(Fotos: Heavenly / [PIAS] Cooperative)

Die Psychedelic Rockband Tempels gibt es erst seit 2012. Dafür haben die Jungs aus dem kleinen englischen Kettering aber schon einiges erreicht. Nach den ersten veröffentlichten Songs, folgten etliche Einladung zu Festivals und Solokonzerten. Musiker, wie Noel Gallagher und Johnny Marr lobten die Band als beste Newcomer Englands. Nun folgte das großartige Debutalbum "Sun Structures". Wir trafen die noch etwas schüchtern wirkenden Briten in Berlin zum Interview.

motor.de: In einem Interview habt ihr mal gesagt, dass ihr die etwas anderen Popsongs macht bzw. machen wollt. Was genau meint ihr damit?

Thomas: Wir hatten immer schon eine große Vorliebe für Popsongs und wie sie geschrieben werden. Am meisten haben es uns dabei die britischen Popsongs der „Goldenen Ära“, der 60er angetan. Das ist etwas, was uns als Band sehr stark verbindet. In einem nächsten Schritt haben wir dann versucht, diese Song-Strukturen zu analysieren und in unserer Musik neu zu erfinden. Das macht in erster Linie einfach richtig Spaß. Das meinte ich damals mit „die etwas anderen Popsongs“.

motor.de: Ihr habt die Band erst 2012 kurz nach eurem Uni-Abschluss gegründet. Wie kam’s denn dazu?

James: Wir sind schon seit einer Ewigkeit miteinander befreundet und hängen auch ständig miteinander rum. In irgendeiner dieser typischen Partynächte in Kettering, wo echt nie was passiert und wir uns gegenseitig immer nur Platten vorgespielt haben, haben wir dann beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Es einfach mal zu versuchen. Wir wussten, dass wir alle Musik machten, aber keiner von uns spielte in einer Band. Wir hatten auch nicht wirklich eine Vorstellung, wo das alles hingehen soll. Wir machten einfach mal. Und jetzt sind wir hier. Das ist schon sehr seltsam, wenn man darüber nachdenkt.

motor.de: Ist das nicht auch etwas beängstigend, wenn ihr an eure Zukunft denkt? Gerade weil das Musikbusiness so schnelllebig und unberechenbar ist?

Thomas: Klar, manchmal kann einem das schon Angst einjagen. Aber jede Band, ob sie es nun geplant hatte oder nicht, muss mal irgendwo anfangen. Keiner weiß in dem Moment, wo das alles hinführt. Bei uns hat das damit begonnen, dass wir ins Studio sind und ein paar Songs aufgenommen haben. Danach fragte man uns, ob wir ein paar Gigs spielen wollten, was uns erst so richtig zu einer Band formte. Das ist der Anfang unserer Geschichte. Mal sehen, wo sie uns noch hinführt.

motor.de: Ihr verwendet in eurem Artwork und in den Videos sehr viele Symbole. Versucht ihr damit auch ein gewisses – Psychedelic Rock – Image für die Band zu kreieren?

James: Es war nie unsere Intention ein speziell psychedelisches Image zu kreieren. Viel mehr geht es uns darum eine gewisse Spiritualität, die man auch in unserer Musik wiederfindet, auch visuell auszudrücken. Das ist uns wichtig und bedeutet uns viel, denn diese gewisse Mystik, die mit Symbolen verbunden ist, hat auch viele unserer musikalischen Vorbilder und Inspirationsquellen beeinflusst. Das wollten wir auch in unsere Platte miteinfließen lassen. Ein anderes Ziel steckt da eigentlich nicht dahinter.

motor.de: Denkt ihr, dass es für eine Band wichtig ist, ein bestimmtest Image zu kreieren?

James: Ja schon. Ich denke, dass es gerade für unsere Musik wichtig ist ein bestimmtes und aussagekräftiges Bild zu schaffen. Etwas Visuelles, das unsere Musik, die im Grunde schon für sich selbst spricht, unterstützt und noch um eine weitere Eben erweitert.

