Es ist eine graue Plattenbausiedlung Zabrze bei Pyskowice. Im siebten Stock des schäbigen Riesengebäudes sitzt die Familie Popolski zwischen einer 30 Jahre alten Wohnzimmereinrichtung.
Der älteste im Raum ist Pavel Popolski. Er spielt seit seiner Kindheit Schlagzeug und ist seit jeher der Vorstand der musikalisch äußerst begabten Familie, die man am ehesten noch mit der Familie Bach vergleichen könnte. Doch der Reihe nach. Mit gepflegtem Schnauzer und gebügeltem Pullunder erzählt er die Geschichte der Popolskis.
Opa Piotr Popolski trank auf dem Pfarrfest von Pyskowice 22 Gläser Vodka auf das Wohl der Jungfrau Maria und fuhr anschließend auf dem Fahrrad heim nach Zabrze. In seinem Suff überkam ihn eine Melodie, als hätte Jungfrau Maria ihm persönlich für seine Pilgerfahrt gedankt: “Ei dobrze, dobrze dralla!”, die Mutter aller Popsongs. Eigentlich habe Opa Popolski seinen Titel “Popolski-Musik” nennen wollen, erzählt Pavel, doch die Bezeichnung habe sich als zu sperrig erwiesen und wurde daher auf “Popmusik” gekürzt. Die ungewöhnlich Famile Popolski komponierte unter der Leitung des Opas fortan über 128.000 Popstücke in der heimischen Plattenbauwohnung, oder einem Schuppen am Rande der Stadt. Dorthin hatten sie zum Komponieren ausweichen müssen, als sich Nachbarn über den ständigen Lärm zu beklagen begannen.

Opa Popolski
Opa Popolski auf seinem Fahrrad

Eines Tages fand ein windiger Gebrauchtwagenhändler namens Oleg Przewiczky seinen Weg vorbei am Schuppen der Popolskis, wo er die Melodien der neuartigen Musik vernahm. Zwar verstand Przewiczky nicht allzu viel von Musik, wohl aber vom Geld machen. Er versprach der Familie Ruhm und Glanz auf den Bühnen des Westens und nahm die gesammelten Kassetten und Noten an sich. Einen schäbigen Fiat Polski ließ er als Anzahlung da, die Aussicht auf das schnelle Geld abseits der Plattenbauten vernebelte den Popolskis den Verstand. Der Händler verscherbelte im Laufe der Jahrzehnte alle Bänder und Kompositionen ins westliche Ausland und verdiente sich eine goldene Nase. Der Familie Popolski jedoch blieb von all dem Geld nichts.

Das einzige existierende Foto von Oleg, dem Gebrauchtwagenhändler
Das einzige existierende Foto von Oleg, dem Gebrauchtwagenhändler

Schwerer noch als der materielle Verlust wiege die künstlerische Schmach, denn all die Hits
wurden nach Strich und Faden “verhunzet”, wie Pavel erzählt. Aufklärung sei nun endlich geboten, denn nur die wenigsten wüssten, von wem die Stücke eigentlich geschrieben worden und vor allem, wie sie eigentlich in ihrem ursprünglichen Versionen zu spielen seien.
Doch im Zeitalter des Internets ist Aufklärung einfacher geworden. Die Popolskis bedienen sich der modernen Medien um den Menschen ihre Geschichte zu erzählen. Aus ihrem Wohnzimmer der Plattenbausiedlung senden sie seit einigen Wochen “Der Popolskishow” und verbreiten sie über das Internet.

Familie Popolski: Der Popolski Internetzshow 1

Bereits morgen wird an dieser Stelle der zweite Teil der Popolski-Geschichte veröffentlicht werden. Exklusive Details und atemberaubende Wahrheiten erwarten euch. Seid gespannt!