Wenn das Künstlerpärchen Nicola Kuperus und Adam Lee Miller nicht gerade seine Gemälde und Fotografien ausstellt oder historische Stadtwohnungen restauriert, dann widmen sich die beiden ihrem Label `Ersatz-Audio` oder tauchen gemeinsam in kranken, schrill-verstörenden Elektro-Smog ab, indem sie in ihrer Keyboard-Küche derart heißen Scheiß wie `Gimmie Trouble` kochen.

Auf dem mittlerweile schon dritten Album wird Kuperus von fräsenden, kranken Synthies und ratternden analogen Vintage-Drummachines durch ein Dickicht hysterischer Gesangslinien gehetzt, die an die New-Wave-Ikone Hazel O´Connor erinnern. Und das durchgehend tanzbar und catchy!
Da denkt man an die Synthesizer-missbrauchende New-Wave(-Punk)-Szene der späten Siebziger- oder frühen Achtziger. Achtziger? Hört Adam gar nicht so gerne: “Die Musik der Achtziger, die mit Synthesizern zu tun hatte, hat eher eine schlechte Konnotation, wenn du sie als Referenz nennst”, sagt er. “Ich denke, es ist schwer für die Leute, nicht sofort mit solchen Querverweisen anzukommen, weil wir eben Drummachines und Keyboards benutzen”, meint die Sängerin. “Das ist die einzige Referenz der Leute. In den Achtzigern gab es eine ganze Menge echt ekliger, glatter Musik, daneben aber auch eine paar coole, interessante und wertvolle Sachen, die irgendwie unter den Teppich gekehrt wurden. Ich denke, wir setzen in etwa DA an”, so Nicola.

Richtig! Mit der großflächigen Verseuchung der damaligen Charts mit billig-schmierigen Synthie-Pop darf man den Sound von Adult. auf keinen Fall assoziieren. Dafür ist das Ganze hier zu kaputt. Hört man `Gimmie Trouble` zum falschen Zeitpunkt (Momente innerer Unruhe, Bluthochdruck), dann wird kann man sich eventuell sogar achselnass dabei ertappen, seine Anlage durchs geschlossene Fenster feuern zu wollen.

Extreme Reaktionen wollten die beiden schon hervorrufen, als sie 1997 mit dem Projekt begannen. Seitdem haben sie – neben zwei Alben – mit einer ganzen Latte von 12″-Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht und noch dazu unter anderem Tuxedomoon, Bobby Conn oder auch The Faint neu gemischt. Death In Vegas und die Chicks On Speed wollten Kuperus fantastische Stimme und bekamen sie.

Die kann aber nicht nur gesanglich bestechend austicken, sondern steuert auch noch ihre Fotografien für das kühle und sehr stylische `Gimmie Trouble`-Artwork bei: da liegen gut angezogene Leute liebevoll arrangiert (und offensichtlich tot) in bieder-minimalistischem Ambiente herum. Andere nicht zu identifizierende Passivposten lesen Zeitung. Eine Art ruhender, künstlerischer Gegenpol zur aufreibenden Klangkulisse.

Genauso viel Zeit, Passion und Energie wie in ihre Releases legt die Band in ihre Live-Performance. Während Adult. in der Vergangenheit ihre Elektroschocks als Duo abfeuerten, haben sie, um den eigenen hohen Live-Ansprüchen gerecht werden zu können, mittlerweile mit Samuel Consiglio einen dritten Verrückten im Boot. Sich davon zu überzeugen, dass `Gimmie Trouble` auch auf der Bühne zündet, die Gelegenheit bekommt man hierzulande leider erst Anfang des nächsten Jahres. Aber die sollte man definitiv nicht verpassen! 

Text: Martin Erfurt