Jungsein hat ganz klar einige unschlagbare Vorteile: laut und rotzig sein, auch wenn man nur Bier und Zigaretten am Kiosk holt, „Sex, Party und Rock’n’Roll“-Rausch ohne Erwachen und natürlich die ganz großen Emotionen. Wer sich mal wieder so richtig jung fühlen möchte, vergisst zunehmendes Alter und erste Gebrechen am besten beim ersten Album und den mitreißenden live-shows der neuen deutschen Soon-To-Bes: The Blue Sinners.

Ein breiteres Publikum bekam den Sound a la “hingerotztbeatrockvomfeinsten” (Band-Zitat) bereits im Rahmen ihrer Auftritten vor The Enemy, The Boss Hoss, Eight Legs, Little Man Tate, 1000 Robota, Molotov Jive, Be Your Own Pet, Home Of The Lame oder Revolverheld zuhören, wo The Blue Sinners ihre Potential als unermüdliche und ausgelassene Vorglüher unter Beweis stellten. Ohne übertriebenen Respekt wagen sich die Herren dann live auch schon mal an Bob Dylan Cover und stehen stets in regem Publikumskontakt. Mit soviel ungebremster Spielfreude überzeugen sie glücklicherweise nicht nur die
Indie- und Rockgemeinde.

So war es kein geringerer als Produzent Guido Lucas (Blackmail, Donots), der auf dem Weg von der Liveshow zum ersten Studio-Album half. Innerhalb von zwei Wochen stand schließlich die Platte Everybody Ready, die dann bei Motor Digital erschien.

Der Indierocker, der sich mal wieder über nicht zu verkopfte und selbstreflexive Grübeleien freut, bekommt hier eine stimmige Songauswahl, jeder Titel mit einem kaum ignorierbar einladendem Rhythmus. So haben sich die Sinners mit dem Versprechen aus der Nummer You’ll Be Dancing („all night long“) wohl nicht zu viel vorgenommen.
Sehr zu empfehlen sind ansonsten der Discoshit Hit oder Hungry Until I Die sowie Welcome the Summer (wie eine Böse-Beach-Boys-Version, aber leider nicht auf dem Album). Bei dieser Musik gibt es nicht viele Schnörkel, keinen Glam, keine Electro-Elemente. Um sich zum Vergleich mit großen Namen zu helfen, denkt man wohl zuerst an Mando Diao (als die Jungs sich auf der Bühne noch ausgezogen haben), die Hives und bei einzelnen Songs wie What’s Down klingt der Gesang dann schön rau wie bei einem guten Strokes-Song (nur ohne Effekt auf der Stimme).

Die Aussichten sind viel versprechend für diese deutschen Newcomer, ähnlich wie einst bei den Kilians. Und vielleicht geht es ja sogar über den deutschen Suppentellerrand hinaus – gesungen wird schließlich auch in universellem Englisch. Den Biss dazu und die nötige Motivation haben The Blue Sinners auf jeden Fall!

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