Zoon Politikon – so nennt die antike griechische Philosophie den Menschen als politisch aktives, sozial verantwortliches Wesen. Und als ein eben solches könnte man auch Tom Morello, den Mann mit dem Steinobstklang im Namen, bezeichnen. Schließlich gibt sein Lebenslauf eine Blaupause für politisch korrektes Musikertum ab, die ihres gleichen sucht und wahrscheinlich nur in Bono findet.

Geboren als Sohn einer amerikanischen Aktivistin und eines kenianischen Revolutionäres hat Morello die Politik im Blut. Schon zu Schulzeiten fällt Morello durch sein kreatives und politisches Potential auf. So lies er sich zum Beispiel unter dem Namen Hubie Maxwell als Kandidat der Anarchisten für eine Scheinwahl seiner Highschool aufstellen und versuchte sich im Schultheater. Doch erst als er mit 16 seine erste Gitarre bekommt, beginnt sein Weg zu einem der 100 besten Gitarristen der Welt (Rolling Stone).

Nach der Schule studiert er Politikwissenschaften an der Eliteuni Harvard und verbringt seine Freizeit mit exzessiven Übungsstunden an der E-Gitarre. Es folgen ein Umzug nach Los Angeles, ein einjähriges Zwischenspiel namens ‘Lock Up‘ und 1991 die Gründung von Rage Against The Machine. Der Rest ist neuere Musikgeschichte. Millionenfach verkaufte Tonträger, zwei Grammys und vielfach bejubelte Tourneen durch die Hallen dieser Welt immer begleitet von politischen Aktionismus und dem unverbesserlichen Willen mit Musik auf die Probleme dieser Welt aufmerksam zu machen und für ihre Beseitigung zu kämpfen.

In seiner Zeit bei RATM erspielt sich Morello auch den Ruf als talentiertester E-Gitarrist unserer Tage, der selbst unter größter Bewegung noch sauber zu spielen vermag und immer neue Wege findet ungewöhnliche und einzigartige Töne aus seinem Instrument zu holen. Da scheint es nur konsequent, dass das immens beliebte Konsolenspiel Guitarhero in seiner dritten Auflage Morello als eine der beiden verfügbaren, animierten Gitarristen zu Auswahl anbietet.

Im Jahre 2000 verspürt Rage Against The Machine-Sänger Zack de la Rocha künstlerische Differenzen und verabschiedet sich kurzerhand von Rage Against The Machine. Es folgten Ratlosigkeit, Schweigen und der Neubeginn mit Ex-Soundgardensänger Chris Cornell unter dem Namen Audioslave. Wurde politisches Engagement bei RATM groß geschrieben, war Audioslave verhältnismäßig zurückgenommen. Als auch das Aus für Audioslave verkündet wird, bringt Morello die erste Soloveröffentlichung ‘One Man Revolution‘ unter dem Pseudonym The Nightwatchman heraus und stellt wieder eine stärkere Verknüpfung von musikalischer Tätigkeit und politischer Aktion her.

You don’t have to be loud, son, to be heavy as shit” lautet es auf der myspace-Seite seines one man-Projektes. Und das ist Programm. Bewaffnet nur mit einer Akustikgitarre und seiner angerauhten Stimme macht er sich auf als selbsternannter, “schwarzer Robin Hood der Musik”, Kriege, Folter und die Entmündigung der amerikanischen Bürger durch die Regierung anzuprangern und die Menschen zum Denken zu animieren.

2008 erscheint die zweites Soloplatte ‘The Fabled City‘, die erstmals seinen bürgerlichen Namen Tom Morello im Titel trägt. Darauf ist nebendem Folksänger Shooter Jennings auch System Of A Down-Sänger Serj Tankian zu hören. Mit letzterem gründete Morello die Non-Profit-Organisation ‘Axis Of Justice‘, um Musiker, Fans und politische Basisorganisationen zusammenzubringen, immer mit dem Ziel vor Augen, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Ein Zoon Politikon, ein Mensch gewordener Zeigefinger mit Zug zum Aktionismus eben.

Anna-Christin Voigt