Those Dancing Days’ Keyboarderin Lisa und Bassistin Mimmi sprachen beim Leipziger Prolog-Festival über ihr neues Album, Britney Spears und einen Musikgeschmack, den man Anfangzwanzigern nicht unbedingt zutrauen würde.

Kaum hatten sie die Schule beendet, schickten Those Dancing Days sich an, mit wunderbar unbeschwerten Pop-Hymnen die Bühnen dieser Welt zu erobern – mit stetig wachsendem Erfolg. Höchste Zeit, die Newcomer aus Schweden etwas näher kennen zu lernen.

motor.de: Seitdem ihr euer Debüt veröffentlicht habt, seid ihr ziemlich viel unterwegs. Was war eure bisher interessanteste Erfahrung auf Tour?

Mimmi: Das Touren an sich ist sehr interessant. Am meisten Spaß macht es, Leute zu treffen, zu denen man aufsieht. Wir haben uns mit dem Bassisten von Blondie angefreundet – eine sehr interessante Persönlichkeit. Wir haben auch die Babyshambles und viele andere große Bands getroffen – das ist einfach toll.
Lisa: Oft passieren auch ziemlich merkwürdige Sachen. Ich erinnere mich noch, als wir eine Panne mit dem Tourbus hatten.
Mimmi: Wir hatten einen Platten auf der Autobahn und unser Soundtechniker und unser Tourmanager mussten den Reifen am Fahrstreifen der Autobahn wechseln. Irgendwas geht immer schief – man weiß nie, was einen erwartet.

motor.de: Ist es nicht manchmal anstrengend, als fünf Mädchen unterwegs zu sein?

Lisa: Es ist grundsätzlich anstrengend, zu fünft unterwegs zu sein.
Mimmi: Touren ist schon ziemlich anstrengend. Wir hängen den ganzen Tag zusammen herum, wir schlafen im selben Raum, wir essen miteinander, gehen meist zur selben Zeit ins Bett und liegen manchmal fast aufeinander. Wenn alles gut organisiert ist, alles reibungslos funktioniert und das Essen schmeckt, dann bedeutet das natürlich weniger Stress für uns. Ansonsten kann es auch mal passieren, dass wir genervt sind und das an den andern Bandmitgliedern auslassen. Aber das geht wohl jedem mal so. Ich denke, insgesamt gehen wir sehr höflich miteinander um.

motor.de: Woher kennt ihr euch?

Lisa: Unsere Gitarristin Rebecka und ich sind seit unserer Kindheit befreundet, genauso wie Rebecka und Cissi, unsere Schlagzeugerin, die sich bereits im Kindergarten kennen gelernt haben. Und Cissi und ich kennen uns aus der Kirche.
Mimmi: (dazwischen): Das hört sich schlimmer an als es ist.
Lisa: Irgendwann haben Cissi und ich dann angefangen, miteinander Musik zu machen.
Mimmi: Linnea und ich kannten uns schon aus der Schule und als die anderen die Band starteten, haben wir uns angeschlossen.
Lisa: Ich denke, das lief alles ziemlich perfekt.

motor.de: 2007 wart ihr bei den MTV Europe Music Awards als Best Swedish Act nominiert, ohne bis dahin ein Album oder eine Single veröffentlicht zu haben.

Lisa: Das war schon ziemlich verrückt. Wir waren gerade erst mit der Band am Anfang und fragten uns: „Was ist denn das jetzt?
Mimmi: Man konnte dafür im Internet abstimmen. Wir hatten wohl viele Freunde. Letzten Endes haben wir es dann aber doch nicht unter die besten Drei geschafft, so dass wir nicht hingehen konnten. In diesem Jahr waren wir auch als beste Band bei Schwedens größter Award-Show nominiert. Sie wird veranstaltet von P3, dem größten schwedischen Radiosender. Wir haben zwar nicht gewonnen, dafür aber Johnossi, mit denen wir sehr gut befreundet sind. Das hat uns natürlich auch sehr gefreut.

Those Dancing Days – Those Dancing Days

motor.de: Könnt ihr mir etwas über euer Vorgehen beim Songschreiben erzählen?

