2007 veröffentlichten The Maccabees ihr erstes Album und prägten somit ihren ganz eigenen Stil. Nach dem Release von “Given To The Wild” nahmen sich die fünf Jungs aus London eine kurze Auszeit. 2015 sind sie wieder zurück. Im Gepäck haben die Briten ihr viertes Studioalbum auf dem The Maccabees wieder so klingen, wie vor acht Jahren. Wir trafen uns mit Felix White zum Interview.

Drei Jahre habt ihr gebraucht, bis ihr das neue Album im Kasten hattet. Was habt ihr denn so getrieben?

Das war echt eine lange Zeit. Außer der Arbeiten am Album war eigentlich gar nicht so viel Zeit. Wir haben das Album ja größtenteils alleine gemacht und waren irgendwann an dem Punkt, an dem wir unglaublich viel Material für die Platte hatten.

War das vielleicht auch die größte Herausforderung, euch auf die elf Songs, die es jetzt auf das Album geschafft haben, zu beschränken?

Damit Songs auf unsere Alben kommen, müssen sie komplett fertig sein. Bei so einer Menge an Titeln ist das besonders schwer, das stimmt schon. Wir haben, was das angeht, unseren eigenen Standard, der auch für uns manchmal eine ziemlich große Hürde ist.

Als ihr euer letztes Album aufgenommen habt, musstet ihr die Plattenfirma erstmal von der Qualität der Platte überzeugen. War es dieses mal einfacher?

Genau deshalb war es wohl einfacher. Als wir damals mit „Given To The Wild“ beschäftigt waren, war die Plattenfirma nicht sofort vom Material begeistert. Da es dann aber doch ein ziemlicher Erfolg wurde und uns wirklich auch noch auf ein anderes Level gebracht hat, war es dieses Mal wesentlich einfacher. Sie haben uns einfach sehr viel Vertrauen geschenkt.

2013 hast du ein Solo-Album veröffentlicht, bist du froh wieder mit der Band unterwegs zu sein?

Ja klar. Die Musik auf der Solo-Platte sollte so eine Art Soundtrack werden. Es hat einfach Spaß gemacht sich da auszuprobieren. Mit den Maccabees ist es etwas komplett Anderes.

Ich hatte das Gefühl das es viel experimenteller ist, als alles, was du mit den Maccabees gemacht hast.

Bei Maccabees Alben hast du immer einen gewissen Druck. Da musst du immer alles hinterfragen. Bei meinem Solo-Projekt konnte ich mich davon ein bisschen befreien und mehr Sachen ausprobieren. Ich musste nicht so ins Detail gehen. Florence Welsh und John Bramwell, einer meiner absoluten Helden von I am Kloot, haben am Album mitgearbeitet. Das war eher so eine Geschichte: Ja, wieso eigentlich nicht?

“Wir haben uns alle ein bisschen limitiert aber trotzdem ein dynamisches Album geschaffen.”

Was hat sich auf dem neuen Album denn am Meisten verändert?

Es ist eigentlich eine sehr interessante Platte geworden. Wir haben auf dem neuen Album weniger verschiedene Ebenen als noch auf dem Vorgänger. Wir klingen also viel mehr nach einer Band, die in einem Raum zusammen spielt. Was das angeht, sind wir wohl wieder ein bisschen zu unserem ersten Album zurück gegangen. Es war einfach klar geregelt: Das ist mein Part, das ist das Schlagzeug, das der Bass. Wir haben uns alle ein bisschen limitiert aber trotzdem ein dynamisches Album geschaffen. Es ist eigentlich eine sehr einfache Idee gewesen. Vieles was wir auf dem Album haben, kam irgendwann schon mal vor. Die Platte fasst The Maccabees, unabsichtlich, also auch ein bisschen zusammen.

Ich hab das Gefühl, das ihr eure Maccabees Atmosphäre auf der neuen Platten beibehalten, euch aber auch weiterentwickelt habt. Es ist eigentlich echt schön eine Band zu hören, die sich während der letzten elf Jahre nicht so sehr verändert hat, aber trotzdem einen gewissen Fortschritt in ihren Songs hat. Habt ihr das Gefühl auch?

