Die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit ist abhängig von endlich vielen Faktoren. Person A malt zu Walgesang, Person B spielt nackt am besten Klampfe und andere wiederum finden erst in Anwesenheit einer bestimmten Person zu sich selbst. Nachvollziehbar alle mal, hat doch jeder von uns Freunde oder Verwandte, in deren Gegenwart man einfach sich selbst ist. Sportfreunde Stiller Frontmann Peter Brugger alias TipTop Frontmann Beau Frost beschreibt es wie folgt: „Wenn ich und der Olli zusammentreffen, dann sind der Olli und ich halt wir. Da entsteht dann etwas besonderes, was toll ist.” Der Olli ist Olli Parton und in einer anderen Galaxie auch Bruder von Herrn Beau Frost. TipTop drücken es anders aus: „Uns haben wir im letzten Moment beim Kleinigkeiten shoppen kennengelernt und eine abstammungstechnische Kongruenz festgestellt, welche uns vor dem Herrn als Brüder ausweist.“

Klingt nach Alice im Wunderland aus Bayern, ist es auch. Ihr akkustischer Zeichentrick ist einfach, so einfach, dass es auch der größte Volldepp versteht. Davon zeugt auch der Videoclip von „TipTop“. In weißen Trainingsanzug à la Missy Elliott auf dicke Hose machend, hampeln die beiden in ihrem roten Ford Transit, dem Café Nirvana, durch das eigene Wohnzimmer und üben Tanzschritte, Tanzschritte aus der Frühbucher Saison auf Mallorca. Neben den beiden Bekloppten aalen sich noch mitreißende Cowgirls in goldenen Hotpants. Muss ja sein, wenn man die Erde in galaktischen Weiten umrundet.

Warum das ganze Herumgealbere? Die beiden Künstler feiern fernab von Erstband mit ihrem 2006er Debütwerk „TipTop“ die Wiedergeburt der eigenen musikalischen Autonomie. Spaß ist die Achse, um die sich alles Dreht, keine Erwartungserfüllerei. „Manch einer kann nicht verstehen, was ich da jetzt mache. Einige Einträge aus dem Gästebuch der Sportfreunde Stiller Seite deuten darauf hin,“ konstatiert Beau Frost fest. Soweit so gut. Leider nippt die fast einstündigen Diskodadaisten-Drehherei am Ende doch allzu sehr an der purer Debilität. Anfangs noch amüsante, an Michael Holm angelegte Schlagerlieder, Country-Stücke und Trio-Discopoper töten mit der Zeit auch den letzten Rest Hirn ab. Die Peripetie wird mit „Nana“ erreicht: Bei dem dazugehörigen Text, bestehend nur aus “Nananana”- und “Sususu”-Lauten, werfen selbst hartgesottene Spaßvögel das Handtuch.

So bleibt TipTop am Ende nur die bayrische Version von Doof und Doofer. Ach ja. Das Duo erkämpfte bei Stefan Raabs „Bundesvision Songcontest 2006“ mehr oder weniger erfolgreich den siebten Platz. „Da waren wir leider gezwungen, live zu singen. Aber uns schwebt eher Vollplayback vor, damit wir fette Moves performen können während wir singen.” So ist das also.

Hans Erdmann