Kaum trifft man seine alten Freunde wieder, schon schwelgt man in Erinnerungen an die Zeit, als man noch im Hotel Mama wohnte, als man noch zur Schule ging und als man das erste Mal verliebt war. Das französische Trio The Teenagers widmet sich auf ihrem Debütalbum “Reality Check” der Zeit, von der wohl fast jeder gerne schwärmt: Von der eigenen Jugend.

 The Teenagers – Starlett Johansson

Nicole Ritchie wird sich freuen, Scarlett Johansson kann sich geschmeichelt fühlen. Die beiden Damen aus der kunterbunten Welt des Medien-Gossips haben es auf das Debütalbum der französischen Band The Teenagers geschafft, wenn auch nur als Objekte der Begierde. Die drei Mittzwanziger Quentin Delafon, Dorian Dumont und Michael Spziner geben sich in den zwölf Songs auf “Reality Check” den feuchten Teenager-Träumen dieser Welt hin – mal mit Schmetterlingen im Bauch, wenn es um die eben genannte Scarlett Johansson im Song “Starlett Johannson” geht, mal ein bisschen triebgesteuerter im Song “Fuck Nicole”, den sie in aller Deutlichkeit Madame Ritchie gewidmet haben.

Ganz Ernst ist das natürlich nicht gemeint. Es geht darum, das Lebensgefühl der männlichen Teenager-Zeit einzufangen. Und dabei darf es textlich ruhig auch ein bisschen plakativ zugehen. Tiefgehende Reflektion ist ja auch nicht unbedingt das, was einen jungen Mann in den Lebensjahren 14-19 ausmacht, findet Chef-The-Teenager Quentin Delafon: “Ich finde Scarlett Johansson hübsch, aber ich bin jetzt als 25-jähriger Mann nicht in sie verliebt. Vor zehn Jahren wäre ich aber bestimmt in sie verliebt gewesen. Sie ist so sexy! Sie ist genau so, wie man sich als Teenager eine Frau vorstellt, mit der man Sex haben will.”

The Teenagers spielen also den männlichen Teenager und legen dabei einen prima Mummenschanz hin. Der Indie-Pop samt verzerrter Gitarren und 80er-Jahre-Synthies kommt bisher vor allem in ihrer Wahlheimat London gut an. In der Pop-Metropole gelingt den drei Franzosen das, was dort wohl eine ziemliche Seltenheit geworden ist: Sie gelten als ziemliche Exoten. “Wir gelten hier als totale Exoten. Alle wollen immer, dass wir was sagen, weil unser Englisch mit französischem Einschlag ein bisschen verrucht klingt“, verrät Quentin.

Zu Hause in Frankreich hält sich der Bekanntheitsgrad eher in Grenzen. Dort gilt es immer noch als eine Art Todsünde, wenn man nicht in der französischen Langue de l’Amour, sondern auf Englisch singt. Die Quotenregelung im französischen Radio sorgt für keinerlei Airplay: “Wir singen auf Englisch, daher gelten wie in Frankreich als Briten. Im Radio finden wir nicht statt”, verrät Quentin und schiebt hinterher: “aber als Brite zu gelten, ist ja auch nicht das schlechteste.”

“Alles in “La Boum” ist so auf den Punkt. Kaum ein Film hat das Heranwachsen besser dargestellt.”

Mit ihrem verruchten Akzent verstehen es The Teenagers beinahe perfekt, Kitsch sexy zu machen und Sex zu verkitschen. Unweigerlich erinnern sie einen dabei an die Blaupause des europäischen Teenie-Films, an “La Boum”. Kein Wunder, den Film habe er früher verschlungen, gesteht Quentin und gerät dabei ins Schwärmen: “Alles in “La Boum” ist so auf den Punkt. Kaum ein Film hat das Heranwachsen besser dargestellt.” Ob The Teenagers denn so gesehen die musikalische Variante von “La Boum” seien, will ich von Quentin wissen und es schießt aus ihm heraus: “Nein. Wir sind eher die musikalische Variante von “Beverly Hills 90210″. Das habe ich sehr gerne mit meinen Freunden früher geschaut. Jugend wird dort so überbetont dargestellt. Das ist einerseits total steril und unwirklich, aber andererseits auch zum Totlachen, oder?”

Ja, allerdings. Das sind The Teenagers samt ihrem Debüt allerdings auch. Wenn auch auf weit gelungenere Art und Weise.

Text: Heiko Reusch