Es war 1977 in einem kleinen verrauchten Jazz-Club in Liverpool. Während draußen gerade die Punk-Welle brandete, trafen sich drinnen Stewart Copeland, sein Bruder Ian, Henry Padovani und Gordon Matthew (Thomas) Sumne, besser bekannt als Sting und berieten über ihr neues Bandprojekt: The Police. Gut 30 Jahre später, im Frühjahr 2008 verkünden The Police ihre endgültige Auflösung nach erfolgreicher Reunion-Tour. Dazwischen liegen Jahre Stil prägenden Schaffens, eine ganze Reihe von Chart-Erfolgen und eine zwei Dekaden andauernde Funkstille. Aber wollen wir von vorne beginnen:
Das Quartett, wie es sich in jenem Liverpooler Jazz-Cafè zusammenschloss, wurde bald, durch Ian Copelands Ausstieg, zum Trio reduziert. Die folgenden Monate waren dominiert von vielen Live-Auftritten und vom Prozess der Selbstfindung. Man spielte innerhalb der Szene in diversen Projekten. Als im Juni `77 Andy Summers dann Henry Padovani an der Gitarre ersetzte, war das Line-up, das auch die kommenden Jahre halten sollte, perfekt.

The Police stechen zur damaligen Zeit unter den vielen Punk-Bands heraus – durch die Qualität ihrer Musik und die Verquickung von Rock, Reggae und Ska-Elementen. Nur The Clash warten, unter den europäischen Bands, zu diesem Zeitpunkt mit einer ähnlichen Musik-Palette auf.
Doch der Weg zum Erfolg ist zunächst kein besonders leichter. Die Aufnahmen zum Debüt-Album müssen, wegen mangelnder Band-Chemie, verschoben werden. Eine Europa-Tournee platzt und um nicht komplett auf der Straße zu landen, wirkt die Band bei einem Wrigley`s Werbe-Spot mit. Für den müssen sie sich sogar komplett blondieren. Die Drei nehmen es aber mit Humor und der blonde Schopf wird zum Markenzeichen der frühen Jahre.

A&M Records lässt sich zu einem Single-Vertrag überreden und finanziert die Aufnahmen zu „Roxanne“. Aber ausgerechnet der Song, der später wohl der bekannteste dieser Band wurde, liegt zu Beginn wie Blei in den Plattenregalen. Auch die nächste 7“ „Can`t Stand Losing You“ und das erste Album „Outlandos D`Amour“ verkaufen sich nicht gut. Doch Sting & Co. lassen sich nicht entmutigen und starten eine Tour durch die USA. Im abgeschrabbeltem Van und mit geliehenen Instrumenten geht es quer durch die amerikanische Provinz. Erst während der nachfolgenden Australien-Tour zeichnet sich langsam auch finanzieller Erfolg ab.

Zurück in England geht es stracks zurück ins Studio. Bei den Aufnahmen zum zweiten Album „Regatta De Blanc“ mangelt es zwar nicht mehr am Kleingeld, dafür aber am kreativen Fluss. Im Oktober 1978 verlassen The Police deshalb unverrichteter Dinge das Studio und machen sich auf zu einer neuen Tour in den Staaten. Hier angekommen glauben sie ihren Ohren kaum! „Roxanne“ ist der neuste Gassenhauer und läuft im Radio hoch und runter. Nun ist der Knoten geplatzt! Die Single und das Album steigen stetig in den Charts und die US-Tour wird kurzer Hand zu einer Welttournee ausgedehnt.
Der treibende Off-Beat, das unkonventionelle Schlagzeug-Spiel von Copeland und Stings Instinkt für Ohrwürmer begeistern die Massen. Am Ende der Tour spielen The Police beim Reading-Festival vor 20.000 Zuschauern. Vom Erfolg berauscht flutschen auch die Aufnahmen zu „Regatta de Blanc“. Im September schießt die erste Single-Auskopplung, „Message In A Bottle“ geradewegs auf Platz 1 der Charts und das im Oktober folgende Album lässt sich auch nicht lange bitten.

