Verderben zu viele Köche eigentlich wirklich den Brei? Für die Arbeit hinter dem Herd mag das schon stimmen, aber im Kino sollte man sich da nicht so sicher sein. Zumindest gibt es nicht wenige Menschen im Filmgeschäft, die unerschütterlich daran glauben, dass mehr eben doch mehr ist.
Im Sommer schlägt sich da nicht selten nieder in noch mehr Fortsetzungen, noch mehr Spezialeffekten und noch mehr Spielzeit, wobei letzteres vielleicht das größte Ärgernis von allen ist. Es spricht ja nichts dagegen, einen guten Film so lange auszukosten wie möglich. Aber muss wirklich jeder zweite Durchschnitts-Actioner über zweieinhalb Stunden lang sein, obwohl der Plot des Drehbuchs nicht mal für eine halbe gereicht hätte? Wir drücken brav den Überlänge-Zuschlag ab, kaufen in der – aus cineastischer Sicht unmöglichen – Pause noch mehr Bier und Popcorn und bekommen als Dank noch weitere 60 Minuten Füllmaterial, das es früher bestenfalls in die Rubrik „erweiterte Szenen“ auf der DVD-Veröffentlichung geschafft hätte. In der Theorie kann man wahrscheinlich tatsächlich nie genug bekommen von Johnny Depp, aber nach drei Stunden „Pirates of the Carribean“ ist man sich in der Praxis doch nicht mehr so sicher…

Bei „Ocean’s Thirteen“ ist die Lage in dieser Woche allerdings ein wenig anders. Weder ist der neue Soderbergh mit guten zwei Stunden zu lang, noch wird für den dritten Teil haufenweise Überflüssiges aufgefahren. Im Gegenteil: eigentlich ist alles wie immer und bekanntermaßen hat sich auch die Sache mit den vielen Stars in der Vergangenheit schon bewährt. Clooney, Pitt, Damon und Co. machen also das, was man von ihnen erwartet und rauben auf raffiniertestmögliche Weise ein Casino in Las Vegas aus. Das ist irgendwie nicht mehr ganz so originell wie beim ersten Mal und auch nicht mehr so selbstironisch wie im unterschätzten zweiten Teil, macht aber auf charmant-elegante Weise immer noch recht viel Spaß, weswegen wir uns nicht beschweren wollen.

Sehr viel bescheidener und kleiner kommt unterdessen „The Namesake“ daher, der neue Film der indischen Regisseurin und Wahl-New Yorkerin Mira Nair. Es geht bei ihr um Indien und die USA, was überhaupt nicht zu viel des Guten ist – bestenfalls hin und wieder für die Familie, von der sie erzählt. Es geht in ihrem wunderbaren, sehr klugen Film um Assimilation, Neuanfänge und darum, dass man seine heimatlichen Wurzeln eben doch nie völlig zurücklassen kann. Eine große Überraschung ist dabei ihre überzeugender Hauptdarsteller: Kal Penn kann wohl doch mehr, als nur den bekifften Trottel in „Harold & Kumar“ und ähnlichem Komödienquatsch zu spielen.

Um eine Art Clash der Kulturen geht es auch in „Das größte Spiel der Welt“. Mongolische Nomaden, eine Gruppe Tuaregs in der Wüste Afrikas und die Bewohner eines Amazonas-Dorfes machen sich 2002 um, weil sie unbedingt das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft sehen wollen. Das ist natürlich alles andere als einfach, schließlich ist der Fernsehempfang nicht nur auf dem Rücken eines Kamels denkbar schlecht. Am treffendsten würde man den Film von Regisseur Gerardo Olivares wohl als Doku-Fiction bezeichnen, aber vor allem ist seine sommerliche Kino-Überraschung eine herrlich skurrile und wahrhaft komische Komödie der anderen Art.

Schließlich ist da auch noch „Fucking Different New York“, und damit sind wir dann auch wieder bei den vielen Köchen und ihrem manchmal schwer verdaulichen Brei angelangt. Die Idee ist nicht neu: in verschiedenen Kurzfilmen erzählen schwule Filmemacher von lesbischer Liebe und umgekehrt. Vor ein paar Jahren kam das Ganze aus Berlin, nun eben aus den USA. Die Ausgangsidee ist aber auch dieses Mal spannender als das Endprodukt, denn die Damen und Herren Regisseure machen angesichts der sehr losen Vorgaben nicht immer das Beste daraus. Manches ist ziemlich trashig, vieles ziemlich langweilig und fast alles recht banal. Ein paar der kurzen Filmchen sind dann aber doch recht amüsant: die schnurrbärtigen Plastik-Bauarbeiter etwa, die sich die Mittagspause mit Sex vertreiben, oder auch die sehr queere Parodie auf Brangelina und ihren Hit „Mr. & Mrs. Smith“. Mehr als eine appetitliche Beilage zum ansonsten misslungenen Produkt ihrer zehn Kollegen ist aber auch diesen Regisseuren nicht gelungen.

Text: Patrick Heidmann