Thomas: Es ist krass zu sehen, wie sich Menschen von Bildern und Symbolen beeinflussen lassen. Deshalb ist ein gutes Album Cover meiner Ansicht nach auch echt wichtig. Es macht die Leute – im besten Falle – so neugierig, dass sie deine Musik hören wollen. Die Optik enthält auch extrem viele Informationen über die Musik und die Band. Leute hören eben nicht nur mit den Ohren. (Lacht).

motor.de: Der Psychedelic Rock erlebt in letzter Zeit ja gerade wieder einen richtigen Hipe. Wie erklärt ihr euch das?

Thomas: Es muss ja immer um irgendwas einen Hype geben oder? Das ist ja das, was diese ganze Hype-Maschinerie ausmacht.

James: Ich glaube, das ist einfach eines dieser großen wunderbaren Mysterien, die ab uns an passieren. Ich freue mich einfach, dass es so ist, kann es mir aber auch nicht erklären. Es hat vermutlich einfach damit zu tun, dass sich der Schwerpunkt, warum man zu einem Konzert geht oder eine bestimmte Musik hört, wieder etwas verlegt hat. Mir kommt vor, dass die Leute wieder vermehrt auf die Liveerfahrung aus sind und ein Teil des Ganzen sein wollen. Dafür ist Psychedelic Rock perfekt, gerade auch weil er so vielfältig und breitgefächert ist.

motor.de: Was findet ihr gut bzw. schlecht daran im Jahr 2014 zu leben?

James: Durch das Internet herrscht heutzutage eine totale Informationsflut, sodass man in kürzester Zeit Experte für alles werden kann. Vor allem, wenn es um Musik geht. Das ist einerseits natürlich gut und macht vieles einfacher, andererseits und gleichzeitig kann das aber auch negativ sein. Dadurch, dass man alles im Netz findet, muss man sich auch ständig mit Anderen vergleichen und hat immer das Gefühl mit irgendwas mithalten zu müssen. Das kann einen unter Druck setzen und macht alles sehr viel austauschbarer. Aber im Grunde genommen ist das wohl eher etwas Positives, als etwas Negatives.

Thomas: Ja, das denke ich auch. Ohne das Internet und die Schnelllebigkeit hätten wir zum Beispiel unsere Platte nie so schnell aufnehmen und verbreiten können. Dafür müssen wir dankbar sein. Aber man muss in jedem Fall vorsichtig damit umgehen.

motor.de: Ihr habt bereits im London Hyde Park mit den Rolling Stones gespielt. Wie war das?

Thomas: In erster Linie extrem heiß. (lacht) In diesem Zelt ist man fast gestorben vor Hitze. Aber es war eine geniale Erfahrung und die Stones waren einfach nur genial. Ich denke, dass sie auch einen tollen Auftritt hatten.

motor.de: Hattet ihr die Gelegenheit sie zu treffen?

Thomas: Nein leider nicht. Wir haben Charlie von Ferne gesehen, uns dann aber nicht getraut hinzugehen. Er ist ja bekanntlich der Griesgrämigste von ihnen. (lacht)

James: Das war schon echt eine geniale Sache, Teil eines solchen Festivals zu sein. Darüber sind wir sehr sehr froh und stolz.

motor.de: Es gibt mittlerweile auch einige bekannte Leute, die euch richtig gut finden. Wie ist das für euch? Erhöht das auch irgendwie den Druck auf euch als Band?

Thomas: Das wäre vielleicht so, wenn wir erst einen Song veröffentlicht hätten und jetzt erst an unserem Debutalbum arbeiten würden. Aber da wir das Album ja schon fertig haben und die Kommentare von so manchem Musiker erst danach an die Öffentlichkeit kamen, sehen wir das eher als etwas sehr Positives. Es will uns damit ja niemand schaden oder einen besonderen Erfolgsdruck aufhalsen. Wir sehen das eher als Unterstützung und Versuch unsere Musik zu verbreiten.

(Mariella Gittler)