Mit seinem neuesten Werk ‘Sinnflut’ ist Curse nach eigener Meinung der erste deutsche Solo-MC, der vier Alben veröffentlicht hat. Da muss schon lange überlegt werden, um jemand anderen zu finden, der das geschafft hat, und für Curse auch relevant ist.

Einige andere Rapper haben zum Teil mit Mixtape- oder so genannten Street-Alben natürlich schon mehr Scheiben rausgehauen. Sabrina Setlur hat vier Platten veröffentlicht – allerdings die erste als Schwester S. Nicht mal Samy Deluxe und Afrob erfüllen das Kriterium korrekt. “Das ist mir auch nur so zufällig aufgefallen. Ich habe einfach überlegt, wer auf diesem großen, kommerziellen Level schon soviel veröffentlicht hat. Bestimmt gibt’s Underground-Rapper, die mehr Scheiben gemacht haben. Samy hat vier Alben gemacht, aber eines davon war mit Afrob als ASD. Da könnte ich auch noch die CD von meinem Projekt Prestige bei mir einrechnen. Selbst Azad und Bushido haben das nicht vor mir geschafft. Kool Savas hat im Grunde sogar erst eines, wenn du die ‘richtigen’ Alben zählst. Das ist jetzt aber auch nicht so, dass ich damit angeben will, sondern ich fand das einfach bemerkenswert!”

Doch da Curse sowieso Qualität noch wichtiger ist als Quantität, zählt bei ‘Sinnflut’ nur, dass das Ganze stimmig ist. Um die Hörer deshalb in die richtige Grundstimmung zu versetzen, hat Curse als Intro ein Stück namens ‘Einklang’ gesprochen. Darin beschreibt er seine Situation wie ein Samurai, der sich auf die alles entscheidende Schlacht vorbereitet. Das Ganze klingt so überzeugend, dass danach eigentlich ein Hörbuch folgen müsste. “Ich habe mich schon öfter für Synchronisation oder Hörbücher-Mitarbeit beworben, aber bisher hat es leider noch nicht geklappt. Ich hätte jedoch richtig Bock darauf, mal so was zu machen. Also wenn das hier jemand liest und einen Job in der Richtung für mich hätte, sag Bescheid.”

Doch statt einer weiteren Geschichte folgt dann erst einmal ‘Der Fluch’, mit dem Curse einfach sich selbst repräsentiert. Schließlich leitet sich der Titel ja von seinem Künstlernamen Curse ab, wobei Curse wiederum auf seinem richtigen Nachnamen Kurth basiert. Schon interessant, wie einen solche Sachen inspirieren können. Der mit Sänger Samir aufgenommene Song ‘Struggle’, der auch bereits auf der Vorabsingle ‘Gangsta Rap’ enthalten war, ist dagegen eine Art Essenz aus vielen Gesprächen, die Curse mit jüngeren Freunden und Fans geführt hat und für die er ein paar Ratschläge bereithält. “Ich bin der Meinung, dass wir als Rapper einen Einfluss auf die Zuhörer haben. Teilweise sind wir für sie wichtiger als die Lehrer oder Eltern, weil sie sich stundenlang die Musik reinziehen und jedes Wort für bare Münze nehmen. Da habe ich schon Bock darauf, denen ein oder zwei Sachen mit auf den Weg zu geben. Wobei sie mir ja auch viel geben.”

So sind bei ‘Sinnflut’ wieder einmal die unterschiedlichsten Songideen verarbeitet. Mit Vanessa Mason fordert Curse in ‘Show Love’ ein bisschen mehr Liebe in der Welt, bei ‘Kein Weg Zurück’ denkt er über verpasste Chancen nach und zusammen mit Italo Reno erzählt er in ‘Links Rechts’, welche großen Wirkungen schon die kleinsten Entscheidungen hervorrufen können. Für ‘Broken Language Reloaded’ hat sich Curse dann noch Samy Deluxe ins Studio geholt und den Originalproduzenten D/R Period von ‘Broken Language’ um den passenden Beat gebeten, damit sie wie Smoothe da Hustler und Trigger tha Gambler ihre Fähigkeiten runterrattern können. “Der Feinschmecker, der Ein-Take-Einrapper./ Ich brauch kein Live-Backup, mein Bester./ Der Feind-ganz-klein-Häcksler”.

Nachdenklich wird’s dafür zum Beispiel noch mal bei ’24’, das nichts mit der gleichnamigen Actionserie zu tun hat. “Bei ’24’ geht es nicht darum, dass genau 24 Stunden beschrieben werden, sondern das ist nur ein Sinnbild dafür, dass ein Tag eben 24 Stunden hat. Am Ende des Songs kommt raus, dass sich die beschriebene Person mit HIV angesteckt hat: ’24 sein und erkennen, oh mein Gott, was habe ich gemacht?/ 24 Jahre getauscht für den Rausch von nur einer Nacht!’ In dem Track wird klar, wie relativ eigentlich Zeit ist. Eine Sekunde kann dein Leben verändern. Es geht nur darum, was du tust in dem Moment, in dem du dich befindest.”

Text: Holger Köhler