„Wer sich hierzu nicht bewegt, ist entweder querschnittsgelähmt oder völlig taub“, lautet das radikal positive Urteil Persona Non Gratas zum letzten Album der Dancehall-Kapelle Supersystem. Wenige Tage später bricht das Quartett aus Washington seine Tour ab und gibt die Trennung bekannt. Wenn’s am schönsten ist…

1996 wird das musikalische Projekt unter dem Namen El Guapo geboren. Der Weg zum „gigantischen Groovemonster“, wie die Band einmal bezeichnet werden wird, ist lang und jazzig. Pete Cafarella, Rafael Cohen und Justin Moyer kombinieren wild afroamerikanische Tanzmusik und Punk-Spirenzchen. Bis ihnen die Major-Industrie nach drei Alben einen fetten Strich durch die Rechnung macht: Eine gleichnamige Band mit Kontakten zu den wirklich großen Platten-Bossen verklagt die beim Mini-Label Dischord ansässige Combo wegen der Namensrechte.

Aus El Guapo wird Supersystem. Aus Punk Groove. Und mit Josh Blair an den Trommelstöcken mutiert der Dreier zum Quartett. „Wir waren sowieso etwas ermüdet von dem eher experimentellen Sound, den wir mit El Guapo spielten“, lautet die Bilanz des musikalischen Neugeborenen, „wir wollen etwas Poppigeres machen.“ Nach dem kann man auf dem 2005er Debüt unter neuem Namen „Always Never Again“ lange suchen. Rock fordert Dancehall zum Tanz auf. Postpunk und Afrika-Folklore geben sich das Mikro in die Hand. Von Wave bis HipHop gibt es kein Genre, das verschont bleibt, nur der Pop versteckt sich allem Anschein nach hinter den Beats.

2006 erscheint der zweite und letzte Longplayer des Fusions-Wunders. „A Million Microphones“ (Touch And Go Records) entzückt Kritiker zu Lobeshymnen. Für Supersystem ist es ein genauso lautstarker wie unerwarteter Abgesang. Wenn’s am schönsten ist…

Supersystem waren:
Pete Cafarella – Keys
Rafael Cohen – Gitarre
Justin Moyer – Bass
Josh Blair – Drums

Jennifer Beck