Wie?! Die gibt’s noch? Ja. Papa Roach sind am Leben und bringen auch ein neues Album raus. Papa Roach – die Rock’n’Roll-Version, so beschreibt die Band ‘The Paramour Sessions’, benannt nach dem Haus, in dem die Aufnahmen stattfanden.

In der Presseinfo werden die Aufnahmen gerade wegen des Paramour Mansion zu einem mystischen Ereignis aufgebauscht. Es ist die Rede von unbändiger Kreativität und körperlosem Sex mit Geistern. Soso.
Im Interview geben sich Sänger Jacoby Shaddix und Gitarrist Jerry Horton dann doch etwas bodenständiger. Penibel gestylt – Schminke und Frisur sitzen, wie und wo sie sollen, und einheitlich in schwarz gekleidet bitten sie in den Räumen von Universal, mit Blick auf die Spree, zum Interview.
Und hier erklären sie auch, warum es sie immer noch gibt. “Wir verändern uns ständig, sowohl im Bezug auf Sound als auch auf unseren Style, wir mutieren sozusagen. Wir sind inzwischen erwachsen, so was wie eine Familie und können Kompromisse miteinander schließen. Und das Wichtigste: Unsere Egos kommen immer an zweiter Stelle nach der Musik. So viele Bands zerbrechen an ihren Egos – das soll uns nicht passieren.” Leicht schadenfreudig weisen sie außerdem darauf hin, dass Bands wie Limp Bizkit, die gleichzeitig mit ihnen angefangen haben, nichts mehr von sich hören lassen.
Was Papa Roach selbst dieser Tage musikalisch produzieren, hat zwar nicht die Mainstream-Hit-Qualitäten wie Teile ihrer alten Alben, ist jedoch meist recht mitreißend. Der größte Teil der Platte ist besser als die Songs der vielen Radio-Rock-Bands à la Simple Plan, die sonst über den Atlantik zu uns schwappen.
Textlich ist es das persönlichste Album der ganzen Band – früher drehte sich alles um Sänger Jacoby. Kein Wunder, hatte er doch der Welt viel von Alkoholsucht, Scheidung der Eltern und desgleichen mehr mitzuteilen. Auch heute redet er über “die verdammte Achterbahnfahrt” seines Lebens, ohne dass man ihn wortreich dazu überreden müsste. Er ist inzwischen trocken und wünscht sich, dass “mich die Leute nicht andauernd fragen, ob es hart ist. Ich war auf dem besten Weg zu sterben, also ist es zwar hart, aber ich fühle mich besser. Mir geht es nicht mehr jeden Tag schlecht.”
Die Fehler seines Vaters, der nie für ihn da war, möchte er auch nicht wiederholen. Er will Teil des Lebens seiner beiden Söhne sein. “Ich will einfach ein guter Mensch sein”. Hach.
Musikalische Ziele gibt es für Papa Roach auch: “Wir würden gern auf unserer Tour in Arenen spielen. Und Zehn Millionen Platten verkaufen und einen neuen Hit haben. Aber wenn nicht, dann eben nicht.” Sieht so aus, als ob man die Frage, ob es Papa Roach noch gibt, noch eine Weile mit Ja beantworten kann.

Text: Caroline Keller