Es muss heiß in Barcelona sein, denn als ich Hollie Fullbrook von Tiny Ruins erreiche, ist sie in der dunkelsten Ecke ihres Hotelzimmers und wartet auf den Abend, um mit ihren Bandmates die Stadt zu erkunden. Ich rate ihr dazu, einen 5€ Schein in den Händen zu halten, wenn sie durch die Touri-Gegenden trottet, die mit Taschendieben nur so voll sind. Dann lassen sie dir wenigstens dein Iphone. Wann habt ihr eigentlich das letzte Mal mit eurer besten Freundin geskyped? Jedenfalls fühlt es sich so an, als hätte ich dieses Gespräch über Jungs, Freundschaft und Liebesbriefe an Paul McCartney mit Hollie gehabt – und ihre Musik ist irgendwie auch nur für dich. 

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Hallo Hollie – Ich hab viel Zeit mit deiner Musik verbracht und ich kann garnicht anders, als zu fragen, was alle Folksänger mit dem Meer am Hut haben?

Das stimmt – die meisten Songs werden vom Meer inspiriert, es gibt und nimmt und unsere Urängste werden in der unbekannten Tiefe des Meeres widerspiegelt. Und das Meer ist eben eine Metapher für unser Unterbewusstsein. Meistens versuchen wir Singer-Songwriter, unseren Alltag in unsere Musik einfließen zu lassen und für mich fand er eben am Meer in Neuseeland statt, da sind Surfen, die Natur und das Meer deine Inspirationsquelle.

Wie stehst du zu Berlin als Kreativfabrik?

Ich verbrachte 2 Jahre in Berlin und hab mit meinem Freund auf der Straße Musik gemacht, weil wir gar kein Geld hatten und dabei ein Album aufgenommen. Wir touren gerne durch Europa, aber in Berlin kann man ruhig etwas länger bleiben – es gibt dir sehr viel Input, den du für die Produktion verwenden kannst.

Ich bin damals mit 16 zehn Stunden Zug gefahren, um Radiohead auf dem Frequency Festival zu sehen, hab jedem ein Portrait gezeichnet und war überglücklich, diesen A4 Umschlag auf die Bühne werfen zu können – was war dein komischster Fangirlmoment und an wen ging deine Liebe?

Tatsächlich hab ich als Achtjährige einen unglaublich langen Liebesbrief an Paul McCartney verfasst, obwohl kein Kind Anfang der 90er Beatles hörte – aber ich hab diesen Brief an ihn nie abgeschickt, weil ich zu große Angst hatte und bewahre ihn stattdessen immer noch verschlossen auf.

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Gibt es irgendwelche Tipps, die du einem angehenden Singer Songwirter mit auf den Weg geben kannst, damit man irgendwann vielleicht einen so großen Erfolg wie du verzeichnen kann?

Klar, es gibt einige Tipps, manche von ihnen werden nichts neues sein, aber ich kann dir einfach mal erzählen, wie es bei mir geklappt hat:

  1. Versuche so viel wie möglich zu spielen. Du wirst an schrecklichen, stinkenden Orten spielen, du wirst auf der Straße stehen und vielleicht auf Geburtstagen. Aber Spiel! Nur wer vor möglichst viel Publikum und verschiedenen Menschen spielt, lernt dazu.

  2. Halt deine Ohren und Augen offen, sei Aufmerksam. Nur so lernst du über dich und deine Musik und wirst besser.

  3. Überlege dir, wie du dir ein finanzielles Polster schaffst, um reisen zu können. Klar, kaum einer würde von sich sagen, dass er Musiker ist, um Geld zu verdienen, aber die Realität sieht nun mal anders aus und man braucht einen Plan.

  4. Verlass dich auf deine Intuition und behalte einen kühlen Kopf. Nicht jeder will einen unbedingt nur Gutes und in dieser Branche muss man auf dem Teppich bleiben und sich drei Mal überlegen, welches Angebot seriös ist und welches nicht.

Das wars erstmal von Hollie Fullbrook – wer jetzt gespannt auf die Dame ist, deren Band sogar von dem großen und unvergleichlichen David Lynch empfohlen wird, sollte heute Abend in den Grünen Salon und sie LIVE hören!