Was nun folgt, geschieht für The Police wie im Rausch: Schon ein Jahr nach dem Erfolg von „Reggatta de Blanc“ folgt das dritte Studioalbum „Zenyatta Mondatta“. Im Oktober 1980 wird „Can`t Stand Losing You“ ein Nummer-Eins-Hit in den britischen Charts. Andy Summers instrumentales Stück „Behind my Camel“ erhält einen Grammy als bestes Rock-Instrumental. In dieser Zeit sind The Police ständig unterwegs, Touren werden nur durch Studio-Aufenthalte unterbrochen. Dabei beschränken sie sich aber nicht nur darauf, den Madison Square Garden auszuverkaufen, sondern bespielen auch Bühnen in exotische Gefilde wie Ägypten, Thailand oder Mexiko.
Musikalische Zeugnisse dieser Reisen finden sich auf dem vierten Studioalbum „Ghost in the Machine“, das im Oktober 1981 erscheint. Auf diesem Album gibt es neben mehr Reggae auch untypische Instrumente wie Saxophon und Synthesizer. Besonders Andy Summers kann sich mit dem neuen Sound der Police nicht so recht anfreunden: “Mit den Bläsern und den Keyboards verloren wir den rohen, dynamischen und kreativen Sound als Trio. Am Ende waren wir nicht viel mehr als eine Begleitband für einen Sänger und seine Pop-Songs”. Das Album gefiel trotzdem. In England gab es wieder Platz 1 und „Every Little Thing She Does Is Magic“ wird die bis dahin erfolgreichste Single des Trios.

Unter dem Stress des ständigen Tourens litten die Ehen der Bandmitglieder und die Band-Chemie ließ mittlerweile auch stark zu wünschen übrig. Aus diesen Gründen verabredete man eine Police-Pause für 1982. Sting nutzt die Zeit um weiter an seiner Film-Karriere zu basteln. Copeland schrieb den Soundtrack zu Francis Ford Coppolas „Rumble Fish“ und Summers startete mit dem Instrumental-Album „I Advanced Mask“ ebenfalls eine Solokarriere.

1983 trifft man sich im karibischen Montserrat wieder und beginnt mit den Aufnahmen zu „Synchronicity“. Das Album sollte alle bisherigen Erfolge der Band toppen. Im Sommer 1983 stand die „Every Breath You Take“ sowohl in den USA als auch in England Wochen lang auf dem ersten Platz der Charts. Auch die anderen drei Singles „Synchronicity II“, „Wrapped Around Your Finger“ und „King of Pain“ werden zu Erfolgen. Es regnet Grammys, Brit Awards und andere Auszeichungen. In New York spielen The Police vor 70.000 begeisterten Menschen. Sting, Copeland und Summers erkennen, dass eine Steigerung von da an nicht mehr möglich sein wird.. Sting sagte später über dieses Konzert: „ Das war der Anfang vom Ende“.
Nach dem Ende der Tour, im März 1984, gingen alle drei Bandmitglieder ausschließlich ihren Solo-Aktivitäten nach. Im Juni 1986 traf man sich nochmals kurz um drei Konzerte auf der „Amnesty International A Conspipracy of Hope Tour“ zu spielen. Inspiriert von den Gigs, traute man sich auch noch einmal ins Studio, jedoch nur um alte Songs nochmals neu aufzupolieren. Das Ergebnis war eine neue Version von „Don`t Stand So Close To Me“ und “De Do Do Do, De Da Da Da”, sowie eine Hit-Compilation. Schnell wurde aber deutlich, dass Sting kein Interesse daran hatte weiter mit der Band zusammen zu arbeiten. 1985 veröffentlichte er schon erfolgreich sein Solo-Debüt „The Dream of the Blue Turtle“.

Obwohl es nie zur Auflösung der Band gekommen war, gibt es 21 Jahre lang so gut wie nichts von The Police zu hören. Im Januar 2007 tauchen Gerüchte über eine Reunion auf, die sich bewahrheiten sollten. The Police eröffnen im Februar die Grammy-Awards mit den Worten „We `re The Police! And We `re back!“ Danach gehen The Police auf Welt-Tournee und es mehren sich Hoffnungen, dass Sting & Co. vielleicht auch noch ein Mal ins Studio gehen. Im Februar 2008 lässt Sting aber wissen, dass es nach der Tour endgültig Schluss wäre mit The Police. Das letzte Konzert der Band findet im August 2008 in New York statt.

Damit kommt die Geschichte einer Band, die Brücken zwischen so vielen Musik-Stilen schlug und Tausende begeisterte, zu einem Ende und ein weiteres Kapitel Musikgeschichte kann geschlossen werden.

The Police sind:
Andy Summers – Gitarre
Sting – Bass & Gesang
Steve Copeland – Schlagzeug

Sebastian Koch