Den Namen der Band Sternbuschweg hörte man in den vergangenen Jahren schon häufiger. Oft ging es darum, sie zu den hoffnungsvollsten Indie-Bands des Landes zu zählen, manchmal ging es auch darum, sich zu fragen, ob die Band nur mit dem Ruf kokettiert, „the laziest men in showbiz“ zu sein, oder ob sie es tatsächlich sind.
Diese Frage hatte sich für mich in dem Augenblick von selbst beantwortet, als ich vor ein paar Tagen die Aufnahmen für ihr Debutalbum erhielt und zum ersten Mal anhörte: dieses Album hat genau die Zeit bekommen, die es brauchte, es hätte in der Tat keinen Augenblick früher passieren können und sollen. Seit ihrer letzten EP hat sich eigentlich nichts und doch irgendwie alles verändert. Der Bandsound wurde konsequent weiterentwickelt, Sternbuschweg klingen nach wie vor groß und elegant, aber sie sind viel lauter und direkter geworden; man kann sogar sagen, sie haben einen Sound, der mit keiner Band hierzulande vergleichbar ist.

Noch immer ist es diese Rhythmusgruppe, die sich offensichtlich unzählige Mengen alter Soul-und Raveplatten einverleibt hat und sie nun stückweise wieder herausschleudert. Darüber legen sich die Gitarren, endlose Folgen von Melodien und Hooklines, eingebettet in eine Wand aus Hall, die mit Leichtigkeit die Licks eines Johnny Marr mit den haushohen Gitarrenwänden eines J.Masics verbinden. Von Zeit zu Zeit kommen noch Tasten von Rhodes bis zur Orgel hinzu und sie alle zusammen blicken nach vorn, zu der klaren Stimme von Wolfgang Müller-Molenar, der keinen Künstlernamen braucht und das Prinzip eines unaufdringlichen Morrissey zur Perfektion bringt. Dazu ihre Texte, die mit Songtiteln wie „Meine Liebe dauert länger als der Kommunismus“ oder Zeilen wie „Oh Julia, ich spring vom Dach, komm küss mich auf dem Pflaster wach“ und „Wenn wir es nicht tun, solange wir jung sind, wann sollen wir es dann tun?“ große Geschichten erzählen und gleichzeitig Slogans am Fließband erfinden.

Produziert hat wieder ihr langjähriger Freund Tobias Siebert, der auch beispielsweise für das letzte Album von Samba und das erfolgreiche Debut von Hund am Strand verantwortlich war, und der sonst auch in den Bands Klez_e und delbo musiziert. Fürs Mastering konnte Michael Schwabe gewonnen werden, der u.a. für Wir sind Helden, Tomte, Kante oder die Beatsteaks an den Reglern saß.

Am 08.06. erscheint die erste Single „Paula, ich liebe dich“ über Motor Digital in Kooperation mit Firestation Records (7“ Vinyl Single). Das Album folgt. Sowohl auf der Bühne als auch auf Platte wird man also 2007 nicht an Sternbuschweg vorbeikommen. Nun, ich für meinen Teil kann mir kaum etwas Besseres vorstellen.

Ray Preston