Eine abgedrehte Spieluhr spielt immer und immer wieder eine Melodie unergründlicher Finsternis. Ein schräger, analoger Sound setzt ein, schlägt sich wellenartig nach vorn, um sogleich von brachialen Gitarren durchbrochen zu werden. Ein tieftönender, dunkler und dreckiger Bass dröhnt und schnalzt, verleiht dem Ganzen mit seinem wilden, funkig angehauchten Groove Dynamik.

Jetzt setzt Keith Flints Geknurre ein, sein eiskalter Gesang. Teils mit spottendem, teils mit zornigem Unterton liefert er eine Hymne der Abrechnung. Zurückhaltend und trotzdem dominant; mit Eiseskälte, dennoch hitzig. ‘ We Love Royhypnol, She got Royhypnol, We take Royhypnol, Just forget it all.’

Der Song ist vertrackt. Eine Darbietung taumelnden, dreckigen Funks, der dahinbrodelt im dunkelsten Schatten des Punk. Er heisst ‘Baby’s Got a Temper’, ist die erste neue Aufnahme von Prodigy seit fast fünf Jahren und bietet gleichzeitig die perfekte Wiedereinführung des feinsten Elektropunks, der den Planeten jemals erobert hat. Das nur für diejenigen, für die Wiedereinführungen wirklich wichtig sind.

“‘Baby’s Got A Temper’ is about uppers and downers and how
widely they’re used. If I wanted to use downers I could get ‘em off
girlfriends of mine, which I have done, so I wrote about that, how
punk they are. I respect that. A lot of girls I know are more out there
than guys.” – Keith Flint

The Prodigy sind natürlich die einzig wahren und verbleibenden Anwärter für den
Titel ‘the last gang in town’. Seit ihren frühesten Anfänge haben sie einen wahrlich einzigartigen Weg durch die Kultur unserer Zeit eingeschlagen.

Mit ‘Firestarter’ haben sie den Generationenkonflikt in unsere Wohnzimmer zurückgebracht. Und mit ‘Smack My Bitch Up’ haben sie die Diskussionen im englischen Parlament zum Thema Punk erneut ins Rollen gebracht (nicht zu vergessen die auf political correctness bedachten verseuchten Egos so einiger Pop Stars).

Statistisch ausgedrückt: Das ’97er Album ‘Fat of the Land’ war in Grossbritannien das meistverkaufte Album aller Zeiten; ein Album, das bereits in seiner Veröffentlichungswoche in 22 Ländern auf #1 in die Verkaufscharts einstieg.

In UK verkaufte dieses Album in der ersten Woche mehr als die der nachfolgenden 49 Album-Chart-Plätze zusammengerechnet. Es toppte die Verkäufe von Platz 2, Radioheads ‘OK Computer’, um das Achtfache! In den USA schob man das Album in der ersten Woche 200.959mal über den Ladentisch. Zum Vergleich: Der O.S.T. zu Hollwoods Kinokassenknüller ‘Men In Black’ schaffte nur 177.470 Verkäufe, das Spice Girls Album ‘Spice’ sogar nur schlappe 147.922!

In den darauffolgenden 18 Monaten nach Album Release besuchten mehr als eine Million Fans die hochexplosive Prodigy Live Show. Ihre Tour führte sie durch mehr als 53 Länder, in so unterschiedliche Städte wie Moskau (wo sie auf dem Roten Platz vor 250.000 Menschen spielten) und in das vom Krieg zerrüttete Beirut (wo sie gerade noch einer Hinrichtung entkamen und Zeugen einer Schiesserei waren!).

In Wirklichkeit aber drehte es sich bei The Prodigy nie um Statistiken. Bei ihnen ging es stets um das voll durchgedrückte Gaspedal, rasenden und Adrenalin-steigernden Rock’n Roll, kriegerisches Geschrei im braven Durcheinander unzweideutiger Zeiten. Ein Schreien, das viel zu lange verstummt war.