Wären Soulwax eine Straße, sie wäre kurvig. Und holprig. Und alt. Steinalt, in Anbetracht der Tatsache, dass die Belgier die Renten-Grenze von 10 Jahren Bandgeschichte bereits um drei weitere Lenzen überschritten haben. Stephen Dewaele und DJ-Bruder David sind steinalte Rock-Opis, soweit die Theorie.

Die Praxis startet im Jahr 1995, als die Genter Brüder noch jung und knackig sind und die musikalisch dennoch etwas altbacken daherkommende EP „2nd Handsome Blues“ auf den Markt bringen. Vom pulsierenden Blut des Vaters und bekannten belgischen Radio-DJs scheint bisher wenig in den Adern des Duos zu plätschern. Auch das ein Jahr später folgende Full Length-Debüt „Leave The Story Untold“ glänzt trotz Wüstenrock-Produzent Chris Goss eher blassmatt: Solider Alternative-Rock mit wenig innovativen 70er-Schnörkeln.

Dennoch gelten Soulwax in Kritikerkreisen als unterschätzt. Der Beweis jedoch lässt drei Jahre und über 50 verschrottete Songs lang auf sich warten. Doch es braut sich was zusammen, in der Soulwax-Hexenküche. „Much Against Everyone’s Advice“ ist der lautstarke Durchbruch, auf dem unterschwellig keimt, was in den folgenden Jahren zum markanten Markenzeichen heranwachsen soll: Beats. Es ist die Fusion aus Electro, Pop und Alternative Rock, die den Geschwistern und ihrer Bäumchen-Wechsle-Dich-Combo den Titel „Innovativste und sicher experimentierfreudigste Band Europas“ (laut.de) beschert.

Fortan haben Steven und seine musikalische bessere Hälfte Turntable-Blut geleckt. Unter dem Namen 2ManyDJs mischen sie die europäischen Dancefloors auf. Mixen hemmungslos Elvis mit Nirvana und erfinden so den Bastard Pop, der im Folgenden zum Kultwort in der Electro-Szene avanciert.

2004 folgt mit „Any Minute Now“ Album Numero Drei, das ein Jahr später in tanzbar gemixter Version unter dem Titel „Nite Versions“ noch einmal erscheint. Die Herren Dewaele sind mittlerweile im Turntable-Dauereinsatz – Touren, Remixen, an neuen Beats schrauben, bis es 2006 abseits des Mischpults gehörig knallt: „Wenn wir jetzt ein neues Album machen müssten, würde es eine Rock-Platte werden“, beteuern die Helden der Nacht, „wir haben in Nite Versions alles gesteckt, was wir elektronisch drauf haben.“ Soweit, so Rock.

Dass Soulwax jedoch ein schier unermessliches Kontingent an fein säuberlich produzierten Remix-Laichen im Keller haben, ist trotz angekündigtem Teilzeit-Rocker-Job kein Geheimnis. Deshalb überrascht es auch wenig , dass es den Brüdern bereits nach einem Jahr wieder mächtig in den Fingern zuckt. Und weil Kompilieren über Studieren geht, steht 2007 „Most Of The Remixes“ (Rock kann man hier lange suchen) in den Plattenregalen. Von Robbie Williams bis Klaxons hat das hyperaktive Duo alles tanzbar aufgemotzt, was ihm zwischen die Keyboardtasten kam. Zusätzlich hatte Regisseur Saam Farahmand 18 Monate lang eine Kamera hinter der Band hergeschleppt und den Hype auf über 120 Konzerten in Japan, Südamerika und Australien gefilmt. „Dass Spannende ist dieser Kontrast, wie langweilig wir sind und wie verrückt die Leute sind“, kommentiert Sänger Steven die 2008 erschienene Doku-DVD „Part Of The Weekend Never Dies“. Und beteuert: „Wenn ich heute 18 wäre, würde ich nicht mehr DJ werden.“ Ne, is klar du alter Rocker!

Soulwax sind:
Stephen Dewaele – Gesang
David Dewaele – Gitarre, Keys
Stefaan Van Leuven – Bass
Steve Slingeneyer – Drums
Dave Martijn – Gitarre

Ehemalige:

Piet Dierickx – Drums
Stephane Missegkers – Drums
Inge Flipts – Keys

Jennifer Beck