Passend für eine Band, von der die Textzeile “I’ve come for my award” (deutsch: “Ich bin gekommen, um meine Auszeichnung abzuholen”) stammt, sind THE BEAUTIFUL SOUTH in den letzten Jahren in ihrer Heimat mit den verschiedensten Preisen und Awards geradezu überschüttet worden. Diese Art von Anerkennung wurde allerdings von den Musikern bisher fast einhellig mit gleichgültigem Lächeln oder amüsiertem Achselzucken quittiert:

“Am – schnellsten – verkaufende – Band – der – Popgeschichte? Okay…” “Bestverkaufendes Songwriterteam seit Lennon/Mc Cartney? Na gut…”

Derlei Belanglosigkeiten und Platitüden – Dave Rotheray vergleicht sie in etwa mit einem Fairness-Pokal bei Jugend-Fussball-Turnieren – beeindrucken eine Band herzlich wenig, deren Hauptziel es ist “uns selbst, unseren Prinzipien und unserer Kultur treu zu bleiben. Wir wollen die Besten sein, nicht unbedingt die Bestverkaufenden. Eben erstklassige Musik für erstklassige Leute…”

Zum Ableben der Housemartins anno 1988 atmete die britische Klatschpresse wohlig auf, während alle Anhänger guter Popmusik (und damit auch Fans von Wortwitz, Leidenschaft, Romantik, einer Art “Auf-Teufel-komm-raus”- Tanzwut und leicht verquerer Intelligenz) sich in den Allerwertesten beißen durften. Die allerdings nur solange, bis Paul Heaton wenig später seine neue Band vorstellte THE BEAUTIFUL SOUTH bestehend aus Heaton (Gesang), Sean Welch (Bass) Dave Hemingway (Gesang), Dave Rotheray (Gitarre), Dave Stead (Schlagzeug) und Briana Corrigan (Gesang). Ihr erstes Lebenszeichen war im Juni 1989 die Single “Song For Whoever”, eine herrliche Piano-Ballade mit dem typisch untypischen Thema “Geschlechterkampf aus Sicht eines Pop-Songschreibers”. Fast augenblicklich erstarren Climie Fisher, Bros & Konsorten vor Ehrfurcht und verzogen sich in’s Pop-Nirvana.

Im Oktober des selben Jahres veröffentlichte die Gruppe ihr in Mailand aufgenommenes Debüt “Welcome To The Beautiful South” und stellte der Welt ihren einmaligen, wundervollen Sound erstmals vor. “Verbitterte Texte, gehüllt in zuckersüße Melodien”, beschrieben ihn wortfaule Kritiker, ein fortan mit den Sechsen verbundenes Klischee erfindend, das genauso hohl und auch nur oberflächlich zutreffend ist, wie all die anderen vorurteilsüberladenen Geschichten über schlaue Füchse, verschlagene Schlangen und dumme Gänse. Dennoch begann an dieser Stelle eine beeindruckende Serie von bisher neunzehn Hit-Singles, inklusive vier Top- Ten-Smashern, sowie der #1 “A Little Time”. Dazu kamen dann sechs Top- Ten-Alben von denen zwei (“Carry On Up The Charts” und “Blue Is The Colour”) sogar die britischen Charts anführten. Je nach Tageslaune beschreiben Heaton und Rotheray diese Werke allerdings als “beeindruckende, musikalische Chroniken der Gegenwart” oder auch als “kompletten Scheiß”.

Auch wenn die Bandmitglieder angesichts solcher Rechenkunststücke wohl die Augen verdrehen und sich unwohl fühlen würden, ist es doch wert festzuhalten, daß – rein statistisch gesehen – jeder siebte Einwohner der britischen Inseln THE BEAUTIFUL SOUTH-Alben besitzen. Die Greatesthits-Kollektion “Carry On Up The Charts” fand über drei Millionen Abnehmer im Königsreich und bestätigte die Position des Sextetts als führende Popband des Landes. Die Besetzung blieb konstant bis zum Dezember 1993, als Corrigan wegen der berühmten musikalischen Differenzen durch Jaqueline Abbott ersetzt wurde. Diese wurde – so will es die Legende – entdeckt, als Heaton sie singenderweise in einem Garten auf St. Helena entdeckte.
Auf der Stelle kündigte sie ihren Fünf-Marks-Job an der Supermarkt-Kasse, um sich fortan der Band anzuschließen. Das Album “Blue Is The Colour” (eine im Vergleich zum bisherigen Output eher bluesige Angelegenheit mit unüberhörbaren Einflüssen solcher Barroom-Poeten wie Charles Bukowski und Tom Waits) stieg nahezu mühelos auf #1 der Charts ein, als es im Oktober 1996 veröffentlicht wurde. Die nachfolgende Tournee bestätigte THE BEAUTIFUL SOUTH als einen der besten, aufregendsten und kontrastreichsten Liveacts des Kontinents.

Das musikalisch sehr ainbitionierte “Window Shopping For The Blinds” gehört genauso auf diese Liste, wie der augenzwinkernde Macker-Rock namens “How Long’s A Tear Take To Dry”

THE BEAUTIFUL SOUTH feiern in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen.

Eigentlich der beste Grund für weltweite Straßenpartys, Feuerwerke und die Errichtung von Denkmälern. Wie wär’s mit spontanen Minigolf-Tunieren, dem Anlegen von Gedächtnisgärten oder Entwürfen für geschmackvolle Margarinetöpfe mit dem Bandlogo darauf? Hoffen wir auf weitere zehn Jahre unberechenbarer Musik mit diesen herrlichen Texten. Oder wie wär’s mit weiteren 20, 25 Jahren oder besser gleich…