“Let’s go fishing for a dream. Let’s find some place new. Somewhere we can be ourselves.” Die ersten Worte der Single aus dem dritten Album ‘JackInABox’ sind gesprochen und schnell ist einem klar, dass die Turin Brakes diesen besagten Platz gefunden haben müssen. Mit sonnigem Gemüt melden sich Gale Paridjanian und Ollie Knights zurück, und vom ehemaligen Selbstzweifel der Beiden ist kaum mehr etwas übrig. Recht positiv und dem Mainstream-Pop immer näher, präsentieren sich die Turin Brakes dieser Tage, und das steht ihnen gut.

Gale Paridjanian könnte nicht zufriedener wirken. Gebt dem Mann einen Tee und er ist glücklich. Der Gitarrist tritt am heutigen Tag alleine der Journalistenmeute entgegen. Sein Bandkollege Ollie Knights verweilt derzeit bei seiner Frau, die ihr erstes gemeinsames Kind erwartet. Aber so schnell bringt Gale nichts aus der Fassung. Gut geht es ihm. Anders kann man es nicht in Worte fassen. Und ihr neues nunmehr drittes Album ‘JackInABox’ spiegelt das wider. Wie es dazu kam, mag man ihn fragen. Sind die Turin Brakes doch unter anderem dafür bekannt geworden, dass ihre Songs so leidvoll sind. Mit einem Gummibärchen im Mund und einem schiefen Lächeln im Gesicht gibt Gale ohne Umschweife folgendes Resümee: “Wir haben für uns selbst einfach feststellen müssen, dass es sich nicht lohnt, sich ewig einen Kopf zu machen. Irgendwann stirbt man halt und irgendwo wird es immer Not geben. Aber wir leben jetzt mehr für den Moment und genießen das Leben. Diese neue Sichtweise hat sich auch auf das Album ausgewirkt. Und genau deshalb ist ‘JackInABox’ so geworden wie es ist. Sonnig irgendwie.”

Das irgendwie kann man getrost streichen. Diesem Album haftet eine Leichtigkeit an, die beachtlich ist. Dass Ollie ein begnadeter Songwriter ist, muss eigentlich nicht weiter thematisiert werden. Belege, welche diese Tatsache unterstreichen, sind unter anderem eine Mercury Prize-Nominierung oder die Anfrage von Robbie Williams, der die beiden Köpfe der Turin Brakes darum gebeten hat, Songs für ihn zu schreiben. Oder jüngst die Teilnahme am Band Aid-Jubiläum. Aber diesmal hat sich Ollie Knights in punkto Songwriting noch weiter entwickelt. Während sich die ersten beiden Alben ‘The Optimist LP’ und ‘Ether Song’ noch introvertiert und klanglich spärlich gaben, so geht man heute eher mit offenen Armen auf das Publikum zu. Beide Facetten der Turin Brakes sind gut. Und all den Zweiflern sei hier schon gesagt, dass das neue angstbefreite Album ansprechend ist.

Der Ausgangspunkt der Londoner Band ist die New Acoustic Scene. Jede Band, die sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihres ersten Albums introvertiert gab und die Gitarre als Lieblingsinstrument auserkoren hat, wurde prompt in diese Schublade gestopft. Heutzutage sind die Turin Brakes näher am Mainstream-Pop dran als jemals zuvor. Eigentlich hätte die Kombination von Robbie Williams und den Turin Brakes Sinn gemacht. Ob man sich heutzutage ärgert, dass nie was aus der Zusammenarbeit geworden ist, möchten wir wissen. Gale, bescheiden wie er ist, verneint dieses: “Natürlich war es eine Ehre für uns. Aber in diesen Gefilden wollen wir uns nicht bewegen. Wir schreiben weiterhin nur Musik für uns selbst und hoffen, dass es den Leuten gefallen wird.”

Text: Tanja Hellmig