Es war einfach fantastisch. Das Zelt auf der Wiese schien von außen zu wackeln.
Es geschah am hellichten Tag. Im Zelt leuchtete der Himmel durch die weißen Planen, und immer wieder wurden die seitlichen Wände aufgezerrt. Es bot sich ein großartiges Bild. Die Menschen vor der Bühne tanzten in Trance. Und die Musiker auf der Bühne traten ihre Füße im Takt auf den Boden. Sie schwitzten und sie schrien. Und sie sahen verdammt gut aus. Die Monochords auf dem Immergut-Festival um halb neun, kurz nach Tomte.

Die Monochords sind keine Newcomerband unter vielen, die auf irgendwelche längst abgefahrenen Zügen aufspringen. Die Monochords sind unique. Allein das Auftreten: auf den ersten Blick denkst du an Mods, doch hinter den Kulissen siehst du, dass die fünf Burschen eher aus Garagen kriechen als von der Carnaby-Street. Und genau das schlägt sich auch musikalisch nieder. Extrem tanzbarer Soul – also der Modsoundtrack – trifft auf die Energie und Kraft des Garagenrock. So etwas haben bislang in Deutschland nur ganz wenige geschafft.
Zusammen mit den skandinavischen Whyte Seeds und den Flaming Sideburns sind sie die Protagonisten einer Bewegung, die sich im Gegensatz zu den “The”-Bands eher an den 60ies orientiert und in einschlägigen schwedischen Magazinen bereits als “Raw Vintage” bezeichnet wird.

Die Monochords spielten seit ihrer Gründung im Januar 1998 rund 150 Konzerte, zuletzt einige ausverkaufte Gigs mit den australischen Vines.
Und es geht weiter. Ende letzten Jahres ging es für die fünf Hessen nach Frankreich, um dort mit Peter Deimel und Jürgen Hendlmeier das Debütalbum aufzunehmen.
Die beiden sind alte Bekannte in der jungen, frischen Musikszene: Deimel unterstützte bereits Surrogat, Tocotronic oder Chokebore; Hendlmeier ist Produzent der furiosen Finn-Rocker Flaming Sideburns – den letzten Schliff soll das Album dann im Studio von Ake Karl Kalle Gustafsson bekommen. Und der spielt normalerweise in der schwedischen Ausnahmeband The Soundtrack Of Our Lives.

Wo wir wieder auf dem Immergut sind. Auf die Frage, welches das beste bisher gesehene Konzert für die Musiker bislang gewesen sei, antworten drei von fünf: The Soundtrack Of Our Lives auf dem Immergut.

Bei solcher Liebe zur Musik von anderen fällt es den Musikern nicht schwer, auch ihre eigenen Fans zu beglücken und stets neue Menschen für sich zu begeistern. “Am vergangenen Samstag im Hamburger LOGO trat mal wieder einer dieser Fälle ein, in dem mich eine Vorband von den Socken riss: nämlich IHR!” schreibt jemand in das Forum der Monochords. Das ist kein Wunder. Denn die Musiker können spielen. Sie wissen, was sie tun. Ihr eigenes Ding. Und nicht das von irgendwelchen Promo-Leuten. Seele kann man das auch nennen. Und die wird nicht verkauft.