‚Es gibt nur zwei Dinge, die ich nicht versteh: Japanisch und Deutschen Hip Hop.’

„Ich kann ganz klar sagen, daß ich von mehr als zwei Dingen weiß, die ich nicht verstehe. Die Musik und besonders die Texte von TREND gehören bisweilen dazu, und wow!, es ist wunderbar, endlich mal wieder eine Band zu entdecken, die man nicht gleich beim ersten hören versteht! Die man vielleicht nie so ganz kapieren wird, weil sie Dir immer ein kleines Stück voraus ist, weil sie um mehrere Ecken denkt und dabei keine Wegbeschreibungen hinterlässt. Die lebt und atmet, brüllt und zappelt, sich verheddert und wieder frei kämpft. Die Dich verwirrt zurück lässt, dir Dinge zu entdecken gibt und Dich im ursprünglichsten Sinne des Wortes erregt.

Wenn eine solche Band sich selbst „Trend“ und ihre erste Veröffentlichung „Das Produkt“ nennt, dann offenbart allein das schon die Prise Humor und Selbstbewusstsein, die man in der Bierernsthaftigkeit der gegenwärtigen Rockmusik meist vergeblich sucht. Und diese Band hält auch live, was sie auf dem Produkt verspricht. Ich war mit ihnen auf Tour, und ich habe sie gesehen, die Fragezeichengesichter im Publikum, die sich nicht so recht entscheiden konnten, ob sie gerade gnadenlos verarscht, subtil beschimpft oder einfach nur grandios unterhalten werden. Wusste ich es? – Nein. Muss ich es denn wissen? – Nein, verdammt noch mal. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann mich Rockmusik zum letzten mal wirklich irritiert hat, statt mir Kaugummis, Bankkonten oder Emotions by Allkauf verkaufen zu wollen.

Da ich TREND mit diesem Aufsatz beschreiben soll, aber nicht erklären kann (und will), bleibt mir also nicht viel mehr, als eine Aufzählung all dessen, was sie NICHT sind. Und da kommt man ja ohnehin nicht drum herum, wenn man von deutschsprachiger Gitarrenmusik redet.

Da wäre zunächst einmal: PUNK. Wenn eine Musikgruppe es schafft, mit einfachen Worten, sparsamer Instrumentierung und gegen null tendierendem Rockstargestus trotzdem den größtmöglichen Effekt zu erzielen, dann kommt einem schnell dieses große Wort in den Sinn. Und kein Zweifel, TREND können „Punk“ aufgrund ihrer musikalischen und ideellen Herkunft problemlos buchstabieren. Sie benutzen hierzu – und das ist der Unterschied zu dem Kegelclub, der sich im Jahre 2005 „Punkszene“ nennt –allerdings ihre eigene Sprache. Das führt bei ihnen zum Glück, aber auch nicht zu jenem nur scheinbar modernen, eigentlich aber rückwärtsgewandten Sound, der sich von allem inhaltlichen Ballast gelöst hat und uns auch ohne Deutschrockquote rund um die Uhr die Ohren verstopft, so dass es selbst einem aufmerksamen Musikfan schwer fällt, die Gruppen überhaupt noch auseinander zu halten.

Und auffällig: als Gegenpol zum Rumpelpunk der Ewiggestrigen einerseits, oder zur ignoranten Attitüde Selbstverliebter Rock/Elektro/HipHop-Rabauken andererseits, werden hierzulande gerne so genannte „intelligente“ Bands bemüht. die bringen bei aller Nettigkeit meist leider nicht mehr zustande, als den Identifikationsstiftenden Soundtrack für die Befindlichkeiten sensibler Biertrinker und Junggebliebener NEON-Leser. Sie liefern das trostspendene flüstern, den warmen Mantel, das gut gemeinte Gutenachtlied für den verschüchterten Mitteleuropäer in Zeiten der Globalisierung. Ich kann Entwarnung geben: auch mit dieser form von unerträglicher Harmlosigkeit haben TREND nichts zu schaffen.