Vom DJ-Team und Möbelhändler zum idealistischen und angesagten Musikprojekt: The Very Best im Interview.

The Very Best bestehen aus dem DJ-Duo Radioclit (Johan und Etienne) und dem aus Malawi stammenden Esau. 2007 lernten sie sich in London kennen, setzten sich prompt ins Studio und merkten: Wir sind The Very Best. Bisher haben sie mit M.I.A. und Ezra Koenig von Vampire Weekend kollaboriert. Diese werden auch auf dem Debüt “Warm Heart Of Africa” zu hören sein, welches im Herbst erscheint. Ihre Musik vereint den europäischen HighLife-Jungle-Stil von Radioclit und die afrikanischen Klänge von Esau.
motor.de traf Johan und Esau überraschend fit und gut gelaunt um 10 Uhr morgens in Berlin.

motor.de: Johan, du und Etienne wart vor der Gründung von The Very Best als das DJ-Duo Radioclit bekannt. Wie kam es zu einer Kooperation mit Esau?

Johan: Wir haben in London zufällig in der gleichen Straße gewohnt. Esau hatte dort einen Möbelladen und irgendwann auf einer Party sind wir in Kontakt getreten. Man könnte sagen, es war die perfekte Zeit. Etienne und ich haben damals gerade angefangen, Arfican-Beats in unsere Musik zu integrieren und suchten einen Sänger.

motor.de: Da hat Esau sofort reingepasst?

Johan: Nun ja, anfangs war ich skeptisch, da er zuvor vor allem Erfahrungen mit Drums hatte, aber als wir die ersten gesanglichen Aufnahmen machten, überzeugte er mich. Bei mir trat so eine Art magisches Gefühl auf – es war beeindruckend.
Esau: Ich wollte eh schon immer in einer richtigen Band spielen. Deswegen glaube ich, alles passierte aus einem Grund. Dass Etienne und ich uns gerade dann getroffen haben. Es hätte uns nichts Besseres passieren können.

motor.de: Und wie war für dich der Wechsel vom Kirchenmusiker in eine Band?

Esau: Für mich sind das zwei sehr unterschiedliche Dinge. Als ich mit Johan und Etienne The Very Best gründete und musizierte, war das etwas ganz anderes. Das Empfinden, in einer Band zu spielen, unterscheidet sich natürlich sehr von dem, in der Kirche aufzutreten. Zuvor hatte ich ja auch noch nie in einer Band gespielt, so war es eine gute Entwicklung.

motor.de: Du singst in der Bantusprache Chichewa. Hilft es dir, dein Land in eure Musik zu resozialisieren? Ebenso könntest du ja auf Englisch singen.

Esau: Ich singe in Chichewa, weil ich aus Malawi komme und stolz darauf bin. Das ist meine Heimat. Außerdem tut es gut, in der eigenen Sprache zu singen.

motor.de: Es passt ja auch insgesamt mehr zu The Very Best mit den afrikanischen Klängen.

Johan: Ja, das ist es. Wir haben auch schon Songs auf Englisch produziert, weil das nun mal viele verstehen, dabei ging aber der Soul verloren – es hat nicht zu den Beats gepasst und wir waren damit nicht so zufrieden, wie wenn Esau in Chichewa singt. Wir protegieren Chichewa.
Esau: Die Leute sollen einfach wissen: Das ist Esau – er ist aus Malawi.

motor.de: Man muss also nicht explizit verstehen, was gesungen wird?

Johan: Exakt. Die Musik von The Very Best soll im Vordergrund glücklich machen und das Gute hervorholen. Als Kind haben wir schließlich auch mal das ein oder andere Lied gehört, bei dem die Lyrics unklar und unverständlich waren. Trotzdem dachten wir: Geil! Das mag ich.

motor.de: Ja, ich war früher auch verrückt nach Pet Shop Boys mit „Always On My Mind“ und wusste nicht genau, was sie darin singen…

(beide lachen) Johan: Genau das meine ich. Es muss nicht immer um die Lyrics und das Verständnis gehen. Hauptsache dir gefällt der Sound.



“Wir machen Musik, um Menschen glücklich zu machen, nicht um über Politik zu diskutieren.”

motor.de: Auf eine Zeile muss ich dennoch zu sprechen kommen. “People are only going to come together/If we love one another/If we could achieve that/Then everything else would be no problem.” Ist dies das Ziel eurer Musik?

Esau: Ja, natürlich. Wir wollen, dass die Menschen glücklich sind. Freude am Leben haben. Unsere Songs sollen ihnen dabei helfen und den Optimismus wecken.
Johan: Weißt du, vor kurzer Zeit hatte ich ein Interview, bei dem man mit mir über Politik diskutieren wollte. Ich diskutiere auf der einen Seite gerne über politische Themen, auf der anderen Seite nerven mich aber sinnlose Diskussionen, bei denen man diese negative Einstellung hat. Wir wollen das Gute sehen und lächelnd, glücklich durch die Straßen laufen.

motor.de: Trotz jeglichem Optimismus, weiß aber jeder von uns, wie stark AIDS in Afrika verbreitet ist und dass viele Menschen sterben…

Esau: Stimmt. Und die Menschen in Afrika wissen es ebenfalls, laufen aber fröhlich durch die Stadt – sogar die ärmsten Menschen. Sie tanzen und machen Musik voller Esprit- Vielleicht können wir mit unser Musik diesen Esprit hier auch erwecken.

Interview: Franzi Finkenstein

The Very Bests Debüt “Warm Heart Of Africa” erscheint am 25.09 unter Green Owl.

The Very Best – Kamphopo