Die CONCRETES waren einfach zu viele. Wirklich. Nicht was die Kreativität der Band betraf, da nicht. Zumindest hatte die Band nicht den Eindruck. Aber wenn es darum ging, eine Band-Bio zu schreiben oder schnelle Entscheidungen zu treffen (was bis dahin noch nicht vorgekommen war), dann konnten sie durch Mitglieder-Reduzierung auf ein Duo, oder zumindest ein Quintett, nur gewinnen. Blieb nur zu klären a) auf wen man verzichten könnte, b) wer die Band freiwillig verlassen würde und c) wie man verhindern könnte, dass diese „Schrumpfung“ sich auf die Musik der Band auswirkte.

Erstmals in der Geschichte der CONCERETES waren Antworten schnell gefunden. Sie lauteten: a) auf keinen, b) niemand und c) gar nicht . Weil nämlich ein solcher Schnitt zweifelsohne Auswirkungen auf die Musik der Concretes, ihre Stimmung und überhaupt alle Beteiligten als solche gehabt, und unter Umständen sogar zur Auflösung der Band geführt hätte. Klar, es gab da ne Menge Dinge, bei denen die Meinungen der einzelenen Bandmitglieder auseinandergingen, z.B. wo man leben sollte, wie man leben sollte, wie man seinen Lebensunterhalt verdienen sollte, was das Leben überhaupt lebenswert macht (shopping oder shopping-freie Tage), um nur ein paar Punkte zu nennen.

Oder was die beste Band aller Zeiten bzw. der schlechteste Film aller Zeiten ist, wie genau „türkis“ aussieht (ein Punkt, der früher, als die Band sich noch selbst um ihre Light-Show kümmerte, häufig für Diskussionen sorgte. Ok, das ist vorbei, aber die Frage bleibt, wie man „türkis“ mit „grün“ verwechseln kann?!), ob man lieber Bier oder Wein trinkt und noch ein paar andere Fragen. Was auch der Grund dafür war, dass man sich auf eine Art Band-Demokratie einigte. Über Entscheidungen wurde abgestimmt, entscheidend war die Stimmenmehrheit. Es sei denn, einer legte sein Veto ein. Was jedem zustand, wenn er einer Idee partout nichts abgewinnen konnte. Und ein solches Veto bedeutet auch wirklich „Nein“, völlig unabhängig davon, welche Meinung die restlichen Bandmitglieder zu dem Problem hatten. Was jede Menge Missmut und heftige Wortgefechte zur Folge hatte, weswegen von besagtem Vetorecht auch nur in äußerst wichtigen Angelegenheiten Gebrauch gemacht wurde.

Da das Erstellen einer Band-Biographie aber durchaus als wichtige Angelegenheit angesehen werden kann, wollten auch alle CONCRETES daran beteiligt sein. Was auch das ganze bisherige Geschwafel erklärt.
Tatsächlich gab es ziemlich viele CONCRETES. Nämlich acht, wenn man mal nur den harten Kern der Band nimmt. Unter diesen acht gab es ein paar Großstadt-Kids (aus Stockholm, um präzise zu sein, wobei der in Großstädten bevorzugte Baustoff auch die Namenswahl der Band erklärt), zwei Nicht-Städter, einen Vater, einen Band-Papi (also derjenige, der „nur so vorsichtshalber“ die Reifen des Miet-Busses kontrollierte, mit dem die Band auf Tour ging), mindestens einen Hippie, einen (gelegentlichen) Schlaumeier und einen (zumindest seiner Aussage nach) großartigen Liebhaber. Um nur einige zu nennen.

Doch trotz der großen Anzahl an Leuten und deren divergierender Meinungen gab es einen Punkt, an dem sich alle Beteiligten einig waren. Nämlich, dass Musik eine großartige Sache war, und das es einen Heidenspaß machte, selbige zu machen. Und angesichts der großen Anzahl von Leuten und deren unterschiedlicher Meinungen war es schon höchst erstaunlich, dass ihnen (den Leuten) genau das immer wieder gelang. Also Musik zu machen. Vom vorliegenden Album mal abgesehen, hatten die Concretes bereits drei EPs und zwei Singles unter ihrem Namen veröffentlicht. Die erste der EPs erschien bereits 1999, so auch dei zweite. Und zwar auf dem bandeigenen LICKING FINGER-Label, welches die Band damals gründete, weil… nun, weil die meisten anderen Plattenfirmen da draußen aus diesen oder jenen Gründen „irgendwie Kacke waren“.
Zufällig fand man dann heraus, dass das auf ein amerikanisches Label namens UP RECORDS nicht zutraf. Im Gegenteil, kaum war die Maxi der CONCRETES im UP RECORDS-Briefkasten gelandet, hingen die die in Seattle ansässigen Auskenner auch schon an der Strippe, um unseren Jungs mitzuteilen, wie toll sie deren Scheibe fanden. Eine Sache zog die andere nach sich, und im Sommer 2000 erschien in Amiland ein Album namens „Boyoubetterrunow“, welches die besagten EPs zusammenfasste.
In Folge besagter Veröffentlichung bekam die Band ein paar wirklich prima Kritiken auf der anderen Seite des großen Teiches (die Kritik, in der stand, sie würden „wie eine komplett untalentierte Ausgabe der CARDIGANS klingen“, sei hier mal unerwähnt), und plötzlich blickte man in eine rosige Zukunft.

Um eine ziemlich traurige Geschichte abzukürzen – dann erlag der großartige Chris Takino, seines Zeichens Gründer von UP RECORDS, seiner Leukämie-Erkrankung, was – neben noch weitaus schlimmeren Dingen – bedeutete, dass die CONCRETES wieder ganz am Anfang standen.
Sie ließen es langsam angehen, und als es an der Zeit war, das neue Album einzuspielen, haben sie ihre Songs sogar geprobt, bevor sie selbige aufnahmen (die Band hofft und glaubt, dass der Unterschied zu hören ist). Sie mieteten sich ein Haus samt Studio, um in selbigem 5 Tage mehr oder weniger rund um die Uhr aufzunehmen. (woran man sieht, dass, wenn Produzent Jari Haapalainen – welcher ansonsten auch Mandoline und Percussion bedient – etwas für eine gute Idee hält, das auch durchgezogen wurde. Soviel zum Thema Banddemokratie. Wenigstens zahlten die anderen CONCRETES es ihm heim, indem sie ihn „den kleinen Führer“ nannten. Hinter seinem Rücken, versteht sich.)
Nun sind die CONCRETES also wieder auf ihrem eigenen Label gelandet. Und als sie ihr erstes richtiges Album in den Händen hielten, stellten sie fest, dass es da noch einen Punkt gab, bei dem sich alle einig waren. Nämlich den, dass sie eigentlich gar nicht so viele waren. Acht Leute, das war geradezu perfekt. Vorausgesetzt, dass man, zumindest hin und wieder, die Band um zwölf weitere Leute erweitern könnte.

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