2012 veröffentlichten Vierkanttretlager ihr letztes Album. Im selben Jahr nahmen die Jungs aus dem hohen Norden am Bundesvision Songcontest von Stefan Raab teil. Danach wurde es still um die Band. Drei Jahre später sind Max, Christian und Leif wieder zurück. Im Gepäck hat die Band aus Husum ihr neues Album “Krieg&Krieg” und eine ganz persönliche Weltanschauung. Im Interview erzählten uns Max und Christian was sie mit ihrem Album aussagen wollen und wo die Reise hingeht.

Was habt ihr in den letzten Monaten und Jahren getrieben?

Max: Wir haben am Album gearbeitet. Es hat relativ lange gedauert, wir haben sehr lange aber auch sehr viel geschrieben. Allerdings haben wir gar nicht so lange an einzelnen Sachen rumgedoktert. Wir hatten einfach einen sehr großen Output und dann aussortiert und geschaut, was ist die Platte, was bedeutet das überhaupt.

Und was bedeutet die Platte?

Max: Es gibt ja diesen thematischen Überbau, der eine Möglichkeit darstellt, wie man das Album verstehen kann und der war eben ein sehr guter Motor, vor allem inhaltlich. Und dann kam immer mehr und immer mehr und irgendwann standen wir vor diesem riesigen Haufen und hatten dann den Luxus zu sagen „Okay, was davon hat die Qualität am Ende Teil dieses Albums zu sein?“. In unserer heutigen Zeit ist man, wenn man innerhalb von zwei Monaten kein Album veröffentlicht, weg vom Fenster. Deswegen hatte das wohl diese Außenwirkung, dass wir weggewesen wären.

Christian: Als wir angefangen haben zu schreiben, haben wir uns gesagt, dass wir uns die Zeit dann einfach auch nehmen.

Ist das zweite Album denn wirklich immer das Schwerste?

Max: Es gibt ja viele Gründe, warum es so sein könnte. Ein Grund ist, dass du für das erste Album dein ganzes Leben Zeit hast und beim zweiten hast du eben Druck. Ich weiß nicht ob das Nächste dann leichter wird.

Wir sprechen uns nach dem Dritten dann noch mal!

Beide: Lachen!

Max: Es war natürlich anstrengend. Es ist auch wichtig, dass es so ist. Dann spürt man eben auch, dass da etwas passiert. Das erste Album war genauso anstrengend. Am Debüt haben wir vier Jahre gearbeitet, nur wusste das niemand. Im Prinzip glaube ich aber schon, dass wir Typen sind, die sich viel Zeit nehmen. Wir wollen einfach sicher sein.

Man merkt der Platte aber gar nicht an, dass es so ein langwieriger Prozess war.

Max: Das ist ja das Schöne daran.

Was unterscheidet denn die Arbeit am ersten Album von der am zweiten?

Max: Man hat jetzt einfach schon ein Produkt über das man reden kann. Du hast ein fertiges Album, du kannst abwägen: „Das würde ich gerne anders machen“. Das sorgt vielleicht auch bei manchen Bands dafür, dass eine gewisse Leichtigkeit verloren geht. Wir hatten am Anfang eine Phase in der es einfach von alleine lief und dann am Ende wieder.

Du hast ja schon angesprochen, dass über dem ganzen Album ein gewisses Thema steht, auch der Albumtitel „Krieg&Krieg“ ist ja sehr provokativ. Gibt’s da eine Geschichte dahinter?

Max: Lustigerweise wusste ich das schon bevor die erste Platte fertig war. Als wir 2010 auf Tour waren, hab ich den ersten Text zu „Krieg&Krieg“ geschrieben und da war mir eigentlich schon klar; So muss die nächste Platte heißen. Aus dem Text ist dann eben auch die Geschichte entstanden. Uns ist ganz wichtig, dass wir keine Anleitung zum Album geben, sondern ganz viele Ebenen und persönliche Bezüge. Die Geschichte die das Album eigentlich erzählt steckt aber schon in dem ersten Titel drin.

In eurem Pressetext steht: „Das Album liefert Antworten auf brennende Fragen“. Welche sind das?

