Schon mal erlebt? Man war mit Freunden im Kino, sitzt danach noch beim Bierchen zusammen und quatscht über den Film. Doch schon nach fünf Minuten fragt man sich: haben wir den gleichen Film gesehen? Es scheint mindestens zwei völlig verschiedene Meinungen dazu zu geben – und das nicht, weil einer Will Ferrell für einen großen Brüller, der andere ihn für eine Knallcharge hält. Vielleicht sollte man nicht vergessen, dass Kino (na gut, Will Ferrell-Filme vielleicht ausgenommen) immer auch eine Kunstform ist, und Mehrdeutigkeit ganz klar zu deren Grundeigenschaften gehört.

„300“ ist in dieser Woche ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich man ein und denselben Film verstehen kann. Die meisten sehen darin vermutlich eine Comicverfilmung, die ihrer Frank Miller-Vorlage optisch durch beachtliche Computerarbeit erstaunlich nahe kommt und inhaltlich arg schlicht, pathetisch und brutal vom spartanischen König Leonidas und seinem kleinen Heer erzählt. Die Regierung des Irans allerdings, die neulich scheinbar einen Betriebsausflug ins Kino gemacht hat, hat jedoch etwas völlig anderes darin gesehen – und sich deswegen beschwert. Sie versteht den Film als verkappte Kriegsansage seitens der USA, denn immerhin kämpft der König gegen iranische, äh – persische Truppen. Dass allerdings deren Führer Xerxes in dieser Geschichte der Goliath und die Spartaner die Underdogs sind, haben die Herren wohl übersehen.

Vielleicht waren sie auch geblendet von den vielen ölig glänzenden Männerkörpern. Es ist nämlich auch ein Leichtes, „300“ als kaum verhohlene Zelebrierung der Homoerotik zu sehen. Schließlich geht es nur um prächtig trainierte Kerle in knappsten Lendenschürzen und ihre spektakulären Bauchmuskeln. Xerxes trägt darüber hinaus viel Mascara und noch mehr Goldschmuck – und selbst der nackte Hintern von Gerard Butler hat eine prominente Rolle übernommen. Wem jedoch auch diese Lesart nicht zusagt, kann den Film problemlos für Gewalt verherrlichenden Blödsinn halten!

Ganz andere Probleme mit Vergleichen hat derweil „Freedom Writers“. Eigentlich ist die Sache klar: es geht um eine fast schon penetrant engagierte Lehrerin, die täglich vor einer Horde Problemschüler steht und sie so schnell zu bessern Menschen macht, wie es sonst in Hollywood nur strenge Basketballtrainer schaffen. Doch weil sie als Unterrichtsmaterial nicht nur Rapsongs, sondern auch „Das Tagebuch der Anne Frank“ benutzt, bringt dieser „Dangerous Minds“-Abklatsch bald ein paar Ebenen durcheinander. Der Vergleich zwischen Holocaust und Ghetto-Alltag geht nämlich leider selbst dann nicht wirklich auf, wenn ihn eine Oscar-Preisträgerin wie Hilary Swank predigt.

Aber vielleicht versteht man eine Sache ja manchmal auch als Publikum einfach falsch. So ging ich eigentlich bisher immer davon aus, Diane Kruger sei ein eher uninteressantes Fotomodell, dass es in Heidi Klums Fernsehshow noch nicht einmal zum Recall geschafft hätte, und deren Abstecher auf die Leinwand von eher kurzer Dauer sein würde. Doch ich habe mich wohl gehörig getäuscht: bei der Dame handelt es sich angeblich wirklich um eine Schauspielerin. Sie tut zumindest mit Inbrunst so, diese Woche als Beethovens Assistentin in „Klang der Stille“, nächste Woche schon wieder und überhaupt das ganze Jahr!

Da lobe ich mir doch Morgan Freeman, von dem ich übrigens mit Sicherheit weiß, dass er schauspielen kann. Mit missverständlicher Mehrdeutigkeit hat der Mann es jedenfalls nicht so. Man weiß einfach woran man bei ihm ist: wenn Freeman auf der Leinwand auftaucht, wird es weise, würdevoll und distinguiert. Selbst als Profikiller in dem soliden Krimi „The Contract“ ist er so freundlich und besonnen, dass er alle Sympathien auf sich zieht und John Cusack, mit dem er wider Willen durch die Wälder zieht, häufig wie einen echten Trottel aussehen lässt.

Und dann ist da ja auch noch „Fantastic Movie“. Glaubt mir, ich habe mich wirklich bemüht, diesen Film von verschiedenen Seiten zu sehen, und habe alles versucht, ihn irgendwie auf verschiedenen Ebenen zu interpretieren. Doch es ist zwecklos! Wie man es auch dreht und wendet – der Film ist einfach Schwachsinn. Im „Scary Movie“-Stil wird sich dieses Mal über Fantasy-Filme wie „Die Chroniken von Narnia“, „Pirates of the Carribean“ und „X-Men“ lustig gemacht, doch lustig ist es eben gerade nicht. Es genügt eben nicht einen tuckigen, betrunkenen Piraten durchs Bild laufen zu lassen, wenn schon die Vorlage das mit einem Augenzwinkern tat. Ein Witz – über Tom Hanks Frisur in „Da Vinci Code“ – hat mich immerhin kurz zum Schmunzeln gebracht. Ich hoffe, ich habe ihn auch richtig verstanden!

Text: Patrick Heidmann