Gesagt wurde über die britische Band The Electric Soft Parade schon viel. Genau dies stört die Gebrüder White immens! Daher nutzen sie die Gunst des Interviews und rücken anlässlich ihres neuen, dritten Werks “No Need To Be Downhearted” so Einiges ins rechte Licht.

Als euer Debüt “Holes In The Wall” im Jahre 2002 veröffentlicht wurde, sahen viele darin die Rettung des englischen Rock. Sind solche Äußerungen nicht auch ein Last gewesen?
Alex: Wir waren jung und wirklich sehr naiv. Tom und ich glaubten solchen Prophezeiungen damals schon.
Tom: Es war absolut surreal! Nicht nur “Top Of The Pops” wollte die Electric Soft Parade im Programm haben, auch The Who liebten uns – wir realisierten einfach gar nicht, was da gerade mit der Band passierte.
Alex: Man sollte den Einfluss der Presse nicht vergessen. Der NME gab “Holes In The Wall” neun von zehn möglichen Punkten und schrieb so Zeug à la “beste Band seit den Beatles”. Ehrlich, dass hat unserer Entwicklung sehr geschadet. Hinzu kam, dass unser ehemaliges Label Blut geleckt hatte und die Band für das zweite Album “The American Adventure” in die Abbey Road-Studios schickte. Verrückte Sache, oder?

Neben der Musik sorgten in auch die ständigen Auseinandersetzungen mit eurer damaligen Plattenfirma für brisanten Gesprächsstoff!
Tom: Vielleicht war es damals unvernünftig, sich in der Presse über die Machenschaften dieser Leute auszulassen, keine Ahnung.
Alex: Wir fühlten uns eben im Stich gelassen. Nicht nur, weil wir auf der einen Seite fürstlich in den Abbey Road-Studies aufnehmen durften und trotzdem keinen richtigen Tourbus hatten – auch weil irgendwelche Typen plötzlich kamen und meinten: Jungs, nur dieses oder jenes Lied dürft ihr als Single veröffentlichen, klar? (energisch) Da machten wir natürlich nicht mit und deswegen warfen sie uns raus. Drei Jahre sind seitdem vergangen und wir brauchten diese Zeit.

Zwischendurch haben euch die Artic Monkeys, Franz Ferdinand oder auch die Kaiser Chiefs den Rang abgelaufen. Was erwartet ihr daher vom neuen Album?
Alex: Wir sind kein Teil dieser Szene! Es ist uns auch egal, dass die englische Musikpresse einer Band wie The View gute Kritiken gibt, obwohl “No Need To Be Downhearted” seit der Veröffentlichung nur verrissen wird.
Tom: Dieses Album hat sehr viel Geduld gekostet und ist das beste, was wir je im Studio fabriziert haben. Es besitzt nicht nur viele Momente der beiden Vorgänger, sondern erweitet unseren musikalischen Horizont obendrein.
Alex: Wenn wir keine guten Ideen gehabt hätten, dann würde es The Electric Soft Parade nicht mehr geben. Ob die Leute das einsehen oder nicht – mir egal, Hauptsache wir können endlich wieder ohne diese ganzen Nebenwirkungen Musik machen.

Erstaunlich ist vor allem, dass die zwei ungleichen Brüder nicht selbst an der Maschinerie kaputt gegangen sind, sondern ihr gemeinsames Kind namens The Electric Soft Parade am Leben halten. Hoffen wir, dass sie ihren Weg noch lange gehen werden!

Text: Marcus Willfroth