Max: Für brennende Fragen wünscht man sich ja eine Löschung. Die brennendste aller Fragen auf dieser Welt ist wohl die: „Warum können wir uns nicht miteinander verstehen oder was müssen wir tun, damit wir uns verstehen“. Auf dem Album geht es darum, wie sich die Welt immer rationaler entwickelt. Die Antwort auf die Frage ist dann einfach: Wie schaffen wir es das endlich Ruhe herrscht. Im wahrsten Sinne des Wortes, ist das die Auslöschung des Menschen. Dann aber nicht mit Gram, sondern einfach mit der Einsicht: Wir merken das führt zu nichts mehr und dann lassen wir das lieber. Das ist aber natürlich nicht meine ernsthafte Antwort. Ich hab das Gefühl, dass diese Entscheidung, ob sich der Mensch lieber ausrotten will, als zusammen zu bestehen, bereits getroffen wurde. Trotzdem ist unser Album keine Anleitung dazu auf die Straße zu gehen und sich umzubringen. Ganz im Gegenteil: Es geht eher darum, einen Impuls zu setzen und für Widerspruch zu sorgen.

Jeder hat glaube ich seine eigenen Antworten, oder?

Max: Na ich hoffe das. Ich habe ja auch keine wirklich endgültigen Antworten. Christian sagt das immer so passend: Auf dem Album geht es auch um einen inneren Kahlschlag. Es geht darum, immer wieder auf einen Nullpunkt zu kommen. Ich überlege mir, worauf läuft das alles hinaus, was ich hier mache. Dieses Gefühl an der Klippe zu stehen und kurz davor zu sein runterzuspringen und dann zu merken von dieser inneren Leere erfüllt zu sein und sich dann einzugestehen: Ich will mich doch eher auf das Positive besinnen. Die Platte ist eigentlich sehr positiv. Ich finde auch schön, dass viele Leute das so verstanden haben.

Christian: Es geht auch wirklich nicht darum Pessimismus zu streuen. Wenn man sich umschaut und versucht eine Antwort zu finden, ob die Menschheit noch zu retten ist, dann ist es nicht so abwegig auf ein „Nein“ zu kommen.

Würdet ihr so weit gehen und sagen wir befinden uns in einer Einbahnstraße auf der es am Ende nicht mehr weitergeht?

Christian: Das Gefühl in der Einbahnstraße zu stecken ist auf diesem Album auf jeden Fall vorhanden. Für uns ist die Platte eine relativ hilflose Bestandsaufnahme.

Um jetzt vom Album wieder auf euch als Band zurückzukommen: Es gibt ja aktuell doch viele deutschsprachige Bands. Es ist wieder angesagt auf Deutsch zu singen.

Max: Für uns spielt das überhaupt gar keine Rolle in unseren Überlegungen, wieso wir jetzt auf deutsch singen. Es ist einfach die Sprache in der ich denke. Deshalb kommen die Texte auch einfach auf Deutsch. Ich muss in der Sprache texten, in der ich singe. Ansonsten verliert das Ganze auch seine Unmittelbarkeit.

Wie wichtig ist für euch denn die Herkunft aus dem Norden?

Max: Ich glaube, dass diese Kleinstadt-Geschichte, über die ja schon oft geredet wurde, für uns ausschlaggebender war. Wir konnten eben frei aufspielen, weil wir keinen Szenekodex oder so hatten. Das hätte aber in jeder anderen Kleinstadt auch funktionieren können. Da machen sich die Leute gerne was vor und geben solchen Dingen eine gewisse Bedeutung. Für uns spielt das aber keine so große Rolle.

Christian: Das Einzige, was wir so aus dem Norden mitgenommen haben, oder eines der Dinge, ist das, wenn es in Berlin nieselt und grau ist man das nicht so schlimm findet. Was uns positiv beeinflusst hat war, dass wir nie so wirklich hip waren. Das verdirbt gute Musiker oft.

Wo seht ihr euch denn in Deutschland? Man liest immer wieder von einer Mischung aus Tocotronic, Kraftklub und Sven Regener.

