Anfang 2006 finde ich mich bei Akte ein, der früher als ‘Bassboxxx’-Act mit Die Lätzen aktiv war. Bei ihm treffe ich auf Vero, K-Ser und Tayler, drei der insgesamt vier Mitglieder seines Teroa Teams. Die neue CD “Einbruch” ist ein nicht wirklich typisches Album für Berlin – aber eines, das eine neue Richtung im Berliner Untergrund-Rap geht: Weg vom reinen Battlerap! Hier geht es um eine Mischung aus Storytelling und Unterhaltung, die Battlerap auch mit einschließt, aber auch mal zum Denken anregen kann. Trotzdem bin ich verwirrt, denn man kann das ‘Teroa’-Label nicht mit dem Teroa Team gleichsetzen, welches dieses Album hervorgebracht hat.

Die meisten kennen Akte immer noch zusammen mit Mach als die Lätzten. Also seit wann gibt es das ‘Teroa’-Label?
Akte: Das ‘Teroa’-Label gibt es etwa seit zwei Jahren. Vero war von Anfang an mit dabei. Wir haben dann die “Teroa Live Berlin”-Tour veranstaltet, bei der dann K-Ser und Tayler dazu gestoßen sind. Eigentlich hatte ich erst angedacht, ein Solo-Album von Vero und eines von mir zu machen. Aber dann habe ich mich dazu entschieden, das gesamte Label zu pushen. Dazu habe ich dann eine Gruppe zusammengecastet. Das sind jetzt wir vier. D-Mo von Hannibalz Lecture (HBL) ist auch mit dabei, aber er ist halt nicht auf allen Tracks mit vertreten, weil er noch viele andere Sachen zu tun hat.

Das Teroa-Team-Album ist ja nicht als Labelsampler zu verstehen, sondern soll ein Art Team-Album sein. Wo ist da der Unterschied?
Akte: Der Unterschied ist, dass wir eigentlich noch viel mehr Künstler beim ‘Teroa’-Label sind, wie Kritische Disstanz (KDT) und vielleicht auch bald HBL, die auch solo immer noch etwas machen. “Einbruch” ist jetzt ein Gruppenalbum, weil wir Fünf als Künstler eine feste Gruppe sind, die ständig miteinander Mucke macht. Das soll natürlich jetzt auch weiter über dieses Projekt hinaus fortgeführt werden. Der geplante Labelsampler wird dann eher so aufgebaut sein, dass alle Teroa-Acts jeweils Tracks machen und sich auch gegenseitig featuren, aber nicht immer jeder auf jedem Track mit dabei sein wird, wie es bei “Einbruch” der Fall ist.

Ihr habt neben Battletexten auch viele persönliche Tracks mit auf dem Album, in denen ihr über euch und euer Leben rappt. Wie wichtig ist es euch, als authentisch wahrgenommen zu werden?
Vero: Für uns alle ist Wahrheit sehr wichtig. Natürlich übertreibt man auch mal bei den Battletracks, aber keiner von uns wird darüber rappen, dass er dich mit einen Kopfschuss umbringt, wenn er gar keine Knarre zuhause hat. So etwas sollte man nur mit einarbeiten, wenn man die Knarre wirklich bei sich unter dem Kopfkissen hat.

Meint ihr, dass das vielleicht auch eine Frage des Alters ist? Du rappst ja zum Beispiel auch über deine Frau und deine Kinder, Vero.
Vero: Meine Frau und meine Kinder sind eben einfach für mich da. Warum sollte ich dann nicht auch darüber rappen? Es gibt natürlich auch Sachen, über die ich nicht rappe und nicht rappen will. Das sind dann aber auch Dinge, die ich nicht für wichtig erachte. Wenn ich Ticker wäre, würde ich auch nicht erzählen, dass ich ticke. Ich finde es echt lächerlich, wenn Leute darüber reden, dass sie irgendwelche Kilos klarmachen. Was soll denn das?

Damit lauft ihr ja aber eindeutig gegen die in Berlin vorherrschenden Rap-Einstellungen an.
Akte: Meine Ideologie ist ja da wirklich bekannt. Als ich mit dem ‘Teroa’-Label angefangen habe, wollte ich das auch gleich mit Vero zusammen durchziehen, weil ich gemerkt habe, dass er zum Rappen genau die gleiche Einstellung hat wie ich. K-Ser und Tayler sind ja erst später dazugekommen, haben sich aber im Verlauf des Albums auch sehr krass entwickelt. Die Battletracks vom Album waren auch die ersten Sachen, die wir geschrieben haben. Die Tracks, die richtig reingehen, sind eher Ideen, die wir später entwickelt haben.
K-Ser: Es war auch sehr schön! (Gelächter) Wirklich!
Akte: Ich habe sie ja auch ein bisschen in diese Richtung getreten. Ich will erreichen, dass man beim ‘Teroa’-Label das Gefühl entwickeln kann, dass man dem glauben kann, was wir sagen.

Ein weiterer auffälliger Track auf dem Album ist “Erbe”, in dem Akte und Vero auf den ersten Blick über ihren Tod rappen. Hat Mutti da nicht Angst, wenn der Sohn so was rappt?
Vero: Der Track ist ja auch zweideutig. Wir sagen ja gar nicht, dass wir tot sind. In dem Fall meinen wir mit Erbe halt eine Stufe drüber unter dem Motto: “Ich habe keine Zeit mehr, bin eine Stufe über euch, muss Musik machen und jetzt geht’s los.”
Akte: Der Track ist nicht direkt auf den Tod bezogen. Wir wollen damit eher ein Gefühl zum Ausdruck bringen: Selbst wenn wir sterben würden, unser Leben war cool bis hierhin! Wir haben alles gemacht, um uns selbst etwas aufzubauen. Das war die ganze Zeit nur Stress. Jetzt können wir uns ausruhen. Dieser Track soll auch verdeutlichen, dass das, was wir tun, ein Lebenswerk ist, welches erst mit dem Tod aufhört.
Vero: Und wenn du tot wärst und du könntest zurückblicken, dann ist es einfach das Wichtigste, dass du dann sagen kannst: Und genau so würde ich es wieder machen! So ist dieser Track gedacht. Es ist ein Zukunftstrack.

Und was wird dann bei euch folgen, wenn ihr so dauerbusy seid?
Akte: Vieles. Wir arbeiten gerade an einer DVD, dann ist die Tour geplant, ein richtiger Label-Sampler und auch noch Solo-Alben von allen, aber erst mal K-Ser und Vero. Jetzt geht es los.

Text: Martin Gegenheimer