Fünf Mittzwanziger aus Sussex und London haben es sich auf die Fahne geschrieben, Easy Listening wieder groß zu machen. Die Zeit ist also gekommen, all die heimlichen Lieblingssongs auszugraben und einfach nur zu feiern. Besser noch: The Feeling sind gekommen, um Power-Pop wiederzubeleben!

„Wir sind Power-Pop-Forscher“, berichtet ihr Drummer Paul Stewart.

„Uns geht’s darum, sich selbst zu vergessen“, fügt Bassist und Background-Sänger Richard Jones hinzu.

„Man sollte keine Angst vor cheesy Einlagen haben“, wirft Sänger/Gitarrist Dan Gillespie ein. „Lass dich drauf ein!“

Dan, der zugibt, einst ein Indie-Fan gewesen zu sein, macht weiter: „Die Zeit der heimlichen Lieblingssongs ist vorbei! Heute darf man Andrew Gold, ELO, Supertramp oder 10cc mögen – und dazu stehen. Es ist insofern eine großartige Zeit!“

Richard stimmt ihm zu: „Alles ist erlaubt. Alles darf man mögen. 10cc waren unglaublich…“

Paul: „Stimmt, ihre Songs waren so unterschiedlich – sie haben alles zwischen Reggae („Dreadlock Holiday“) und Power-Pop-Balladen („I’m Not In Love“) gemacht.“

The Feeling sind Pop und Stolz darauf. Sie definieren das Wort neu.

„Stimmt, 10cc waren eine Pop-Combo“, sagt Richard. „Und die Beatles waren auch eine Popgruppe. Queen auch. Wir sind nun einmal keine Jazzband und auch keine Heavy-Metal-Band.“

„Wir sind poppig“, erklärt Paul, „aber eher so, wie man Pop in den Siebzigern verstanden hat.“

Wie The Raspberries, oder – etwas aktueller – Jellyfish, sind The Feeling ein Paradebeispiel für Nouveau Power-Pop.

Richard: „Wow – gibt’s dafür eine eigene Abteilung im Plattenladen?“

GET THE FEELING 2: IHRE MUSIK

The Feeling mögen, wie bereits erwähnt, Popmusik. Großen, ernst gemeinten, mit Hooks beladenen Riesen-Refrain-Pop, so wie früher eben. Fleetwood Macs „Rumors“ führen sie als Beispiel an, wenn man sie nach ihrer musikalischen Ausrichtung fragt. Es geht The Feeling um intelligenten Pop, den jeder mögen und mitsummen kann – ganz egal, ob Heimwerker, Handwerker oder Professor.

„Im Bereich der Popmusik darf man alles“, behauptet Dan. „Und wir wollen das auskosten. Wollen uns an noch größeren Refrains und Hooks ausprobieren.“

Wenn es so etwas wie Lennon/McCartney – oder auch Becker-Fagen, Gouldman-Stewart oder Godley & Crème – in The Feeling gibt, dann ist es Dan Gillespie, der gleichermaßen für die Musik und die Texte verantwortlich ist. Die Band behauptet sogar, dass sie die „Songs aus ihm herauskloppen muss.“

Als bekennender Queen-Fan räumt Dan ein, dass er keine „zu knappen Popsongs“ mag. Allerdings ist er auch nicht für überdimensionale „Prog-Opern mit lächerlichem Schluss“ zu begeistern.

So ist es die perfekte Mischung aus Pop und Prog, die The Feeling auf ihrem demnächst erscheinenden Debütalbum präsentieren. Es besteht aus 12 Songs – „ohne Füllmaterial, alles Bomben – ein Klassiker.“

Außerdem wird das Album, wie Richard klarstellt, „üppig und episch“ und, wie Dan hinzufügt, zugleich auch „minimalistisch“ sein. Der Sänger führt die frühen Alben von Elton John, The Beatles und The Carpenters als Beispiele an, um das Gesamt-Feeling von The Feeling zu beschreiben.

