„They Never Come Back!“ Irgendwer hat irgendwann mal diesen Satz geprägt, aber wovon auch immer er oder sie sprach – das Filmbusiness wird es kaum gewesen sein. Denn natürlich kommen sie immer wieder, und zwar alle. Nicht nur Dieter Kosslick und seine Berlinale sind in dieser Woche wieder da und versetzen mit mehreren hundert Filmen in zehn Tagen die Medien und natürlich alle Cineasten in Aufregung. Auch bei den regulären Neustarts in den Kinos trifft man in dieser und der nächsten Woche allerlei Rückkehrer.

Mit „Rocky Balboa“ beispielsweise hatte wohl kaum noch jemand gerechnet. Über 30 Jahre ist es her, dass der Boxer sich erstmals über die Leinwand kloppte, was damals viel Ruhm, reichlich Geld und sogar Oscars einbrachte. Natürlich stieg er auch danach noch ein paar Mal in den Ring, doch selbst „Rocky V“ ist schon fast 17 Jahre her. Dass Sylvester Stallone – Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion – sich den Knochenjob nun noch einmal antut, ist trotzdem nicht verwunderlich: er tut es nicht obwohl, sondern gerade weil er mittlerweile 60 Jahre alt und damit schon fast im besten Rentenalter ist. Der italienische Hengst, wie er gerne genannt wird, hat einfach seit Jahren keinen erfolgreichen Film mehr abgeliefert, und da liegt doch nichts näher, als auf frühere Erfolge zurückzugreifen, um die Pensionskasse aufzubessern. Herausgekommen ist erstaunlicherweise ein recht netter Film: Rocky ist plötzlich wieder Außenseiter und tritt ein letztes Mal (sicher?) gegen einen Jahre jüngeren Gegner an. Ein bisschen sentimental vielleicht, aber unterhaltsam – und sicherlich erfreulicher als der nächste „Rambo“, den Herr Stallone aus lauter Übermut nun auch schon plant.

Das Comeback der kommenden Woche gestaltet sich wesentlich blutiger, und erstaunlicherweise ist der Protagonist dort plötzlich jünger als beim letzten Mal. Liegt nicht an Botox, sondern daran, dass „Hannibal Rising“ keine Fortsetzung, sondern ein so genanntes Prequel ist. Wir erfahren also, wie Hannibal Lecter, der berühmteste Kannibale der Filmgeschichte, zu dem wurde, was wir aus „Das Schweigen der Lämmer“, „Hannibal“ und „Roter Drache“ kennen. Das Problem dabei ist: wir wollten es eigentlich gar nicht wissen! Denn gerade darin, dass die Psyche dieses Monsters uns nicht bis ins kleinste Detail erklärt wurde, lag bisher der Reiz. Jetzt aber führt kein Weg daran vorbei, und dass böse Nazi-Schergen, eine tote kleine Schwester und eine mysteriöse Asiatin mit Martial Arts-Kenntnissen damit zu tun haben, ist noch abstruser als alles, was wir uns erträumt hatten. Doch der neue Hauptdarsteller Gaspard Ulliel macht seine Sache nicht schlecht, und weil der Film trotz des bekannten Ausgangs recht spannend ist, kann man ihn problemlos als kurzweiligen Horrorkitsch konsumieren.

Eine verzwickte Sache mit dem Alter ist es auch in „Der gute Hirte“, der erst auf der Berlinale seine Premiere feiern und am 15.2. dann in den Kinos anlaufen wird. Matt Damon spielt die Hauptrolle in Robert de Niros fast dreistündiger Geschichte der CIA, doch dass sich die Geschichte über gute 30 Jahre erstreckt, erkennt man an Milchbübchen Damon nur daran, dass die Klamotten spießiger und die Brille dicker wird. Irgendwann hat er – gemeinsam mit der fehlbesetzten Angelina Jolie – einen erwachsenen Sohn, der fast genauso alt ist, wie er. Sehr merkwürdig!

Damons ehemaliger bester Freund Ben Affleck meldet sich nach zahllosen Flops übrigens auch zurück und ist in „Die Hollywood -Verschwörung“ überraschender weise richtig gut. Dass der Noir-Krimi, der – basierend auf einer wahren Geschichte – vom rätselhaften Tod des Superman-Darstellers George Reeves in den Fünfziger Jahren erzählt, ein Kassenknüller wird, ist allerdings trotzdem nicht unbedingt zu erwarten.

Ebenfalls ernste und überraschend überzeugende Wege schlägt Spaßvogel Will Ferrell ein, der in „Schräger als Fiktion“ einen furchtbar langweiligen Normalo spielt, der irgendwann entdecken muss, dass er Protagonist eines Romans der Schriftstellerin Kay Eiffel (die wunderbare Emma Thompson) ist, die dafür bekannt ist, dass die Helden am Ende ihrer Bücher immer sterben. In der Inszenierung von Marc Forster ist das zwar nicht ganz so schräg wie „Being John Malkovich“, nach dessen Skurrilität hier erkennbar gestrebt wird, aber origineller und amüsanter geht es im Kino momentan trotzdem nicht zu.

Dieses Urteil schließt auch „Kings of Rock“ ein, obwohl dort immerhin Ferrells ebenfalls sehr lustiger Kollege Jack Black mitspielt. Zusammen mit seinem Kollegen Kyle Gass betreibt der die Rockband Tenacious D – im wahren Leben wie im Film. Der Unterschied liegt allerdings darin, dass das Duo auf der Leinwand vollkommen erfolglos ist und sich daher auf die Suche nach dem magischen Gitarrenplektron des Teufels macht, um endlich groß herauszukommen. Und man kann den beiden nur wünschen, dass auch die zahllosen pubertären Furzwitze, die den Film bevölkern, nichts mit ihrem echten Leben zu tun haben.

Richtig nah dran an der Realität ist dagegen ein anderer Musikfilm. In der Dokumentation „Yes I Am  berichten D-Flame, Adé, Mamadee, Xavier Naidoo und andere Brother’s Keepers über ihre Erfahrungen mit Rassismus und das Leben als so genannte „Afrodeutsche“. Ein sehr lehrreiches, glaubwürdiges und auch musikalisch überzeugendes Filmprojekt.

Dagegen sei gesagt, dass wir über die dusselige deutsche Komödie „Die Aufschneider“ einfach das Mäntelchen des Schweigens decken, nicht obwohl, sondern gerade weil der sonst so begnadete Christoph Maria Herbst und die niedliche Cosma Shiva Hagen mitspielen. Die französische Komödie „Sie sind ein schöner Mann!“, die durchaus als anspruchsvolle, cineastische Antwort auf Fernsehmüll wie „Bauer sucht Frau“ zu verstehen ist, kann man dagegen guten Gewissens weiterempfehlen. Überhaupt scheint das französische Kino gerade wieder groß aufzutrumpfen, wie gerade auf der Berlinale zu erleben ist. Dazu dann ein anderes Mal mehr – um genau zu sein: in zwei Wochen, wenn das Festival vorüber ist und der Potsdamer Platz wieder von Touristen statt von Filmstars bevölkert wird.

Text: Patrick Heidmann