Zu den Höhepunkten in der Karriere von TAKING BACK SUNDAY dürfte London im Sommer 2005 zählen. An zwei Tagen im Juni spielten sie nämlich als Supportact für eine Band, die sie schon lange bewundern. Vor zweimal 65.000 Zuschauern eröffneten TAKING BACK SUNDAY die sagenhaften Green Day-Gigs im Londoner Milton Keynes Stadium, eines der spektakulärsten Rockereignisse der letzten zehn Jahre. Aber auch sonst können TBS mit ihrem Fortkommen vollauf zufrieden sein, denn ihr drittes Album Louder Now legen TAKING BACK SUNDAY trotz massiver Line-Up-Probleme in den letzten Jahren unter glänzenden Voraussetzungen vor.

Mehr als 600.000 Exemplare des zweiten Albums Where You Want To Be gingen in den USA über die Ladentische, davon 163.000 innerhalb der ersten Woche, was einerseits zu einem Platz 3 in den US-Billboard-200 führte, andererseits zum Prädikat, in jener Woche die meistverkaufte Neuveröffentlichung in den USA zu sein. Wie schafft man so etwas als Indie-Emocore-Band? Nun, natürlich durch unablässiges Touren, ein bißchen Unterstützung von Yahoo! Music und anderen Medien, einer Plattenfirma wie Victory Records, bei denen TBS perfekt aufgehoben sind, und mit einer Menge Freunde und Verweise auf MySpace.com, wo sich die Fans zuhauf tummeln, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Louder Now löst die Versprechen ein, die TAKING BACK SUNDAY auf Where You Want To Be gegeben hatten, hochemotionale Mini-Epen zwischen Rock und Punk, noch etwas mehr auf den Punkt gebracht, ein hervorragend angezogenes Zusammenspiel, das noch tighter wurde und aus jahrelanger Bühnenerfahrung schöpft. So ist schon der Opener What’s It Feel Like To Be A Ghost? ein Glanzstück, das das Beste des Genres zusammenbringt und wie ein Vorspiel für das wirkt, was da kommen mag: Das treibende Liar, das moderat temperierte MakeDamnSure, das sich über Downloads auf der Bandseite www.takingbacksunday.com und myspace.com/takingbacksundays bereits zum Publikumsliebling gespielt hat. Die Spanne von Louder Now reicht von ordentlich auf die Kacke hauen wie bei Spin bis zum Extrapack Melodie wie etwa bei My Blue Heaven oder der wunderschön reduzierten Ballade Divine Intervention.
Produziert haben TAKING BACK SUNDAY das gute Stück mit Top-Producer Eric Valentine (Good Charlotte, Queen of the Stone Age). „Es war, als würde man einen Siebenjährigen einen ganzen Tag im Toys’R’Us aussetzen,“ freut sich Adam. „Wir hatten zum ersten Mal die Chance, zwei Gitarrensounds auf das Album zu bringen. Immer wenn ich ins Studio kam und einen Mix hörte, dachte ich: „Das sind wir? Unsere Band? Das ist großartig!“ Louder Now ist das erste Major-Album der Band.

TAKING BACK SUNDAY fanden sich im November 1999 zusammen, damals allerdings noch in völlig anderer Besetzung. Nach Aufnahme eines ersten 6-Track-Demos wechselte Lazzara vom Bass zum Mikro, ein neuer Bassmann kam, brachte einen zweiten Gitarristen mit und Victory signte die Band vom Fleck weg. Ende März 2002 erschien das Debüt Tell All Your Friends und der jahrelange Tourmarathon nahm seinen Anfang. Zuerst ging es nach Kalifornien, wohin der gute Ruf TBS bereits vorausgeeilt war: „In einem Club namens Chain Reaction in Anaheim, 3000 Meilen von zuhause, standen 150 Kids und sangen jede Textzeile mit,“ erinnert sich Reyes. „Da wussten wir, dass absolut alles passieren kann.“

Schon die nächste Tour war komplett ausverkauft und man sah TAKING BACK SUNDAY zusammen mit The Used, Jimmy Eat World und Saves The Day auf der Bühne. Coverpics und Features im US-Rolling Stone und Spin folgten als logische Konsequenz. Kurzzeitig kam es zum Drama. Bassmann und Gitarrist, die kurz vor dem Debüt gekommen waren, gingen wieder, und es dauerte seine Zeit, bis Ersatz gefunden war. Im Nachhinein ein Glück, denn besser als mit Mascherino und Matt Ribano hätte es gar nicht kommen können. Mit Producerveteran Lou Giordano (GooGooDolls, Sunny Day Real Estate) ging es dann für Where You Want To Be ins Studio und der unaufhaltsame Aufstieg begann. Zeit zum Luftholen blieb keine: Nach Abschluss der Mischung ging es mit Blink 182 auf Nordamerika-Tournee, mit Metallica aufs Donnington Festival (UK) und erste (wieder ausverkaufte) Headliner-Shows in England, u.a. im legendären Astoria. Es kam das KROCK-NY Dysfunctional Family Picnic mit Beastie Boys, The Strokes und anderen. Dann Headlining auf der Vans Warp 2004. Noch einmal UK mit den Festivals Reading und Leeds Carling. Der Song This Photograph is Proof (I Know You Know) als Beitrag zu „Spider Man 2“. Im Herbst 50 weitere Dates in den USA, die im Vorfeld ausverkauft waren. Radio Shows mit Franz Ferdinand, Muse, The Killers, My Chemical Romance und Modest Mouse.

24 Wochen blieb Where You Want To Be in den Billboard-Charts, und nachdem FUSE und MAXIM die Band zur Aufsteigerband No.1 erklärt hatten, gab es Ende 2004 den College Music Award in den Kategorien „Band Of The Year“ und „Artist Of The Year“ und die Aufnahme in die Top-50 Jahresliste des Rolling Stone. 2005 ging es dann im selben Stil weiter: Zum dritten Mal UK, diesmal mit 5.000 verkauften Tickets in der Brixton Academy, College- und Arena-Touren mit Jimmy Eat World und so weiter. Und auch die australischen Märztourdaten 2006 sind seit geraumer Zeit schon ausverkauft.

Mit Louder Now haben TAKING BACK SUNDAY das perfekte Album für die nächste Saison im Gepäck. Und man wird gespannt sein dürfen, ob sie ihre Erfolge auch auf dem europäischen Festland ausweiten können. In der einschlägigen Szene kennt man sie bereits seit längerem, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann sie auch bei uns in aller Munde sein werden.
Hooks, die man mitsingen kann, haben sie jedenfalls zuhauf.


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