Christian: Ich glaube, wenn wir einen Song aufnehmen, geht es gar nicht mehr um einen gewissen Sound. Wenn wir anfangen etwas zu schreiben, wird nie jemand sagen „das klingt zu sehr nach Rock“. Solche Sprüche habe ich seit sechs Jahren nicht mehr gehört. Im Endeffekt nehmen wir eigentlich alles an Ideen, was wir kriegen können.

Max: Das hörte sich jetzt so an als würden wir irgendwo abkupfern.

Naja ihr holt euch einfach die Einflüsse, die ihr so habt.

Max: Ja klar, das ist natürlich immer etwas Unterbewusstes. Mir wäre das irgendwie auch zu wenig. Mir ist wichtig, mich mit mir selbst, mit meinen Gedanken auseinander zu setzen.

Christian: Für uns ist diese Diskussion immer ein bisschen müßig. Musikjournalisten führen sie aber immer gerne.

Zurecht?

Max: Ich kann das schon verstehen! Es ist einfach unglaublich schwierig über Musik zu schreiben. Das ist wie Gerüche beschreiben. Wir haben die Kategorisierung unserer Musik ja nicht erfunden. Wir haben nie gesagt, dass wir eine Mischung aus Element Of Crime und Tocotronic sein wollen. Das wurde uns irgendwann zugetragen und irgendwann findet man sich eben damit auch ab. Wir würden uns deshalb aber niemals limitieren lassen und unsere Musik darauf beschränken. Es geht einfach nur darum, dass irgendwann mal bei einer anderen Band steht „das klingt wie Vierkanttretlager“. Das ist der natürliche Verdauungsprozess.

Sich dagegen zu wehren hat glaube ich auch wenig Sinn.

Max: Ich finde das ja auch verständlich. Viele Leute fluchen immer darüber. Aber mein Gott, die Leute wollen einfach wissen, was das für Musik ist.

Christian: Nervig wird das Ganze halt dann, wenn sich Bands ihre Vorbilder zu offensichtlich suchen. Ich hoffe das Gefühl hat man bei uns nicht. So lange man das nicht hat, darf man uns gerne so beschreiben.

Was würdet ihr eurem Ich aus der Vergangenheit sagen, wenn es jetzt neben euch säße?

Max: Ich würde sagen, dass er durchhalten soll und dass es sich lohnt.

Gab es denn den Punkt an, dem ihr mal an allem gezweifelt habt?

Max: Nein, das nicht. Es war einfach nur sehr anstrengend. Ein kreativer Prozess ist immer irgendwie anstrengend. Wenn ich einen Text schreibe der nur fünf Minuten beansprucht, ist das trotzdem aufreibend. Das macht einen komplett fertig. Wenn das dann drei Jahre dauert und man zu dritt ist, das Ganze dann immer wieder durchkauen muss, da kann keine Band erzählen, dass das nur Spaß macht. Wir haben jetzt sozusagen zwei Kinder geboren und dann vergisst man auch den Schmerz relativ schnell wieder.

Christian: Wir wurden das schon mal gefragt, ob wir irgendwann überlegt haben aufzuhören. Das stand aber ganz ehrlich nie zur Debatte. Wir haben immer dran geglaubt, dass es geil wird.

Max: Eigentlich ist es ja irrelevant, wie ich das Album finde aber ich finde es sehr gut. Beziehungsweise ist meine Meinung für andere irrelevant, für mich ist das sehr wichtig.

Christian: Mit einem schlechten Album wäre es garantiert auch schwerer auf Tour zu gehen.

Ihr fragt euch, was Vierkanttretlager privat so hören?

Vierkanttretlager live

am 14. Mai 2015 in Wien, Rhiz

am 15. Mai 2015 in St. Pölten, Freiraum

am 16. Mai 2015 in München, Milla

am 17. Mai 2015 in Heidelberg, Halle 01

am 18. Mai 2015 in Frankfurt/Main, Nachtleben

am 19. Mai 2015 in Köln, Luxor

am 20. Mai 2015 Hamburg, Molotow

am 21. Mai 2015 in Berlin, Bang Bang Club

am 05. Juni in Husum, Speicher

am 06. Juni in Husum, Speicher