In Bar des kleinen Hotels in der Nähe des Berliner Theater des Westens wird exzellenter Kakao gemacht und Fidel Castros Lieblingszigarre als “Zigarre des Monats” angepriesen. Die Bar ist fast leer. Draußen regnet es. Perfekte Bedingungen also, um mit Conrad Standish und Tom Carlyon über ‘Coal’ zu reden, das zweite Album der gemeinsamen Band Devastations.

“Ich denke, wir sind nun konzentrierter, wissen besser, wohin wir wollen”, erzählt Carlyon mit leiser, freundlicher Stimme, die seinen trockenen, oft überraschend direkten Humor nicht vermuten lässt. “Die Arrangements auf der Platte waren uns extrem wichtig. Die Songs sind jetzt differenzierter, aber auch poliert. Wie ein Auto.” Man weiß nicht, ob man lachen oder doof gucken soll.

Die drei Australier (Drummer Huga Cran komplettiert das Trio, in dem sich Carlyon und Standish die Vocals teilen) leben seit einiger Zeit in Berlin, wohin sie aber weder das aktuelle künstlerische Ambiente gelockt haben noch die Möglichkeit, sich in einem Atemzug mit David Bowie nennen zu lassen. Stattdessen: “Es war eigentlich eher ein Unfall, dass wir letztlich hier gelandet sind”, erzählt Standish. Im Gegensatz zu Carlyon spricht er mit tiefer Stimme, die schwarzen Haare stehen in wilden Locken vom Kopf ab, das Hemd ist weit aufgeknöpft. “Wir waren auf Tour in Berlin und haben hier Freunde gefunden, das hat es leichter gemacht. Zudem ist alles recht günstig hier, was schon einen sehr guten Lebensstandard ermöglicht.”

Nicht mehr weiter von Lebensstandard konnte die Rede sein, nachdem nach den ersten Aufnahmen zum neuen Album in Prag eine böse Überraschung auf die Band wartete. Carlyon erzählt: “Wir hatten eine großartige Session von fünf Uhr nachmittags bis fünf Uhr morgens gehabt und mussten dann am Morgen feststellen, dass unser Auto in der Nacht aufgebrochen worden war. Platten, Tagebücher, Kleidung… alles war weg. Die einzigen Klamotten, die wir noch besaßen, waren die, die wir anhatten. Kleidung ist in Tschechien zwar vielleicht billig – aber sie taugt auch nichts. Wenn ich die Atmosphäre während der Aufnahmen beschreiben sollte, würde ich sagen, sie war vor allem eins: unhygienisch.”

Was ‘Coal’ unterdessen nicht weiter geschadet hat: Zehn Songs lang darf sich gepflegte Melancholie über dunkelfarbigen Plüschkissen ausbreiten, wie man es etwa von den Tindersticks kennt, und die Streicherarrangements von Padma Newsome (von den Labelkollegen The National) und der Gastauftritt von Sängerin ‘Bic Runga’ machen insbesondere das Stück ‘A Man Of Fortune’ zu einem kleinen Meisterwerk. So darf es Herbst werden.