Die Art und Weise, wie wir spielen und singen, wird immer nach den Maccabees klingen. So wird es immer sein. Trotzdem haben wir uns jedes Mal vorgenommen mit einem Album von vorne anzufangen, nicht immer das gleiche zumachen. Dennoch werden The Maccabees immer nach The Maccabees klingen. Wir hätten „Given To The Wild“ noch mal machen können, was für uns natürlich viel einfacher gewesen wäre. Ich finde, das wir ein Album aufgenommen haben, das nach einer Band mit ihrer ganz eigenen Dynamik klingt. Manchmal ist das das Schwerste.

In den letzten Jahren hat man in Deutschland immer wieder lesen dürfen, dass britische Musik tot sei. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass da immer wieder etwas Neues kommt und natürlich kommen alte Bands, wie ihr, auch wieder zurück.

Die britische Presse ist von diesem „oh, Gitarrenmusik. Wir brauchen mehr Gitarrenmusik, Rockmusik ist tot“ total bessesen. Das ist einfach das Erbe der britischen Musikszene. Wir werden natürlich auch immer in einen Topf mit den Beatles, den Stones, The Clash oder The Smiths geworfen. Die Presse ist davon, vor allem in Großbritannien, besessen. Aus meiner Sicht ist das einfach nur irreführend. Musik heutzutage ist einfach anders, als sie es noch vor ein paar Jahren war. Kinder haben einfach nicht mehr das Verhältnis zur Musik. Ich sehe aber nicht Gitarrenmusik verantwortlich dafür.

Es kommt ja immer wieder etwas neues nach. Ist die britische Szene vielleicht auch deshalb etwas besonderes?

Findest du?

Schon. Du hast einfach diese ganzen Subkulturen, aus denen sich regelmäßig etwas neues Entwickelt.

Es liegt einfach in unserem Blut. Da hat sich aber auch etwas geändert. Als wir aufwuchsen konntest du dich, wenn du nicht im Büro arbeiten wolltest, zwischen Fußballspieler oder Musiker entscheiden. Heutzutage ist es einfach nur noch Fußballspieler. In der Musikindustrie verdienst du einfach nicht mehr so viel Geld, wie du es damals vielleicht hast. Es ist auch einfach schwer, erfolgreich zu sein.

Es ist bestimmt nicht einfach als Band in England, weil du eigentlich immer mit anderen verglichen wirst. In Deutschland hast du einfach keine Bands wie die Rolling Stones oder die Beatles.  

Das ist einfach der Markt. Es gibt aktuelle einfach viele Bands, die sechs Konzerte spielen und dann von der Industrie übersehen werden, weil sie eben nicht so gut sind wie die Arctic Monkeys oder wer auch sonst. Es ist echt schwer für diese Bands, weil sie dann einfach keine Chance haben.

Es ist schwer eine bessere Band als die Arctic Monkeys zufinden, weil es die Arctic Monkeys einfach gibt.

Ganz genau!

“Jetzt haben wir es eben geschafft, dass die Leute sagen ‘ah, das klingt nach The Maccabees’.”

Du musst schon ähnlich klingen, aber eben auch besser sein. Ihr habt euch vor elf Jahren diesen speziellen Sound zu eigen gemacht, an dem andere Bands bestimmt auch scheitern.

Das stimmt wohl. Für uns war das aber auch keine einfache Zeit. Als wir das erste Album veröffentlichten, haben wir immer zu hören bekommen „ah, die klingen wie The Futurheads“. Beim zweiten Album „ah, die klingen wie Arcade Fire“. Jetzt haben wir es eben geschafft, dass die Leute sagen „ah, das klingt nach The Maccabees“. Es hat lang gedauert, war nicht einfach ist aber jetzt umso schöner.

Eine Zeitreise ins Jahr 2007 gefällig?