Lisa: Wir sind momentan dabei, an neuen Songs zu schreiben. Anfangs war es etwas frustrierend, fast so, als hätte man vergessen, wie man das macht. Aber dann haben wir einfach angefangen zu jammen. Eine von uns beginnt meist, etwas auf ihrem Instrument zu spielen und die Anderen stimmen dann ein. Jeder hat seinen Platz im Songwriting. Ich denke, es ist wichtig, sich als Teil des ganzen Prozesses zu fühlen.
Mimmi: Wir schreiben die Lyrics am liebsten zu Hause, ohne daran zu denken, dass daraus später mal ein Song werden soll. Wenn wir dann Musik haben, können wir sehen, welche Lyrics am besten zu den Emotionen passen, die die Musik transportiert. Und genau da sind wir im Moment.
Lisa: Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir haben noch nicht mal mit den Aufnahmen angefangen. Aber was wir tun, fühlt sich gut an, wir sind auf dem Weg. Man sagt, das zweite Album ist das Schwerste, aber wir legen einfach los, obwohl der Druck natürlich schon da ist.
Mimmi: Unser zweites Album wird ganz anders klingen als das erste. Ich denke, es wird besser.
Lisa: Das denke ich auch.
Mimmi: Mittlerweile wissen wir, was wir tun, aber beim ersten Album hatten wir keine Ahnung.

motor.de: Momentan gehen sehr viele Bands in Richtung elektronische, von den Achtzigern beeinflusste Musik. Habt ihr euch bewusst überlegt, anders zu klingen?

Lisa: Unser Sound entsteht einfach. Wir versuchen nicht, wie etwas Bestimmtes zu klingen. Wir machen nur unsere Musik und freuen uns über das Ergebnis. Wir haben keine Richtlinie.
Mimmi: Wir werden nicht so sehr von aktueller Musik beeinflusst. Eigentlich hören wir nur alte Sachen.

motor.de: Zum Beispiel?

Lisa: Meine momentane Lieblingsplatte ist “A Beard of Stars” von Tyrannosaurus Rex.
Mimmi: Ich hab im Moment eine Country-Phase. Ich höre ziemlich viel Gram Parsons.
Lisa: Ich mag psychedelische Musik. Ich liebe den Keyboarder von The Doors. Er ist der Beste! (Beginnt, auf einem imaginären Keyboard zu spielen.)

Those Dancing Days – Run Run


motor.de: Zu welchem Film hättet ihr gern den Soundtrack geschrieben?

Mimmi: Vielleicht so etwas wie „Alice im Wunderland“.
Lisa: Das würde sehr gut zu uns passen. Es ist eine ziemlich merkwürdige Geschichte.
Mimmi: Interessant wäre auch ein Soundtrack zu einem Film, der zu einem späteren Zeitpunkt über die Ära, in der wir jetzt leben, berichtet, nach dem Motto: „Als wir jung waren…

motor.de: Was meint ihr denn, welche Musik oder Band später wohl als bezeichnend für die ’00’er Jahre gesehen wird?

Mimmi: Hoffentlich die Strokes. Und ich denke, Coldplay werden noch eine ganze Weile dabei sein.
Lisa: Ja, vielleicht werden sie die neuen U2. Ansonsten die Babyshambles und The Libertines. Oder vielleicht HipHop.
Mimmi: Und ich hoffe, dass Britney Spears auch dazu gehören wird. Hoffentlich kommt sie wieder auf die Beine. Ich möchte sie gern mal live sehen. Ich weiß, es ist merkwürdig, aber ich mag Britney Spears wirklich. Sie ist so weit entfernt von dem, was wir tun, aber ich mag die Idee von ihr – sie ist ein Spaßprodukt. Letztens habe ich sogar geträumt, dass ich Britney auf der Straße begegne. Ich habe ihr gewunken, aber sie ist einfach nur an mir vorbei gelaufen.



motor.de: Ein paar von euch sind erst im letzten Jahr mit der Schule fertig geworden. Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wollt ihr arbeiten gehen, studieren, oder mit der Musik weiter machen?

Mimmi: Wir alle wollen später mal studieren. Aber wir sind noch so jung und im Moment fühlen wir uns, als könnten wir machen, was immer wir wollen. Wir werden immer noch jung sein, wenn wir uns irgendwann dazu entschließen, zur Uni zu gehen.
Lisa: Der Plan ist, ein neues Album zu machen, zu touren und größer zu werden, oder auf diesem Level zu bleiben, denn das ist auch toll. Wir wollen einfach weiterhin Musik machen, so lange es den Leuten und uns gefällt. Bisher ist es das Beste, was wir tun können.

Interview: Sarah Schaefer

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