Den Albumtitel “Descendend Like Vultures” widmet er all denjenigen da draußen, die aus lauter Gier nicht mehr in der Lage sind, aufeinander Acht zu geben und sich ständig übervorteilen müssen. Ein Sack voller guter Gedanken verpackt in warme, bewegende und lustige Arrangements sind auf dem zweiten Album des Kaliforniers so super vertreten, dass es nichts gibt, worüber Zach Rogue nicht schreiben dürfte. Schon allein deswegen, weil sein Stiefvater ihm – als er noch ganz klein war – versicherte, es gäbe nichts, was nicht absurd genug wäre, um darüber einen Song zu machen.

Als Zach Rogue im Jahr 2003 sein Debüt ‘Out Of Shadow’ alleine in seinem Wohnzimmer schreibt und komponiert, hat er noch niemanden gefunden, den er in seiner Band besonders gut oder besonders schlecht leiden könnte. Und man hat ja zwei Möglichkeiten, wenn man über eine lange Zeit auf so engem Raum zusammen ist: entweder, man wird richtig gut Freund miteinander oder man hasst sich bis aufs Blut. Aber nachdem er über Craigs List Menschen gefunden hat, mit denen er ‘kreativ, freundlich und musikalisch sein kann’, nimmt er das Album auf und entgeht so der verschrobenen Existenz eines Musikers, der übers Tape verschicken an seine Freunde und Verwandte nicht hinauskommt.

Sein zweites Album nimmt er nun von Beginn an mit der Band auf: “Das war eine Entwicklung, die passieren musste, und ich bin sehr froh, dass wir das zweite Album jetzt von Beginn an mit einer Band und vor allen Dingen mit meinen Freunden aufgenommen haben. Die Band arbeitete nun an jedem Prozess mit und das machte die Sache weitaus entspannter, würde ich sagen.” Zach Rogue ist ein bisschen müde, aber sonst gehe es ihm gut, sagt er. In seinem großen Haus in Kalifornien, wo er laut eigener Aussage den ganzen Tag auf den Holzdielen neben seinem Rechner lümmelt und sich Songs ausdenkt. Dem neuen Album hört man dann auch an, dass er imstande ist, auch auf dem Fußboden große Gedanken zu entwicklen.

Es geht um Freundschaft und Liebe, die ewige Suche nach Zeit, das Kämpfen um die Individualität, Schrauben zu verlieren oder wenn die Landschaft bei 80 Stundenkilometer an einem vorbei rast. Es wäre also völlig unmöglich für ihn, ein Konzept-Album zu schreiben, in dem es nur um mehr oder weniger eine Sache geht? “Ich würde über den Verfall der westlichen Welt schreiben wollen. Manchmal hat es bei meinen Texten den Anschein, dass ich sie in Gedanken schon viel eher fertig habe und sie dann nur noch raus lasse. Aber das ist nicht ganz richtig, ich bin natürlich genauso von unserer kulturellen Entwicklung beeinflusst wie andere.” Zach hält kurz inne und lacht ein bisschen. Weil er sich seiner Phrase bewusst geworden ist. Dieser Satz mit der Kultur passt auch so gar nicht zu ihm und es macht ihn so sehr sympathisch, wenn er plötzlich hinzufügt: “Aber warte, ich werde meine Meinung ändern. Das nächste Album werde ich über Deutschland und seine erste konservative Bundeskanzlerin schreiben, wie sie versucht, in einer großen Koalition gut auszusehen.” Und zerstört in einem Satz alle Vorurteile, welche man über politisch uninformierte Amerikaner zu verhängen pflegt.
Wir freuen uns auf weitere Alben dieses Typen und seinen Freunden.

Text: Rebekka Bongart