Schon irgendwie komisch, wenn eine Band, die die Drei im Namen trägt, sich an ein Albumkonzept wagt, das als Tetralogie angelegt ist. Aber es gibt nun mal vier Elemente auf diesem Planeten – und wenn man die in einem musikalischen Zyklus verarbeiten will, muss man auch als Thrice mal fünf gerade sein lassen (das ist mal Höhere Mathematik!).
Die vier Post-Hardcore-Alchemisten aus Irvine legen nun, zwei Jahre nach dem grandiosen “Vheissu“, ihren nächsten kreativen Erguss, “The Alchemy Index Vols. I & II – Fire & Water“, vor – und der kommt als bunter chemischer Garten daher.

Die Idee, vier EPs zu den vier klassischen Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft zu machen und jeweils zwei davon zu einem Album zusammenzupacken, kam mir irgendwann im Halbschlaf“, erklärt Goldkehlchen Dustin Kensrue die Strategie und fügt selbstbewusst hinzu: “Mir sind nur wenige Bands eingefallen, die so ein Konzept umsetzen können – und eine davon waren wir.
Lauscht man nun dem ersten Trunk aus “Fire” und “Water” (die Gegenstücke “Earth & Air” folgen in etwa einem halben Jahr), erkennt man relativ zügig, warum Kensrue nur wenigen Bands etwas Derartiges zutraut, denn die musikalische Bandbreite und Achterbahnfahrt, die Thrice allein bei der Feuer-Wasser-Paarung offenbaren, reißt einem die Kinnlade Richtung Geozentrum. “Wir haben uns lange überlegt, welche Elemente wir zusammen auf ein Album nehmen. ‘Fire’ sollte dabei unbedingt am Anfang stehen, da es den älteren Fans sicherlich am vertrautesten ist. Das ganze Projekt ist schon bizarr genug – ohne dass wir es allerdings darauf angelegt hätten. ‘Earth’ ist am weitesten von allem entfernt, was wir je mit Thrice gemacht haben, daher haben wir es mit ‘Air’ gruppiert, da Luft das mannigfaltigste der Elemente ist.” Hört sich kompliziert an – ist es auch. Gibt sich der feurige Part der Element-Saga nämlich tatsächlich als altbewährt heiße Thrice-Kost und fackelt mit dem abschließenden “The Flame Deluge” die Haarzellen nieder, ist “Water” auf den ersten Lauscher ein unzugänglicher, nahezu unerschließbarer Ozean musikalischer Möglichkeiten, der mitunter sogar in sphärische Chillout-Untiefen vordringt und einen guten Soundtrack für “Deep Blue Sea” abgegeben hätte. “Ich selbst mag am liebsten solche Alben, die du überhaupt nicht kapierst, wenn du sie dir zum ersten Mal anhörst. Viele davon gehören zu meinen Lieblingsalben, weil sie einfach viel länger wirken. Wie zum Beispiel ‘Kid A’ von Radiohead – zuerst konnte ich damit überhaupt nichts anfangen, aber jetzt liebe ich dieses Album“, wirft Kensrue ein zunderhaltiges Stichwort in die Flammen – schließlich erinnert “Water” nicht selten an die großen Radioköpfe aus Great Britain. Dass dies allerdings alles andere als nachteilig ist, gebietet das allgemeine Musikverständnis.

Mit “The Alchemy Index Vols. I & II – Fire & Water” haben Thrice eine weitere Sprosse auf der Leiter zur musikalischen Unsterblichkeit erklommen – und entfachen brennende Neugier auf den zweiten Streich “Earth & Air“. Dass dabei ein ätzender Sandsturm entstehen könnte, glauben wohl nur die, die nicht bis drei zählen können.

Text: Benjamin Foitzik