Zur Zeit touren Torpus & The Art Directors durch die Republik. Im Gepäck haben sie neben ihrer neuen Platte “The Dawn Chorous” auch dessen Vorgänger “From Lost Home To Hope”. Für ihr aktuelles Album zog sich Sönke Torpus samt Band tief in den Norden Deutschlands zurück. Heraus kam eine folkige Platte mit Weitblick. Wir trafen Sönke vor dem Konzert der Band im Berliner Privatclub.

 

Erzähl doch erst mal was über euer neues Album. Wie war der Entstehungsprozess, was unterscheidet es von seinem Vorgänger?

Wir haben viel mehr als Band gearbeitet. Der ganze Prozess des Schreibens fand viel mehr im Proberaum, mit allen fünf  zusammen, statt. Das Album ist viel mehr mit der Band entstanden, deshalb klingt das auch viel mehr nach einer Band. Beim letzten Album war es hauptsächlich der Fall, dass im Studio viel entstanden ist. Dieses mal haben wir uns das komplette letzte Jahr im Proberaum zurückgezogen und uns mit diesem Album beschäftigt. Deshalb ist es ein viel kompakteres, runderes Ding geworden. Die Lieder entstanden in einem viel kürzeren Zeitraum. Bis auf zwei oder drei Ausnahmen sind die Songs alle 2014 entstanden. Die Platte spiegelt also einen ganz bestimmten Zeitabschnitt wieder. Auf dem letzten Album entstanden Lieder eben über einen Zeitraum von drei Jahren. Das ist so die wesentliche Veränderung. Ich finde die Platte klingt viel mehr nach der Band, wie sie live klingt. Wir haben uns da mit Spielereien ein bisschen zurück gehalten und das alles mehr auf den Punkt gebracht.

Wie wichtig ist es für die dich, für die Band und für das Album, jetzt endlich auf Tour zugehen und die Songs live zu spielen?

Boah, total wichtig! Überhaupt mal wieder live zu spielen wurde Zeit. Letztes Jahr haben wir bewusst auch wenig gespielt. Es ist gut so eine Rückmeldung zu bekommen. Mit persönlich hat tatsächlich auch die Bühne an sich gefehlt. Das mit den neuen Liedern ist natürlich total spannend. Die Leute, die jetzt auf unsere Konzerte kommen, die kennen die alten Songs und freuen sich, wie das immer so ist, vor allem auf die älteren Sachen. Aber viele finden auch die neuen Lieder total super und gehen da mit. Man merkt natürlich, dass sie da noch nicht so mitsingen können aber man merkt zumindest, ob die Stücke live gut ankommen und das ist natürlich total wichtig und schön zu sehen. Anscheinend haben wir einiges richtig gemacht.

Die gesamte Band stammt aus dem Norden, für die Aufnahmen habt ihr euch an die dänische Grenze, in ein altes Schulgebäude, zurückgezogen. Wie wichtig ist das Umfeld für euch?

Was ich von vielen Leute gehört hab ist, dass man dem Album diese Weite anhört. Das Meer, den Deich und die Schafe. Das hören die Leute tatsächlich aus der Platte raus. Ich selbst kann das nicht beurteilen, da ich nicht genug Distanz zum Album hab. Vor allem das Album an diesem Ort aufzunehmen, war etwas ganz besonderes für uns. Das Studio war mal eine Grundschule, die mittlerweile umgebaut wurde. Ein gute Freund von uns hat das 2001, glaube ich, gemacht. Schon damals haben wir mit unseren Schülerbands dort aufgenommen. Natürlich mehr oder weniger amateurmäßig. Mit der Zeit wurde es natürlich immer mehr und größer, die Situation hat sich einfach verändert. Dieser Ort ist aber einfach etwas ganz besonderes für uns, das ist sozusagen unsere Heimat. Wenn wir von Nordfriesland, unserer Heimat, sprechen, dann sprechen wir von dieser Grundschule. Viele der Lieder habe ich auch dort geschrieben. Unser Freund, der das aufgebaut hat, ist vor ein paar Jahren gestorben. Deshalb steht das Studio zur Zeit leider größtenteils leer. Man kann es aber immer noch mieten. Die Räume sind voll mit alten Instrumenten, die alte Schultafel hängt noch an der Wand und wenn man aus dem Fenster schaut, dann sieht man einfach nichts – also Felder. Für uns war das einfach sehr inspirierend, weil es sehr beruhigend ist dort zu arbeiten. Man ist in der Sache drin. Das letzte Album haben wir hier vorne an der Schlesischen Straße aufgenommen, das ist auf jeden Fall was anderes. Wenn man keine Lust mehr hat auf’s Studio, geht man einfach raus und steht in Kreuzberg. Man hat immer die Möglichkeit an einen Späti zugehen und noch ein paar Bier zu holen. Das ist schon anders.

Der Albumtitel “The Dawn Chorous” bedeutet frei übersetzt ja “das Vögelgezwitscher am Morgen”. Ist das auch so das Thema, die Stimmung, die über der Platte schwebt?

Auf jeden Fall! Diese Stimmung am Morgen war für uns etwas sehr positives. Sehr ruhig aber eben positiv und so ist das Album eben auch. Es sind zwar viele melancholische, traurige oder wütende Themen über die ich singe die aber dann trotzdem eine optimistische Wendung bekommen, da ich selbst ein sehr optimistischer und größtenteils glücklicher Mensch bin, der sehr dankbar für alles ist. Deshalb war das so der Tenor, den wir in den meisten Liedern gefunden haben. Wir fanden, dass die Morgendämmerung sehr gut passt.

Heute Abend spielt ihr das fünfte Konzert der Tour. Ab wann wird alles anstrengend?

Tatsächlich heute. Wir kennen uns gut genug um uns dann aus dem Weg zu gehen. Das ist immer so ein Punkt, den man auf der Tour überschreiten muss, dann ist es Routine. Immer während der ersten drei, vier oder fünf Tagen gibt es einen Tag, an dem geht alles schief – und der ist heute. Deswegen sind heute alle ein wenig platt. Ab morgen geht’s dann ganz normal weiter. Erfahrungsgemäß muss man aber auch sagen, dass die Konzerte an solchen Tagen immer die Besten sind. Wenn alles schief geht, dann spielen wir oft die besten Shows. Das Ganze macht mal mehr, mal weniger Spaß. Wenn man dann auf der Bühne steht, merkt man aber wieso man all das hier auf sich nimmt.

Wo fühlt ihr euch denn während der Tour am Wohlsten? 

Das ist auf jeden Fall die Bühne. Wenn das nicht der Fall wäre, sollte man das vielleicht lassen. Wenn man auf Tour fährt und sich im Bett am Wohlsten fühlt, ist man irgendwie falsch. Das ist einfach der Moment, in dem man erkennt, wieso man das alles überhaupt macht. Der ganze Ärger oder Stress, den man den ganzen Tag hatte, verschwindet dann.

 

Was läuft so im Tourbus? Wir haben die Antwort!

Torpus & The Art Directors touren noch eine Weile durch Deutschland. Hier die Termine:

am 14. April 2015 in Köln, Blue Shell

am 15. April 2015 in Osnabrück, Kleine Freiheit

am 16. April 2015 in Essen, Zeche Carl

am 18. April 2015 in München Milla

am 19. April 2015 in Freiburg, Waldsee

am 20. April 2015 in Nürnberg, Club Stereo

am 22. April 2015 in Hannover, Lux

am 23. April 2015 in Hamburg, Gruenspan

am 24. April 2015 in Husum, Speicher

am 25. April 2015 in Bremen Tower