Piraten und Casino-Räuber toben momentan durch die Kinos, königliche Oger und Bruce Willis im Unterhemd stehen schon in den Startlöchern. Wer da eine Überdosis Hollywood fürchtet und sich nach Abwechslung aus dem alten Europa sehnt, darf zumindest in dieser Woche ein wenig aufatmen. Und besonders die Briten tun sich dabei mit wahren Filmhighlights hervor.

An Marianne Faithfull, mit der wir auch im Interview gesprochen haben, führt zumindest kein Weg vorbei. Und das, obwohl sie in „Irina Palm“ im abgenutzten Wollmantel und den biederen Oma-Schuhen eigentlich so unscheinbar aussieht, dass man sie auf der Straße vermutlich schnell übersehen würde. Aber natürlich liegt der Reiz dieser zart melancholischen Komödie gerade darin, dass sich die glamouröse Rock-Legende in dieses unscheinbare Großmütterchen verwandelt.
Schnell wird aus ihr allerdings eine wichsende Witwe, denn beim Versuch, Geld für eine überlebenswichtige Operation des Enkels aufzutreiben, landet diese Maggie in einem Londoner Sex-Schuppen und holt schließlich – versteckt hinter einer Wand – Männern einen runter. Wie durch ein Wunder ist dabei keine schlüpfrige Sex-Klamotte entstanden, sondern eine wirklich charmante Geschichte, in der die Romantik an unerwarteten Orten lauert. Und Frau Faithfull ist nach kleinen Rollen in „Intimacy“ und „Marie Antoinette“ einfach umwerfend – auch wenn man die Britin vielleicht nur an ihrer einzigartigen Stimme erkennt.

Typisch englischer Humor erwartet uns allerdings eher in „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“, wobei der doofe deutsche Untertitel eine Nähe zu „Irina Palm“ suggeriert, die es eigentlich nicht gibt. Denn statt ums Rotlichtmilieu geht es hier viel mehr um den Polizeialltag. Ein eifriger Gesetzeshüter wird aus London in die Provinz wegbefördert, bekommt einen naiv-gemütlichen Tollpatsch an die Seite gestellt und entdeckt schließlich, dass das kleine Nest doch eher mörderisch als verschlafen ist.
Dahinter steckt das gleiche Team, das in „Shaun of the Dead“ die Zombies gegen die Sperrstunde im Pub rebellieren ließ. Hier nehmen sie nun aufgeblasene amerikanische Cop-Thriller und Buddy-Movies aufs Korn, was aber keine plumpe Veralberung à la „Scary Movie“, sondern eine sehr raffinierte und wirklich brüllend komische – und ziemlich blutige – Satire geworden ist. Lauter Lachen kann man in dieser Woche nirgends!

Auf jeden Fall nicht in Thomas Arslans „Ferien“, einem kleinen deutschen Film, den man der so genannten „Berliner Schule“ zurechnen darf. Was das bedeutet, weiß jeder, der schon mal einen Christian Petzold-Film gesehen hat: wenige, spröde Dialoge, lange Einstellungen und Langsamkeit in jeder Beziehung. Meist ist das auch sehr klar, kunstvoll und gut gespielt (in diesem Fall u.a. von der großen Angela Winkler und Karoline Eichhorn), aber es gibt doch immer genug Miesepeter, die sich gähnend abwenden.

All jene können dann ja doch wieder auf Hollywood zurückgreifen. In dieser Woche bekämen sie es mit „Hostel 2“ zu tun. Eli Roth macht nach dem überraschenden Erfolg des ersten Teils eigentlich das gleiche noch einmal: wieder landen drei US-Touristen in einem slowakischen Folterknast, wobei der einzige wirkliche Unterschied darin liegt, dass es sich dieses Mal um drei Mädels handelt. Das hat zur Folge, dass dieses Mal noch mehr geschrieen wird, aber mehr Handlung ist trotzdem nicht zu erwarten.
Mit allerlei Eingeweide und anderem Gore ist natürlich trotzdem zu rechnen, denn es wird schon seine Gründe haben, dass die amerikanische Version für Deutschland noch geschnitten werden musste, um überhaupt ab 18 Jahren freigegeben zu werden und nicht auf dem Index zu landen. Mehr Blut also als in „Hot Fuzz“, aber sicherlich längst nicht so viel zu lachen. Deswegen bleibe ich dabei: gegen die Engländer hat in dieser Kino-Woche niemand eine Chance!

Text: Patrick Heidmann