Endlich! Endlich! Endlich ist er auch in Deutschland angekommen, der Film des Jahres. „The Dark Knight“, das Aufeinandertreffen von Batman und dem Joker, ist innerhalb weniger Wochen schon zum zweierfolgreichsten Film aller Zeiten geworden (nach „Titanic“) – und was wurde in letzter Zeit nicht bereits alles darüber geschrieben. Über Heath Ledger natürlich, dessen letzter vollständiger Film „The Dark Knight“ ist und dessen Tod in einigen deutschen Medien nach wie vor beharrlich als Selbstmord bezeichnet wird. Über den grimmigen Batman Christian Bale, der angesichts dieses Gegenspielers beinahe verblasst und plötzlich mit handgreiflichen Familienstreits Schlagzeilen machte. Und natürlich auch über Regisseur Christopher Nolan, dem es tatsächlich gelungen ist, eine Comic-Filmreihe wiederzubeleben, die an George Clooneys Nippelanzug fast zugrunde gegangen wäre.

Was also gibt es noch zu sagen, was nicht schon längst gesagt worden wäre? Zumindest so viel: der Film ist tatsächlich fast so grandios, wie all die Aufregung vermuten lässt. Außerdem ist es wahrhaftig nicht allzu gewagt zu vermuten, dass Ledger für seinen Auftritt als Joker posthum für den Oscar nominiert werden dürfte. Was er in „The Dark Knight“ abliefert, ist jedenfalls so krass, eindrucksvoll und atemberaubend, dass er damit nicht nur die anderen Filmhelden dieser Woche ordentlich in den Schatten stellt.

Dabei ist es nicht so, dass nicht auch andere neue Filme schillernde oder ungewöhnliche Protagonisten zu bieten hätten. Der „Räuber Kneißl“, eine Art Mundart-Western vom „Wer früher stirbt…“-Regisseur Marcus H. Rosenmüller, basiert sogar auf einer historischen Figur. Ende des 19. Jahrhunderts hielt Kneißl als Mörder und Wilderer die Behörden in Atem, begeisterte das einfache Volk und war einfach nicht zu fassen. Nun wird er in deftigstem Bayerisch von Maximilian Brückner gespielt, der sonst als „Tatort“-Kommissar eigentlich auf der anderen Seite des Gesetzes steht. Genau übrigens wie Maria Furtwängler, die hier ebenfalls mit von der Partie ist.

Deftig zur Sache geht es durchaus auch in „Der Sohn von Rambow“, wobei schon die Schreibweise des Titel erahnen lässt, dass nicht schon wieder hirnloses Gemetzel von Herrn Stallone auf dem Programm steht. Aber immerhin dient der gnadelose 80er-Jahre-Kämpfer hier zwei frechen Jungs als Vorbild, die nicht nur ein eigenes Remake des ersten Teils drehen (das wesentlich originell daherkommt als die Vorlage), sondern nebenbei auch noch eine wunderbare, nicht unkomplizierte Freundschaft schließen – und einen lässigen Kommentar zur Kino-Piraterie-Hysterie abgeben.

Auch Ismael alias Louis Garrel in „Chanson der Liebe“ ist eine reizvolle Filmfigur. Immerhin teilt der junge Mann sein kuscheliges Bett nicht nur mit diversen hübschen Frauen (teilweise gleichzeitig!), sondern irgendwann auch mit einem niedlichen Burschen. Das Ungewöhnlichste an Frankreichs charmantestem Lockenkopf ist allerdings etwas ganz anderes: genau wie seine Kollegen bricht Garrel hier in schöner Regelmäßigkeit in Gesang aus, trällert Chansons und tänzelt dazu durch die Straßen von Paris!

Aber was ist das schon im Vergleich zum tschechischen Kellner Jan, der in der sonderbaren Dramödie „Ich habe den englischen König bedient“ Geld und Frauen gleichermaßen liebt und auf der Suche nach beidem durch die tschechische Geschichte des 20. Jahrhunderts schlittert. Hitler, kostbare Briefmarken, kommunistische Gefängnisse und sogar Julia Jentsch spielen in seinem Leben entscheidende Rollen, was zwar Jiri Menzels Film nicht zu einem Meisterwerk, ihn aber doch immerhin zu einem kuriosen Protagonisten macht. Dass allerdings auch einer wie er dem Joker nicht die Show stehlen kann, versteht sich irgendwie von selbst.

Patrick Heidmann