Wenn die Shins rufen, kommen alle – die Mini-Europa-Promotour jener Band, die dem Begriff “Indie” einen ganz eigenen Stempel aufsetzte, führte unter anderem auch durch Berlin.

Lange hat man nichts mehr von James Mercer und seinen musikalischen Mitstreitern gehört. Das letzte Album “Wincing The Night Away” erschien 2007 und auch in hiesigen Gefilden ließen sich die Shins fünf Jahre nicht blicken. Nicht nur die Erwartungen an das neue Album “Port Of Morrow“, sondern auch auf den ersten Deutschlandtermin seit Jahren waren dementsprechend hoch. Kein Wunder, dass die Konzertkassen bereits nach kürzester Zeit “Ausverkauft!” meldeten und der Gig in eine größere Location verlegt werden musste. Dementsprechend erwartungsvoll wirkte auch das Publikum, das sich bereits lange vor Einlass in Scharen vor dem Berliner Huxleys versammelte. Nicht alle hießen die Songs von “Port Of Morrow” gut, zu durchwachsen sei der neue Output nach dieser Wartezeit. So machte sich vor dem Konzert eine Stimmung breit, die man am besten als eine Mischung aus (An)Gespanntheit und Vorfreude umschreiben konnte. Bevor es jedoch losging, sorgte die Vorband Darkness Falls mit ihrer Mischung aus sphärischen und düsteren Surfrock-Tunes für eher verhaltene Reaktionen. Erst gegen Ende des Sets hin wurde das Publikum einigermaßen warm mit den Däninnen, die an diesem Abend wohl nur wenige auf dem Plan hatten.




Kurz nach 22 Uhr war es dann soweit: Ohne viel Tamtam legten die Shins mit “Kissing The Lipless” los und ernteten erwartungsgemäß kräftigen Applaus, der die Lethargie der Vorband schnell vergessen lässt. Von Euphorie war jedoch eher nicht zu sprechen, große Teile des Publikums standen über weite Strecken hinweg wie angewurzelt im Saal. Lediglich bei den allseits bekannten und beliebten Perlen wie „Caring Is Creepy” ziemten sich einige, die Glieder ein wenig zu bewegen. Auch Mercer war nicht unbedingt die größte Labertasche; ab und an traute er sich dann doch ins Mikrofon zu flüstern, wie seine Band heißt, und wie schön der Abend denn sei. Bei den Shins bedarf es aber auch gar nicht vieler Worte, die Songs sprachen bereits selbst eine deutliche Sprache. Die neuen Tracks, allen voran natürlich der gefeierte “Simple Song“, gliederten sich fantastisch in das bisherige Œuvre der Band ein und die Angst, nur Lieder vom neuen Album zu hören, verpuffte schnell. Kaum ein Hit wurde bei dieser grandiosen Setlist ausgelassen. Die Band selbst wirkte dabei streckenweise etwas unsicher, obwohl sie ihre Arbeit einwandfrei verrichtete. Das ist dann wohl der Nachteil, wenn man als Musiker wechselnde Bandgefüge beschäftigt. Trotz der fehlenden Kommunikation auf der Bühne bekamen die Shins die Reaktionen, die ihnen zustanden: Wohin man auch schaute, glückliche und strahlende Gesichter. Und darauf kommt es doch letztenendes an.

Text & Fotos: Danilo Rößger