Mit ‘Elefunk’ schafften die Black Eyed Peas nicht nur den internationalen Durchbruch, sondern brachten auch gleich noch eine wahre Musikerlegende zurück ins Rampenlicht. Das Piano bei ‘Sexy’ spielte nämlich Sergio Mendes, der seine erste Platte 1961 veröffentlicht hat.

Danach kam eigentlich jedes Jahr mindestens eine neue Scheibe von dem brasilianischen Bandleader heraus, bis schließlich sein Output in den Achtzigerjahren schrittweise weniger wurde. “Ich habe natürlich trotzdem gearbeitet und war mit meiner Band ständig auf Tour, um auf der ganzen Welt Konzerte zu geben. Aber eine Platte hatte ich schon lange nicht mehr aufgenommen. Ich hatte einfach keinen Antrieb mehr, weil ich ja bereits über 30 Alben eingespielt hatte. Aber als Will.i.am von den Black Eyed Peas mich dann zuhause besuchte und erzählte, dass er meine alten Sachen sehr mag, war ich sofort bereit, mit ihm zu arbeiten.”

Für ‘Sexy’ wollte Will vor allem das Stück ‘Insensatez’ nutzen, das Sergio Mendes das erste Mal vor über 40 Jahren aufgenommen hatte. Als Dankeschön für die Mitwirkung bauten die Black Eyed Peas sogar einen Reim über den Meister ein: “I put L-O-V-E in you. I love puttin’ me in you./ Make love to you just like Sergio Mendes plays the piano!” Die Zusammenarbeit war dabei auch für Sergio Mendes so inspirierend, dass ihm nur ein einziger gemeinsamer Song eigentlich zu wenig war. “Da mir die Arbeit daran sehr viel Freude bereit hat, fragte ich ihn, ob wir nicht ein ganzes Album zusammen machen könnten. Ich wollte einfach diese großartigen Melodien aus Brasilien einer neuen Generation näher bringen. Die Idee gefiel ihm, so dass wir gemeinsam das Album ‘Timeless’ aufgenommen haben.”

Dabei brachten sich Beide jeweils mit ihrem Background ein. Sergio Mendes wollte den brasilianischen Ursprung dadurch betonen, dass er seine Bandmitglieder zum Teil von dort rekrutierte, bei ‘Berimbau/Consolacao’ seine Frau Gracinha Leoprace in der Sprache seines Geburtslandes singen ließ und außerdem noch den Rapper Marcelo D2 ins Boot holte. Will kümmerte sich derweil darum, unzählige weitere Kollegen ins Studio zu lotsen, darunter natürlich seine restlichen BEP-Mitglieder Taboo, Apl.de.ap und Fergie, aber auch seinen alten Tanzkumpel Justin Timberlake, Black Thought von The Roots, Stevie Wonder, John Legend, Q-Tip von A Tribe Called Quest und Reggaesänger Mr. Vegas. Mit Erykah Badu nahm er sich den Klassiker ‘Slow Hot Wind’ vor, benannte ihn in ‘That Heat’ um und drehte dazu ein Video als Anheizer für das Album. Doch Sergio Mendes wollte nicht nur alte Sachen im neuen Gewand präsentieren, sondern das kreative Potenzial nutzen und neue Stücke schreiben. Zu denen gehört beispielsweise der Titeltrack, in dem Sängerin India.arie klarstellt, dass gerade in der materialistischen Ellenbogengesellschaft ein bisschen Freundlichkeit gefragt ist: “Kindness is timeless. Love is so easy to give./ It just takes a moment to show somebody you care!”

Obwohl er sich selber nie in den Prozess des Textens eingemischt hat, ist Sergio Mendes sehr erfreut darüber, dass India.arie solche positiven Botschaften vermittelt. “Ich finde, dass sie da einen sehr schönen Text verfasst hat. Ich kümmere mich ansonsten aber nur um die Musik. Gut gefiel mir auch die Idee des Grafikers, für das Cover ein altes Foto von mir zu nehmen. Damals muss ich so um die 21 Jahre alt gewesen sein.” Das Bild greift dabei das Artwork von ‘The Swinger From Rio’ auf, das Sergio Mendes 1965 veröffentlicht hat. Allerdings wurden hier diesmal auch Anspielungen auf moderne Graffiti-Kunst mit herunter laufenden Farbtropfen eingebaut. So wird auch optisch die Verbindung von damals zu heute geschlagen, wie es schon in der Musik der Fall ist. Dabei weiß Sergio Mendes übrigens nicht, welche Versionen ihm besser gefallen. “Ich denke, die Leute sollten sich sowohl die Originale als auch die neuen Varianten anhören, um sich ein eigenes Urteil zu bilden.”

Text: Holger Köhler