sich alles erreicht. Jetzt wollen sie das Comeback. Zeit für eine Bestandsaufnahme mit motor.de.

Skunk Anansie – ein großer Name, zumindest war das in den 90ern so, nicht zuletzt wegen Frontfrau Skins expressivem Auftreten. „Hedonism“, diesen Song kannte einfach jeder. Es folgte Auszeichnung auf Auszeichnung und 2001 dann überraschend das vorläufige Ende. Sie hätten genug erreicht, gaben die vier Briten als Begründung an. Je länger die Bandmitlgieder jedoch getrennt waren, desto deutlicher wurde, dass es einfach nicht ohne einander geht. So kommen sie 2009 wieder zusammen und veröffentlichen „Smashes & Trashes“, ein Greatest Hits Album, das auch einige neue Songs enthält. Innerhalb von 20 Minuten sind die ersten beiden Konzerte in London, zunächst noch unter dem Alias SCAM (Skin, Cass, Ace, Mark), ausverkauft. Auch in Deutschland stoßen sie wieder auf große Resonanz. motor.de traf Gitarrist Ace und Bassist Cass auf der Hamburger Reeperbahn – nicht nur zum Rückblick.

motor.de: Ihr habt Skunk Anansie 1994 gegründet. Wie schaut ihr auf eure Anfangszeit zurück?
Ace:
Sehr gut, weil wir immer eine tolle Zeit mit Skunk Anansie hatten, selbst nach der Auflösung. Es lief untereinander nie schlecht, deshalb können wir jetzt auch über die Anfänge lachen, sogar über das, was schlecht war. Außerdem lernen wir aus der Vergangenheit. Wir sehen, wo wir Fehler gemacht haben und versuchen, sie nicht zu wiederholen. Es hat sich eigentlich gar nicht viel verändert: Die Leute sind dieselben, die Art, wie wir Songs schreiben, ist gleich, bei uns gibt es keine „dunkle Ära“. Wir sind stolz darauf, was wir erreicht haben, deshalb spielen wir die alten Songs auch heute noch.

motor.de: Unterscheiden sich die neuen Songs denn sehr von den alten?
Ace:
Ja und nein. Einerseits sind sie recht frisch und klingen nicht old-fashioned. Wir haben nicht versucht, ein Album zu machen, dass den Fans von vor 15 Jahren gefällt. Wir machen Musik, aber hier und heute, und so hat sie sich auch verändert. Andererseits sind es immer noch wir vier, die den Skunk Anansie Sound machen. Auch in zehn Jahren wird man diesen speziellen Sound heraushören.

motor.de: Seit eurer Auflösung hat sich einiges getan in der Musikwelt…
Cass:
Ja, es gibt viele neue Entwicklungen: Internet, mp3 und so weiter. Die Plattenfirmen können sich vieles, was früher ging, nicht mehr leisten. Die Leute, die von dieser Download-Kultur profitieren, sind die Konsumenten. Unser Album wurde bereits am ersten Tag nach der Veröffentlichung 60.000 Mal illegal runtergeladen. Natürlich bedeutet das für die Künstler, dass sie nicht mehr bezahlt werden, aber andererseits ist es mir lieber, wenn jemand, der unsere Musik mag, sie bekommt, als dass irgendein fetter Bastard hinter seinem Schreibtisch damit mein Geld verdient.
Ace: Die positive Seite ist auch, dass man gar nicht mehr darüber nachdenken muss, wie man seine Musik verbreitet. Wir haben eine neue Platte und Millionen Leute auf der ganzen Welt können sie ab dem ersten Tag hören. Das ist so einfach wie nie zuvor. Auch als Konsument: Wenn du eine Band suchst, brauchst du nur ins Internet zu gehen und zu googeln. Du findest mit Sicherheit eine MySpace-Seite und vielleicht sogar ein paar kostenlose Songs. Andererseits bedeuten illegale Downloads, dass man mit seiner Arbeit finanziell nicht mehr überleben kann. Und das riesige Angebot an Musik führt dazu, dass die Leute total „überschwemmt“ werden.

motor.de: Eure Songtexte waren von Anfang an sehr politisch gefärbt. Hat sich irgendetwas von dem, was ihr kritisiert habt, verändert?
Ace:
Nicht wirklich. Die Kritiken in unseren Songs sind auch eher Bestandsaufnahmen davon, wie es politisch und sozial in der Welt so zugeht. Vieles hat sich nicht wirklich verändert in 15 Jahren.
Cass: Einige Dinge haben sich oberflächlich geändert, aber so schnell geht das nicht. Auch für uns hat sich ja nicht viel verändert. Ich meine, wir sind zurück in Hamburg, spielen in demselben Club und haben sogar denselben Backstage-Raum. Aber immerhin wurde seitdem mal gestrichen (lacht).

motor.de: Und was ist mit eurem Einfluss als Musiker, Kritik auszudrücken? Hat sich eurer Meinung nach da etwas verändert?
Cass:
Er hat sich insofern entwickelt, dass man eben mehr Einfluss hat, wenn man älter wird. Die Leute hören einem dann mehr zu. Aber das ist auch keine wirkliche Neuerung.

Skunk Anansie – Weak (live)


motor.de: Viele Texte auf eurer Homepage haben eine Stimmung, als würdet ihr euch selbst aus einer gewissen Distanz betrachten. Kommt euch euer Leben manchmal surreal vor?
Ace:
Wir sind schon sehr objektiv, aber als surreal würde ich unseren Lebensstil nicht bezeichnen. Viele Bands stecken ja in so einer Blase und merken gar nicht, wie sie von außen betrachtet wirken. Wir spielen auf großen Bühnen, reisen um die Welt und treffen so viele Leute. Das ist schon Wahnsinn! Ich denke, wir sind in gewisser Weise gesegnet, wir können glücklich über all das sein, vor Allem eben auch über unsere Fanbase. Wir machen Musik und die Leute mögen sie.
Cass: Aber wir arbeiten auch hart dafür, um so leben zu können. Das passiert nicht einfach so. Wir stecken viele Stunden und viel Kraft in die Proben und Aufnahmen und in die Touren. Es gibt so viele Bands, die es nicht so weit geschafft haben, wie wir, sicher. Deswegen sind wir auch dankbar. Guter Job, wenn man ihn kriegen kann!

motor.de: Eure Fans können sich also bereits auf ein neues Album freuen?
Ace:
Ja, auf jeden Fall. Nach der Tour, im Dezember, gibt es noch einmal eine kleine Pause, aber im Januar kommen wir wieder zusammen mit neuen Ideen und arbeiten daran. Es gibt noch keinen festen Zeitplan dafür, aber es sieht ganz so aus, als würden wir nächstes Jahr wieder touren.

Interview: Claudia Jogschies