„Es ging ihnen um epische Songs, die dennoch niemals zu dick orchestriert waren“, erklärt Dan. „`Rocket Man´ ist nur ein Bass, eine Gitarre, Klavier und Schlagzeug. Die Stimme hält alles zusammen. `Let it Be´ war auch ohne deftige Instrumentierung noch ein kraftvoller Song. Es war immer noch episch, melancholisch und stark zugleich. Oder auch `Solitaire´ von den Carpenters: das ist ein perfektes Beispiel für einen Song, der zugleich episch und minimalistisch ist. The Carpenters hatten einen unfassbar großen Einfluss auf mich.“

GET THE FEELING 3: IHRE TEXTE

The Feeling haben Songs mit Titeln wie „Fill My Little World“, „Never Be Lonely“, „I Love It When You Call“, „Spare Me“ und „Strange“. Was wollen sie uns damit wohl sagen? Worum geht’s hier eigentlich?

Richard: „Die Überwindung eines tiefen Traumas.“

Paul: „Wir alle haben unsere tiefen Traumata.“

Dan: „Man muss sie nur mit der Welt teilen wollen.“

Dabei ist es keinesfalls so, dass, wie Dan sagt, The Feeling „Gruppentherapie-Musik“ machen. „So etwas hasse ich!“ Stattdessen seien seine Texte „eher weiblich und absolut ehrlich“. Seine Lieblingsstimmen sind die von Cole Porter und Irving Berlin. Er mag es, wenn sich Sänger „freudig in ihren Gefühlen suhlen“.

Wurde er schon einmal verletzt?
Dan: „In einer Beziehung? Schon oft. Ich habe das erlebt, was früher oder später jeden trifft. Der Trick ist doch, die Gefühle auf eine Art zu äußern, die nicht gleich allen auf den Sack geht.“

Wer ist der beste Songwriter?

„Barry Gibb“, sagt Dan ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. „Er hat so verdammt viele Wahnsinns-Popsongs geschrieben. Und Stevie Wonder. Und Bill Withers: `Lean On Me´ ist der perfekte Song! Uns sind perfekte Songs auch letztlich wichtiger als die Künstler, die sie geschrieben haben…“

Wen wollen sie schlagen mit ihren eigenen Songs? The Feeling haben das Gefühl, dass Rivalitäten überflüssig sind.

„Für jemanden wie Brian Wilson hat das Wettbewerbsding zwischen den Beach Boys und den Beatles sicher was gebracht“, erklärt Richard. „Dadurch wurde er dazu angetrieben, `Pet Sounds´ aufzunehmen. Für uns ist so etwas nicht wichtig.“

GET THE FEELING 4: IHRE GESCHICHTE

The Feeling, allesamt zwischen 25 und 27 Jahre alt, sind Express-Durchstarter, die natürlich auch eine gewisse Band-Historie haben. Zuvor haben sie schon als Studiomusiker für größere und kleinere Projekte gearbeitet. Sie alle stammen aus Sussex, außer Dan, der ist aus London. Paul, Kevin und Ciaran gingen sogar auf dieselbe Schule –, und Paul und Ciaran waren in einem Jahrgang. Der Sussex-Teil der Band ist somit schon seit stolzen 13 Jahren befreundet. Vor zehn Jahren trafen sie dann auf Dan und Richard, und zwar in der Musikhochschule in Croydon. Seitdem haben sie in unterschiedlichen Formationen gemeinsam Musik gemacht.

Vor fünf Jahren machten sie ihre „Hamburg-Phase“ durch, als sie mehrfach in den Alpen als Cover-Band auftraten. Spezialisiert waren sie dabei auf Coversongs der Rolling Stones, Kinks, Stevie Wonder und der Beatles – um nicht die Rock-Versionen von Achtziger-Hits wie „Take On Me“ (von A-ha), „Walk Like An Egyptian“ (von den Bangles) und „Jump“ (Van Halen) zu vergessen. „Wir haben halt das gemacht, was die Leute bei Laune hielt…“

Auch heute noch kehrt die Band an den Ort dieser Sessions zurück, um an neuen Songs zu arbeiten.

