Auf dem Cover des Debütalbums “Mi Libro Abierto” steht der Name Laura Lopez Castro. Vorne auf dem Booklet ist auch nur sie zu sehen, doch wie schon der Gitarrenhals im unteren Eck andeutet, steckt hinter der Musik noch jemand anderes, nämlich ‘Don’ Philippe Kayser vom HipHop-Trio Freundeskreis. Aus spanischem Gesang und schwermütiger Gitarrenmusik ist hier nun eine äußerst ergreifende Mischung aus dieser Zusammenarbeit entstanden.

Obwohl ihr auf vielen Fotos gemeinsam abgelichtet seid und auch das Interview zu zweit gebt, steht auf der CD nicht Castro und Kayser. Wieso eigentlich nicht?
Philippe: Klar gab’s mal kurz die Überlegung, ob wir beide als Künstler auf dem Plattencover stehen sollten, aber dadurch verkompliziert sich das doch nur alles. Das war mir wirklich nicht so wichtig!

Die erste gemeinsame Aufnahme soll ja schon 2002 entstanden sein. Wie kam es dazu?
Laura: Das war ganz spontan. Kurz danach bin ich nach Mexiko abgereist. Ich kam einfach bei Philippe mit meinem Text vorbei, und wir haben dann das Acapella aufgenommen. Philippe hat erst danach die Musik drum herum gebaut. Als ich nach drei Monaten wieder kam, gab es plötzlich ein ganz tolles Lied.
Philippe: Ich wusste, dass Laura singt, aber hatte sie nur mal bei einem Karaoke-Abend gehört. Sie erzählte dann irgendwann, dass sie bei einem Musiker mal ein Acapella aufgenommen hätte. Da meinte ich, dass wir das ja auch mal machen könnten. Es gab damals überhaupt noch nicht das Konzept, dass wir daraus zusammen weiter was schaffen. Ich hatte sie wirklich nur das Acapella einsingen lassen. Doch dann habe ich, während sie weg war, einfach mal Musik dazu gemacht. Das kam überall so gut an, dass wir schnell gemerkt haben, dass das etwas Besonderes mit einem ganz eigenen Sound ist. Laura war auch sehr begeistert, weil sie wirklich alles erwartet hatte. Bloß nicht das, was dann am Ende bei raus kam.

Auf der Website gibt es eine Videoaufnahme des Stücks “Una Mujer” zu sehen. Warum ist dieses Lied denn nicht auf dem Album?
Laura: Das Album war einfach schon so komplett. Es war doch nicht der Grund, weil ich in Spanien war, oder?
Philippe: Wo dir gesagt wurde, dass das ein frauenfeindlicher Text ist?
Laura: Mir war nie bewusst, dass das als frauenfeindlich angesehen werden könnte. Die Stimmung darin fand ich super, wobei ich das immer mit einer Ironie darin gesungen habe. Für mich hat das Stück etwas total Nostalgisches. Als ich in Spanien war, hat mich allerdings die Schwiegermutter meiner Schwester gefragt, wie ich denn so was singen könnte. Damit wird doch gesagt, dass die Frau hinter den Herd gehört.
Philippe: Ich glaube, das ist aus den Vierzigerjahren oder sogar noch früher. Da hatte der Texter noch eine ganz andere Vorstellung von der Gesellschaft. Letztendlich geht es darum, wie er sich vorstellt, wie die Frau sein sollte. Betörend zum Beispiel, was wir gar nicht so ernst genommen haben. Aber in Spanien haben wir dann gemerkt, dass viele Frauen das gar nicht so lustig finden.
Laura: Klar, weil die Spanierinnen lange dafür kämpfen mussten, so frei zu sein, wie sie heute sind. Und dann kommt so eine wie ich, die das Alles über den Haufen wirft.
Philippe: Das war bestimmt nicht der Hauptgrund, warum wir das Stück nicht auf die Platte gepackt haben, aber es war schon so ein Argument, dass wir niemanden damit verärgern wollten. Dabei ist es wirklich ein schönes Lied.
Laura: Live werden wir das bestimmt noch spielen. Da können wir nämlich ansagen, dass das nicht gegen die Stellung der Frauen gerichtet ist.

Mit “Sonhos” und “Estate” habt ihr zwei Coversongs auf der CD. Wieso habt ihr euch für diese Stücke entschieden?
Philippe: Zwei Jahre lang haben wir kein einziges eigenes Stück gemacht. Stattdessen haben wir alle möglichen Bossa-Nova-Klassiker rausgesucht und uns bestimmt 40 Lieder erarbeitet. So fanden wir raus, was uns am Besten liegt – stimmlich und von der Tonart. Erst danach haben wir angefangen, eigene Sachen zu machen.
Laura: In der Zeit, in der wir nur Coversongs gespielt haben und uns unseren Stil erarbeitet haben, waren diese zwei Stücke diejenigen, die uns am Besten gefallen haben. Es ist einfach so, dass sie uns gut liegen. Außerdem fanden wir sie inhaltlich super.

Worum geht es denn darin?
Laura: Das sind beides Texte über die Liebe. Beide Geschichten handeln von einer Trennung. In der einen heißt es: “Weißt du noch, im Sommer, wie wir uns kennen gelernt haben?” Es ist ein Rückblick auf diese schöne Zeit. Und “Sonhos” ist ein tragisches Lied, das eigentlich ein Mann geschrieben hat. Er sagt darin: “In der Zeit, in der ich dich am meisten geliebt habe, hast du mir gesagt, du hättest jemand anderen.”

Sind deine spanischen Texte auch so melancholisch?
Laura: Das ist alles eher so was Tragisches. Bei dem einen Lied sagt er noch: “Ich liebe dich so sehr, dass ich nur will, dass du glücklich bist. Ich nehme mich zurück in meiner Liebe – und irgendwann werde auch ich wieder glücklich sein.” Wir neigen beide eher zu den schweren Dingen.
Philippe: Da geht es uns wirklich beiden so. Wenn ich auf der Gitarre spiele, sind das auch nie Gassenhauer. Wenn ich was schreibe, dann komponiere ich immer eher Melancholisches.

Text: Holger Köhler