Two pints a lager and a packet of crips, please!
The Paddingtons
„First comes first“

Es müssen herrliche Zeiten gewesen sein, als Bands noch Buzzcocks hießen und LPs drei Minuten länger als eine halbe Stunde liefen. Mit „First comes first“ und den Paddingtons kehrt die Epoche der fotokopierten Plattencover nun zurück.

Wenn man aus irgendwelchen Gründen möchte, dass Pete Doherty ein Konzertversprechen wahr macht, muss man sich schon eines kleinen Tricks bedienen: Die Babyshambles spielen im Grunde genommen nur, wenn The Paddingtons am gleichen Abend auf der gleichen Bühne stehen. Und wenn man Liam Gallagher ärgern möchte, dann lässt man einfach den Namen The Paddingtons fallen. „Fuckin’ awful!“ schreit der Oasis-Mann dann ungehalten.

The Paddingtons stammen aus Hull in der Grafschaft Yorkshire. Mit „First comes first“ veröffentlicht das Quintett nun sein Debüt. Elf raue Songs mit Titeln wie „Some old Girl“, „Panic Attack“ oder „21“ – ebenso schlicht wie ergreifend. Die Punkrock-Gitarren dengeln, Leadsänger Tom brüllt seine Texte, als wolle er nur kurz zwei Pints Bier in einem überfüllten Pub aus der dritten Reihe vor der Theke bestellen. Lyrische Manierismen überlässt er der Hype-Presse, die sich nach Erscheinen von „First comes first“ und den vorangegangenen Gigs auf den Sommerfestivals Glastonbury und T in the Park kaum noch einkriegt. „Speedfreaks trotz Babyfaces“, urteilte der NME. Und: „Die Paddingtons geben einem das Gefühl, als würde man zwangsweise mit den Antidepressiva aus Muttis Badezimmerschrank gemästet und anschließend um fünf Uhr morgens aus dem Auto geworfen.“

So müsste es dann auch Alan McGee, dem Entdecker von Primal Scream und Gründer des legendären Indie-Labels Creation Records, gegangen sein. Er sah The Paddingtons auf der Bühne. Keine dreieinhalb Minuten später hatte er sie unter Vertrag genommen (so erzählt man sich zumindest). Das hätte er auch früher haben können, wäre er bereits zum Soundcheck erschienen: Denn dabei spielen The Paddingtons stets „Anarchy in the UK“. Die Jungs wissen einfach, was sich gehört.

Deshalb haben sie sich auch von Owen Morris produzieren lassen, der unter anderem bereits für „A Northern Soul“ von The Verve und vor allem „Definitely Maybe“ von Oasis verantwortlich zeichnete. „Die Leute haben wahrscheinlich eine Chaos-Platte à la Libertines von uns erwartet“, sagt Lloyd, der Bassist, „so Indie-Zeugs halt. Aber es ist ein richtig hartes Rock’n’Roll-Album geworden. Das liegt auch an Owen: Er schleift einen an die übelsten Plätze, die man sich vorstellen kann, und arbeitet grundsätzlich bis fünf Uhr morgens. Wir hatten keine Ahnung, was er mit uns anstellen würde. Und dann das! Er ist wirklich ein Genie.“

Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass „First comes first“ eine ziemliche Revolution für die britische Scene werden könnte. Denn von den aktuell gehypten Bands setzen sich The Paddingtons wohltuend ab. Die Kaiser Chiefs und The Bravery mögen sie nicht so wirklich („Okay, gute Popsongs immerhin“), erklärt Basser Lloyd. Und ansonsten halten sie es mit der Ansage von Jello Biafra auf der Dead-Kennedies-Platte „Give me convenience or give me death“: „We are a punkrock band no new wave band!“

Es gibt Leute, die behaupten, derartig rotzige Songs seit 1977 nicht mehr gehört zu haben. Es gibt Leute, die stellen soziologische Überlegungen an, warum man in Leeds oder eben Hull andere Musik macht als in Brixton. Und es gibt Leute, die bei einem großen deutschen Nachrichtenmagazin beschäftigt sind und sich einfach über „grandiose Sauflieder zwischen Buzzcocks, Clash und Undertones“ freuen. Wie dem auch sei – große Zeiten stehen bevor.

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