Die Beach Boys – wer kennt die eigentlich nicht? Mit „Barbara Ann“ oder anderen Hits eroberten die Amerikaner die Charts und gelten heute als eine der erfolgreichsten Pop-Gruppen der Vereinigten Staaten. Sie waren es, die es schafften, die Beatles vom Chart-Thron zu verdrängen.

Die Geschichte der Band begann 1961 in Hawthorne bei LA, Kalifornien. Gegründet wurden die Beach Boys von Briand, Dennis und Carl Wilson, sowie Mike Love und Alan Jardine. Anfangs hießen sie noch The Pendletones und wurden vor allem durch Chuck Berry und den Four Freshmen geprägt. Den Namen Beach Boys legten sie sich im November 1961 auf Drängen ihrer Plattenfirma zu, nachdem diese die Single „Surfin’“ veröffentlichte. Die Platte schaffte es in Kalifornien in die Top 5 und den Billboard-Charts erreichte sie immerhin Platz 76. Durch den Vater der Wilsons, Murry, unterschrieb die Band einen Vertrag bei Capitol Records. Gleich mit ihrer ersten Single auf Capitol, „Surfin’ Safari“, wurden sie schnell in ganz Amerika zu Stars, der Erfolgsweg begann. Ihr „Beach Boys Concert“-Livealbum wurde das erste Hit-Livealbum.

1965 zog sich Brian Wilson dann zurück aus dem Tourleben und agierte fortan an als Komponist und Produzent. Für ihn sprang Bruce Johnston ein. Mit Brian als Produzenten wurden dann die Alben „The Beach Boys Today“ und „Summer Days (And Summer Nights!!)“ veröffentlicht. Mit der 1966er Single „Barbara Ann“ erreichten sie sowohl in Amerika als auch in England den zweiten Platz in den Charts.

Als sich das Jahr 1965 dem Ende zu neigte, arbeitete Brian Wilson mit Tony Asher an „Pet Sounds“, einer Platte, die inhaltlich abwich vom Surfen und ähnlichen Themen. Das war Anlass genug für die Plattenfirma, dieses Album nicht zu veröffentlich. Letztendlich erschien es doch noch als limitierte Version, weshalb „Pet Sounds“ schnell zum Sammlerstück wurde. Ironischerweise wurden die Beach Boys durch genau dieses Album zu Megastars. Dies äußerte sich auch im Verkauf der Single „Good Vibrations“, welche mehr oder weniger weltweit auf Platz 1 stand.

Wilson entfernte sich mit de Zeit immer mehr von den Beach Boys, was vor allem an seiner Arbeit mit Van Dyke Parks als Texter lag. Die Songfragmente nahm Wilson in vielen verschiedenen Versionen auf, was bei ihm immer von der Stimmung abhing, die meist nicht stimmte. Aufgrund der neuen Methoden und Texte kam es zu Problemen zwischen Wilson und den Beach Boys. Hinzu kommt Wilsons Drogenproblem, welches das Verhältnis noch mehr belastete.
Das „Smile“-Projekt, an dem Wilson arbeitete, wurde von Capitol zur Veröffentlichung freigegeben, jedoch machte Wilson dann einen Rückzieher, da er glaubte, es hätte keine Chance gegen die aktuellen psychedelischen Strömungen in der Musik. Diese „Erkenntnis“ enttäuschte ihn weiter, so dass er sich zunehmend aus dem Business zurückzog. Er verfiel in tiefe Depressionen und verbrachte von 1969 bis 1975 viel Zeit in seinem heimischen Bett. Einige seiner Songs des Smile-Projekts wurden veröffentlicht und auch er schrieb gelegentlich noch Songs.

Die Alben und Singles der Beach Boys aus den Jahren 67 bis 69 waren in Amerika Flops und in Europa Erfolge. Die restliche Band übernahm immer mehr die Songwriter- und Produktionsaufgaben Wilsons. Aufgrund des ausbleibenden Erfolges in den USA verlängerte Capitol den Vertrag mit den Beach Boys nicht. Ursprünglich planten sie, über ein eigenes Label ihre Platten zu veröffentlichtenm, jedoch fand sich kein Vertriebspartner, weshalb sie, über Umwege, letztendlich zu Warner Bros. Kamen.
Das Album „Sunflower“ konnte auch keinen Erfolg herbeiführen, weshalb die Band ihr Image ändern und mehr auf politische und sozialkritische Themen eingehen wollte. 1972 stießen Blondie Chaplin und Ricky Fataar als Gitarrust beziehungsweise Schlagzeuger hinzu. Bruce Johnston wurde aus der Band geworfen und Drummer Dennis Wilson musste verletzungsbedingt bis 1974 an das Keyboard wechseln. Ein sechsmonatiger Hollandaufenthalt 1972 bescherte der Welt das Album „Holland“, welches auch wieder mehr Käufer in den USA fand. Darauf folgte mit „Endless Summer“ eine Best Of-Platte, die den begehrten Platz 1 der Billboard-Charts erreichte.

Mit der Single „Rock and Roll Music“ gab Brian Wilson sein Comeback. Der Song erreichte Platz 5 der Charts, das dazugehörige Album „15 Big Ones“ landete in der Top 10. Doch bereits 1977 sanken die Verkaufszahlen wieder, was 1979 im Wechsel der Plattenfirma gipfelte. Auf Caribou Records wurde das letzte Album in Originalbesetzung veröffentlicht, „Keepin’ The Summer Alive“.

Dennis Wilson starb 1983 bei einem Tauchunfall im Pazifik. Am 4. Juli 84 spielten die Beach Boys vor über 700.000 Zuschauern am Washington Monument. Es folgten 1985 und 1987 mit „Getcha Back“ und „Wipe Out“ weitere Top 20-Hits in den USA. Mit „Kokomo“ landeten sie sogar einen Nummer 1-Hit. Dieser Erfolg fällt zusammen mit Brian Wilsons Bekanntgabe seines endgültigen Rücktritts.

Ihr letztes Studioalbum „Summer In Paradise“ von 1992 verstaubte mehr oder weniger in den Regalen. Vier Jahre später sollte dann ein neues Album mit Brian Wilson folgen, doch die von ihm geschriebenen Songs stießen auf wenig gutes Lob bei der Band. Aus diesem Grund wurde, anstatt eines neuen Albums, eine Platte mit alten Songs aufgenommen, die von Gastsängern eingesungen wurden. „Stars And Stripes Vol. 1“ entstand.

Mit Carl Wilsons Tod 1998 kam auch das inoffizielle Ende der Band. Alan Jardine stieg aus der Band aus, da nun keiner der Wilson-Brüder mehr dabei war. Die Beach Boys waren nur noch Mike Love und Bruce Johnston. Brian Wilson und Jardine gingen ihre Wege auf Solopfaden weiter, wo sie sich für einige Konzerte im November 2006 wieder trafen. Ebenso wurden unter dem Namen Beach Boys ein weiteres Album 2006 veröffentlicht, welches jedoch nur alte Songs, Live-Aufnahmen und Songs der Solo-Projekte beinhaltete.

Die Beach Boys, Johnston und Love, touren heute wahrscheinlich immer noch durch die Welt…

Tim Kollande