The Spinto Band ist zunächst mal eines: außergewöhnlich. “Nice And Nicely Done” ist streng genommen das siebte Album der sechsköpfigen Band aus Delaware/North Carolina, wobei die sechs vorigen Werke auf Selfmade-Basis den Weg in die Plattensammlung von Schulfreunden und Bekannten oder eine kleine Fangemeinde via Internet fanden. Die gerade mal Anfang 20jährigen Spintos haben einen kreativen Output, bei dem einem schwindelig wird und mit dem vorliegenden Album endlich auch eine Labelheimat gefunden. In England hat sich die Spinto Band mit ihren wilden Shows nicht nur bereits eine ausgezeichnete Live-Reputation erspielt. Die dortige Musikpresse überschlägt sich zurzeit auch vor Entzücken angesichts der ersten Spinto-Veröffentlichung in Großbritannien, der 7″ “Mountains/Brown Boxes”. Sogar die Arctic Monkeys lieben die Spinto Band, und zwar so sehr, dass sie im März gemeinsam auf US-Tour gehen. Hier also einige Fakten zu dieser höchst spannenden Band:

Die Spinto Band besteht aus Nick Krill (Gesang/Gitarre), Jon Eaton (Gitarre), Thomas Hughes (Gesang/Bass), Jeff Hobson (Schlagzeug) und Sam Hughes (Keyboard). Sicher ist, dass die beiden mit dem gleichen Nachnamen Brüder sind. Doch was die Zusatzinformationen (jeweils in Klammern zu finden) betrifft, sind diese lediglich als Richtwert zu betrachten. Denn die Spinto Band steckt voller Überraschungen und manchmal ist nichts so, wie es scheint.

The Spinto Band wurde 1997 in Delaware von damals sechs Teenagern gegründet: “Als wir die Band gegründet haben, konnten wir kein einziges Instrument spielen,” erinnert sich Nick. “Am Anfang haben wir uns mehr darauf konzentriert, Cover zu malen, Album-Titel zu erfinden und Kurzfilme zu drehen. Erst dann lernten wir, wie man Musik macht. Wir waren Freunde, die auch ihren Club und ihr Baumhaus hatten, nur dass unser Baumhaus ein Keller war und es dort einen Vierspur-Rekorder gab.” “Ursprünglich waren wir alle in der Band, außer Nick,” erklärt Joe. “Wir sind zusammen aufgewachsen und hatten gerade angefangen, gemeinsam Musik zu machen, als Nick plötzlich zu uns stieß. Er gab uns alte Texte von seinem Großvater Roy Spinto, und wir begannen sie als Songs zu spielen, bis wir irgendwann anfingen, unser eigenes Material zu schreiben.” So wurde Roy Spinto unabsichtlich zu einer kontroversen Figur in der Geschichte der Band. Einige glauben, dass sämtliche Songs der Band aus seiner Feder stammen, andere hingegen bezweifeln gar seine Existenz – dabei gab es Roy Spinto tatsächlich. “Auf jeden Fall waren einige seiner Texte noch erhalten,” beharrt sein Enkel Nick. “In unseren alten Vierspur-Tagen haben wir tatsächlich seine Songs gespielt. Aber davon sind wir sehr schnell abgekommen, um unsere eigenen Texte zu schreiben.”

Und so kam es, dass die Spinto Band viele, viele Songs schrieb – Material für ungefähr sieben Alben, die sie an Freunde und über das Internet verkauften, während sie noch die High School-Bänke drückten. “Immer wenn wir dreißig Songs fertig hatten, veröffentlichten wir eine Platte,” sagt Thomas. “Wenn wir unsere alten Platten heute wieder hören, klingen viele zwar etwas amateurhaft, andere klingen aber auch sehr gut. Einige davon werden wir als B-Seiten verwenden. Das wird sicher lustig.”

Im Sommer 2001 beendeten alle sechs Spintos die High School und ließen ihre Vierspur-Experimente hinter sich, um ihr erstes richtiges Album “Nice And Nicely Done” aufzunehmen. “Ein Großteil der Platte haben wir in der Zeit zwischen dem High School-Abschlussball und dem College geschrieben,” erklärt Nick. “In dieser Zeit waren wir auf verschiedenen Schulen, deshalb gibt es auf der Platte ein Stück, das vier Jahre alt ist und zwei, die drei Jahre alt sind. Den Rest haben wir dann vor zwei Jahren aufgenommen. Wir hatten immer nur ein paar Wochen im Sommer Zeit, in denen wir uns alle gesehen haben.” Mit der Hilfe von Jons Onkel Robin Eaton, der das Album gemeinsam mit seinem Freund Lij produziert hat, nahm die Spinto Band in dessen Studio in Nashville ihre Platte in jährlichen Sessions auf. “Wir sind immer in den Ferien hingefahren. Von Delaware nach Nashville ist man zwölf Stunden unterwegs, so dass sich die Aufnahmen jedes Mal als ziemlich aufwändige Sache darstellten,” erklärt Jon. “Wir haben auf dem Boden des Studios geschlafen, manchmal nur für drei Tage, ab und zu aber auch einen ganzen Monat.”

Trotz der großen zeitlichen Abstände, in denen “Nice And Nicely Done” aufgenommen wurde, klingt das Album wie aus einem Guss. Das liegt wahrscheinlich an der ganz eigenen Art, wie die Spinto Band Musikmachen versteht: unprätentiös auf der einen, mit ziemlich viel Spaß auf der anderen Seite. “Die Aufnahmen zu dieser Platte waren aber dennoch kein Zuckerschlecken,” erinnert sich Jon. “Trotzdem war der Entstehungsprozess dieses Albums eine wichtige Erfahrung für uns. Wir wollten ja nicht einfach eine Platte machen und auf Tour gehen, sondern auch professionell arbeiten. Wir wollten dieses Stadium der ewigen Proberei im Übungsraum endlich hinter uns lassen.” “Genau,” fügt Nick hinzu. “Nach vier Jahren hatten wir festgestellt, dass wir nun genug Material haben, um ein Album herauszubringen, also haben wir einfach losgelegt.”

“Nice And Nicely Done” vereint strahlenden Pop mit der Sensibilität von Art Rock, gewürzt mit einer großen Portion Humor, deutlich zu hören im bittersüßen Eröffnungssong “Did I Tell You” und dem eleganten “Oh Mandy”, einem Song von herzzerreißender Schönheit. Noch andere Juwelen finden sich auf diesem warm und rund klingenden Album, wie zum Beispiel “Crack The Whip”, das sich anhört, als hätten die Flaming Lips die Disco für sich entdeckt, oder “Late”, ein Hit über Leben und Lieben in der Jetztzeit, betrachtet aus der Perspektive eines übernächtigten Augenpaars. Die Single “Mountains” ist dagegen eine herrliche, einzigartige Tanznummer: trotzig und individualistisch, aber auch voller Charme und Hoffnung.

“Nice And Nicely Done” ist mal wieder eines dieser Alben, auf die sich langes Warten gelohnt hat. Und es gibt noch mehr gute Nachrichten aus dem Spinto-Lager: Auch die letzten beiden Spintos haben im vergangenen Sommer das College beendet, so dass sich die Band nun ganz und gar ihrer Musik widmen kann. Die rosige Zukunft der Spinto Band verspricht also nicht nur viele ihrer fulminanten Live-Shows, sondern auch weitere Platten mit der derzeit herzerwärmendsten Musik dies- und jenseits des Äquators.