Überaus erfolgreich kämpft sich derzeit Will Smith als letzter Überlebender durchs von Zombiemutanten bevölkerte New York, doch nicht alle Kinohelden müssen sich in dieser Woche mit derart lebensbedrohlichen Problemen herumschlagen.

„Once“ jedenfalls ist das komplette Gegenprogramm: eine klitzekleiner und bescheidener Film über einen Mann und eine Frau, die sich näher kommen und gemeinsam musizieren. Das ist genauso schlicht und wunderschön, wie es sich anhört – und vermutlich das erste Indie-Folk-Musical der Filmgeschichte! Unbedingt ansehen! Und den Soundtrack anhören!
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Absolut sehenswert, aber wesentlich weiter weg vom echten Leben ist „I’m A Cyborg But That’s Okay“. Die junge Goon denkt darin, wie der Titel schon sagt, sie sei eine Maschine. Das Essen hat sie längst zugunsten von Batterienlecken aufgegeben, doch immerhin der hübsche und ähnlich durchgeknallte Soon kommt ihr in der Anstalt näher. Der neue Film von Koreas Kultregisseur Park Chan-wook ist eine echte Überraschung: statt einer erneuten, brutalen Racheorgie erzählt er ein buntes, einfallsreiches und erstaunlich romantisches Exzentrikmärchen der ganz besonderen Art.

Sehr viel einfallsloser präsentieren sich da die diversen Literaturverfilmungen dieser Woche. In der Stephen King-Adaption „Der Nebel“ ist, ähnlich wie bei Will Smith, Endzeitstimmung angesagt, als sich graue Schwaden über der amerikanischen Ostküstenprovinz niederlegen und ein wackeres Grüppchen sich im Supermarkt verschanzt. Die Mutanten, die da aus dem Nebel drängen, sind zwar keine ehemaligen Menschen, sondern riesige Insekten und Tentakelwesen, aber das macht das Überleben natürlich nicht leichter. Den Filmgenuss allerdings auch nicht, denn die vergleichsweise schlechten Spezialeffekte kommen der Spannung nicht zu gute – und die Absicht des Regisseurs, vor allem die menschliche Psyche in Extremsituationen zu zeigen, geht irgendwie unter.

Vermeintlich um die Psyche geht es auch in „P.S. Ich liebe dich“. Auch dies eine Literaturverfilmung, wobei die Vorlage von Cecilia Ahern nur für jene Leser gruselig war, die mit „Frauenliteratur“ genannten Banalitäten nichts anfangen konnten. Im Kino ist es jetzt jedenfalls Hilary Swank, die darunter leider, dass ihr Lebensgefährte (Gerard Butler) viel zu früh stirbt. Doch als wäre Trauerarbeit nicht genug, hat der Softie auch noch dutzende Briefe geschrieben, die seiner Liebsten den Aufbruch in ein neues Leben nicht gerade erleichtern.

Ebenfalls von Tragik dominiert wird Marc Forsters „Drachenläufer“. Die Freundschaft zweier Jungs im Afghanistan der Siebziger Jahre nimmt dort eine tragische Wendung, was Jahre später einen von ihnen dazu veranlasst, in die alte Heimat zurückzukehren. Wirklich nahe mag einem die mit tollen Bildern und überzeugenden Schauspielern inszenierte Geschichte trotzdem nicht gehen, was in erster Linie an der in den Neunzigern spielenden Rahmenhandlung liegt, die auch vor pädophilen Taliban nicht zurückschreckt, um von Schuld und Wiedergutmachung zu erzählen.

Vielleicht halten wir uns in dieser Woche also doch lieber an die kleinen Geschichten, die nicht so dick auftragen müssen. Im Angebot sind beispielsweise das melancholische Porträt eines ungewöhnlichen jungen Mannes, der einen Diebstahl filmt („Hope“ vom polnischen Regisseur Stanislaw Mucha) und die präzise strukturierte Geschichte von fünf Freundinnen, die sich nach 14 Jahren erstmals wieder treffen („Fallen“ von der wunderbaren Barbara Albert aus Österreich). Und natürlich das überraschende Kinojuwel „Once“, das man – genau wie seine tollen Hauptdarsteller Glen Hansard und Markéta Irglové und die wunderschönen Songs – gar nicht oft genug loben und anpreisen kann!

Text: Patrick Heidmann