„Es ist unsere spirituelle Heimat“, berichtet Richard. „Dort lernten wir, richtig mit unseren Instrumenten umzugehen.“

GET THE FEELING 5: DIE BANDMITGLIEDER

The Feeling sind – und das darf man ruhig mal so sagen – ausgezeichnete Musiker, die über Jahre an ihren Skills gearbeitet haben. Womit nicht behauptet werden soll, dass Virtuosität und Überprofessionalismus im Rock’n’roll überlebenswichtig wären. Nein, das sicher nicht. Doch es ist schon von Vorteil, wenn man ein Instrument auch wirklich spielen kann. Und diese Jungs hier, die können spielen.

Aber wer hat sie denn eigentlich beeinflusst? Jeden einzelnen von ihnen? Paul?

„Unfassbar viele! Mick Fleetwood, Bernard Purdie, Roger Taylor und Ringo sind allesamt Rieseneinflüsse. Ich habe das Gefühl, dass viele Leute Ringo aus irgendeinem Grund für schlecht halten, dabei waren viele seiner Parts schlichtweg genial!,“ berichtet der Drummer. „Ich würde gerne so viel zu unserem Sound beisteuern, wie er es bei The Beatles getan hat.“

Dan?

„Freddy! Karen Carpenter war eine der größten Vokal-Technikerinnen aller Zeiten. Sie hatte eine saubere, eine klare Stimme – pure Emotion! Es war herzzerreißend. Außerdem würde ich Freddy Mercury wegen seiner Präsenz auf der Bühne auswählen. Und Neil Young, für seinen Umgang mit der Gitarre. Ich wäre gerne Karen Carpenter im Körper von Neil Young. Und dazu hätte ich gerne die Hosen von Freddy Mercury an!“

Richard?

„Ich mag es, mich auf die anderen einzulassen und zu sehen, an welcher Stelle ich mich am besten einbringen kann. Bassisten wie Paul McCartney oder John Deacon waren ganz groß darin. Vom technischen Aspekt allerdings würde ich sicher Jaco Pastorius [eine Jazz-Rock Fusion-Legende] oder James Jamerson [Motown] nennen.“

Kevin?

„Slash und Brian May – Slash für die Attitüde, die er beim Spielen rüberbringt. Und Brian May für die Tatsache, dass seine Soli einfach nicht aus Queen-Songs wegzudenken sind.“

Ciaran?

„Vielleicht Joe Zawinul“, sagt der stille und zugleich hartgesottene Keyboarder. Eine Band, die Earth Wind & Fire und Weather Report als Referenzen aufzählt, muss man einfach anhimmeln. „Meine Favoriten wären allerdings Gareth Hudson von The Band und Tom Waits.“

GET THE FEELING 6: DIE ZUKUNFT

The Feeling erwartet Großes in der Zukunft. Mit todsicheren Smash-Hits wie „Fill My Little World“, den Sonnenschein-Harmonien von „I Want You Now“, den minimalen Melodien der verschränkten Akustik- und E-Gitarren auf „Never Be Lonely“, den poppigen Keyboard-Riffs von „Love It When You Call“ und intimen Balladen wie „Strange“ und „Spare Me“ wird man schon bald dieses Feeling nicht mehr loswerden können. Besonders das infektiöse „Helicopter“ wird – direkt aus dem Lautsprecher eures Radios – dieses Feeling auch auf euch übertragen. Und dann ist es da. Als Teil des Lebens. Ein neues Feeling.

Richard weiß sogar noch genauer, wie die Zukunft aussehen wird.

„Wenn nicht alles völlig daneben geht“, beginnt er ganz locker, „dann haben wir in genau einem Jahr eine Reihe von Hits gelandet.“

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