Mit “Sprinter” hat Mackenzie Scott alias TORRES eines der interessantesten Alben des bisherigen Jahres heraus gebracht. Wir haben die 24 jährige zum Interview getroffen.

Du hast gerade dein zweites Album “Sprinter” veröffentlicht – inwiefern unterscheidet es sich von deinem Debutalbum?

Der Themenkomplex auf dem Album ist größer angelegt. Auf meinem Debut dominierten Songs über Herzschmerz, auf “Sprinter” singe ich über Dinge, über die ich vorher noch nie gesungen habe. Meine Kindheit zum Beispiel oder das Konzept von Patriotismus, oder eher Antipatriotismus. Aber es gibt immer noch Liebeslieder auf dem Album. Dieses Album soll kosmischer sein, wenn du so willst. Ich möchte mehr Menschen erreichen.

Gibt es auch musikalische Unterschiede?

Auf dem ersten Album musste ich erst lernen, die Songs, die ich auf der akustischen Gitarre geschrieben hatte, auf das Konzept einer Bandbegleitung anzuwenden. Für “Sprinter” habe ich die Songs auf der E-Gitarre geschrieben und hatte im Vorhinein viel mehr klangliche Optionen. Ich bin mit einer klaren Vision ins Studio gekommen und wusste genau, wie die Songs klingen sollten. Das Album sollte universaler und facettenreicher sein, als das erste. Ich möchte viele Menschen ansprechen, aber dennoch eine sehr spezifische Sprache benutzen.

Das ist dir, meiner Meinung nach, vor allem auf dem letzten Song des Albums “The Exchange” sehr gut gelungen. Was kannst du über diesen Track sagen?

Der Song handelt von meinen Existenzängsten. Wie ich schon sagte, habe ich mich viel mit kosmischen Ideen beschäftigt und damit geht nun mal einher, dass man sich der eigenen Sterblichkeit zunehmend bewusst wird. Ich will mit dem Song eine Verbindung herstellen zu Menschen, denen es ähnlich geht.

Ist Musik dein Weg, um sicher zu gehen, dass du etwas auf dieser Welt zurücklässt? 

Hmm…ja, ich denke, es ist okay, sich das einzugestehen (lacht). Wenn ich kann, möchte ich Menschen mit meiner Musik helfen. Ich bin sehr dankbar für die Musik, die meine liebsten Künstler hier für mich zurück gelassen haben.

Wolltest du jemals etwas anderes sein, als eine Musikerin?

Nicht wirklich. Ich fand Schauspielerei schon immer interessant und denke auch darüber nach, einen Roman zu schreiben. Aber Musik hat für mich immer Priorität. Ich sehe mich als Performerin und möchte so viele künstlerische Elemente, wie möglich in mein Schaffen einfließen lassen.

Hast du dich sofort in deiner Rolle als Musikerin wohlgefühlt, als es dann soweit war?

Ich hatte ein Grundgerüst aus Selbstvertrauen, das ich mir durch konstantes Schreiben und Spielen in Cafes und Bars in Nashville erarbeitet habe. Das konnte ich dann durch das viele Touren und die Konzerte ausbauen und als es soweit war und ich das Debut aufnehmen sollte, war ich sowas von bereit (lacht).

Was gibt es zu fürchten an Menschen, die das Dunkel nicht kennen? (Bezug auf die Textzeile: “darkness fears what darkness knows but if you´ve never known the darkness then you´re the one i fear the most.” aus New Skin.)

Eine sehr gute Frage. Menschen, die das (psychische) Dunkel nicht kennen, tendieren dazu ignorant und ängstlich gegenüber Dingen aufzutreten, die sie nicht kennen. Und diese Menschen möchten, das was sie nicht kennen unbedingt kontrollieren – so entsteht Unterdrückung und ein Regime der Angst, ein feindseliges Umfeld.